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| 19:17 Uhr

Saison-Beginn
Bürgermeister badet als Erster

Bengt Kanzler entsteigt dem kühlen Nass. Kinder der Kita „Rappelkiste“ hatten den Bürgermeister zurvor lautstark zum Anbaden aufgefordert.
Bengt Kanzler entsteigt dem kühlen Nass. Kinder der Kita „Rappelkiste“ hatten den Bürgermeister zurvor lautstark zum Anbaden aufgefordert. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Vetschau. Das Sommerbad in Vetschau ist seit Freitag wieder geöffnet – bereits zum 91. Mal

Seine größten Fans hat der Vetschauer Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) offenbar im Kindergarten „Rappelkiste“. Zumindest konnte man sich am Freitag im Vetschauer Sommerbad dieses Eindrucks nicht erwehren. „Bürgermeister! Bürgermeister!“ riefen die Mädchen und Jungen nahe des Beckenrands. Derart motiviert konnte Kanzler nicht anders. Mit Schwimmmeister Tomek Duda hechtete er ins kühle Nass. Das Wettschwimmen über die 50 Meter gewann – niemand. Beide schlugen genau gleichzeitig an, wobei der durchtrainierte Duda Kanzler auf den letzten Metern verdächtig auffällig rankommen ließ.

Das idyllisch gelegene und kulturgeschtlich wertvolle Bad ist für Vetschau ein Zuschussgeschäft, das man sich gerne leistet, sagte Kanzler, nachdem er dem mit 18 Grad noch recht kühlen Nass entstiegen war. 80 000 bis 100 000 Euro müsse die Stadt jährlich zuschießen für Personal- und Betriebskosten. In Vorbereitung der Freibadsaison in der Spreewaldstadt wurde der Sandfilter repariert, was allein 5000 Euro gekostet hat. Ferner mussten der Kies komplett ausgetauscht, der Beckenrand repariert, das Becken gestrichen und der Sand im Volleyballfeld ausgetauscht werden.

Auf lange Sicht fallen jedoch noch viel höhere Kosten an. Laut Angaben aus dem Bauamt ist das im Mai 1927 eingeweihte Freibad insgesamt sanierungsbedürftig und eine entsprechende Planung fällig. Wasseraufbereitung, Umkleidekabinen und Becken müssen komplett erneuert werden. Zu prüfen sei ferner, ob nicht auch Sprunganlage oder eine neue Rutsche angeschafft werden sollten, um für mehr Attraktivität zu sorgen. Bei 15 000 Gästen pro Saison komme nur knapp 12 000 Euro Eintrittsgeld zusammen, da die Preise seit mindestens zehn Jahren stabil niedrig sind. Für Kinder beträgt der Eintritt ein Euro, Kleinkinder bis drei Jahre dürfen umsonst mit ins Bad genommen werden.

Zuschuss zu gewähren und einen günstigen Eintritt anzubieten sei  von den Stadtverordneten ausdrücklich gewollt, sagt Bengt Kanzler. Und auch seiner Meinung nach sollte Vetschau alles tun, das Bad zu erhalten. Es mache die Stadt attraktiver, hier lernen die Kinder schwimmen. 80 Prozent der Mädchen und Jungen in der Kita „Rappelkiste“ können schwimmen, wenn sie die Einrichtung verlassen, bestätigt Leiterin Heidrun Wetzk. Auch Kinder aus dem Hort nutzen das Sommerbad und Oberschüler aus Burg, ergänzt Rathaus-Mitarbeiterin Katharina Maier.

Darüber hinaus wird die Anlage mit 50 Meter-Becken, Kleinkinderbecken, Volleyballplätzen und viel Liegefläche im Schatten von Laubbäumen auch dieses Jahr wieder für Veranstaltungen genutzt. So werden in der Reptener Chaussee am 1. Juni wieder der Kindertag gefeiert und am 23. Juni das Stundenschwimmen von 0 bis 20.18 Uhr stattfinden. Am 27. Juli und 26. August dürfen sich Vetschauer und Gäste auf das Nachtschwimmen mit – hoffentlich – gut sichtbarem Vollmond freuen.

Inwieweit der besondere Charme des Sommerbads mit seinen hölzernen Umkleidekabinen bei einer umfassenden Sanierung gewahrt bleiben kann, dürfte eine planerische Herausforderung sein. Der Mayonnaisefabrikant und spätere Ehrenbügrer Richard Hellmann hatte es seinerzeit finanziert. Wie Bürgermeister Kanzler bestätigt, steht ein Teil des Sommerbads unter Denkmalschutz.