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Bündnis fordert sichtbare Ergebnisse im Ocker-Kampf

Vetschau. Es steht schlecht um die Wasserqualität der Spree und deren Zuflüsse. Der Status des Biosphärenreservates Spreewald ist mehr als gefährdet – und es gibt keine wirkliche oder gar schnelle Lösung. Das ist das eher ernüchternde Fazit, dass das Bündnis "Klare Spree" auf einer Mitgliederversammlung gezogen hat. Peter Becker

Obwohl mit allen Kräften und mit enorm viel Engagement der Vereinsmitglieder gegen die Verockerung gesteuert wurde, wurde eigentlich nichts erreicht. Jedenfalls fast nichts, wenn der Grad der aktuellen Verockerung betrachtet wird, so Sprecher Peter Stephan.

Was erreicht wurde, sei die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, der Politik, und vor allen Dingen wurden die fachlich Verantwortlichen erreicht. Doch so rosig, wie das klingen mag, ist es letztlich doch wieder nicht, hieß es am Dienstagabend in Vetschau: Besonders die Tourismusbetriebe im Spreewald wollen keine Negativ-Schlagzeilen. Die Branche befürchtet Einbußen.

Die Politik scheue sich, die Verantwortlichen wirksam in die Pflicht zu nehmen. Diese wiederum schöben die Verantwortung weg: Wer sei für die Verockerung verantwortlich? Die DDR-Altlastenverwaltung, der aktuelle Betreiber Vattenfall, die LMBV oder doch lieber einfach nur die Geologie/Hydrologie der Natur?

Nach dem vor zwei Jahren beschlossenen Sofortprogramm der Landesregierung gegen die Verschmutzung wurde aus der Sicht der Verantwortlichen viel erreicht: Der Lichtenauer und der Schlabendorfer See wurden bekalkt, die Vetschauer Grubenwasserreinigungsanlage wieder in Betrieb genommen und eine Wasserreinigungsanlage am Eichower Fließ errichtet. Doch die erhoffte Verbesserung ist nur teilweise eingetreten .

Das Aktionsbündnis forderte daher auf seiner Mitgliederversammlung erneut ein, dass nicht die Maßnahmen, sondern der Grad der Verbesserung Kriterium des Erfolges sein kann. Bloße Beräumungen ändern nichts am Grad der Verockerung, hieß es. Es müssen an die Quellen gegangen und effektive Barrieren errichtet werden. Keinesfalls dürfe es "Opferstrecken" geben, also vorerst aufgegebene Fließabschnitte. Besonders das Quellenproblem erweise sich zunehmend als ein Politisches, denn etwa 90 Prozent der Ockereinträge komme aus Sachsen. "Dort ist man wenig sensibilisiert, dort wird nur nach Vorschrift gearbeitet", schätzte der Spremberger Nabu-Vorsitzende Wieland Böttger auf der Versammlung ein. Vattenfall und LMBV legten immer wieder Messreihen vor, die eine Verbesserung der Wasserqualität beweisen sollen. Doch jeder sehe, dass die Zuflüsse in den Spreewald brauner denn je sind. Christine Clausing schlug daher vor, eigene Messungen in Auftrag zu geben: "Damit wir gegenhalten können." Unabhängige Labore sollten beauftragt und aus Vereinsmitteln bezahlt werden. Diese aber sind begrenzt. Der Verein könne nur so viel ausgeben, wie er an Mitgliedsbeiträgen und Spenden aufbringt. Das Signal aus der Mitgliederversammlung, gleichzeitig ein Appell an die Touristiker, lautete daher: "Unterstützt den Verein durch eure Mitgliedschaft oder spendet Mittel, damit wir etwas für euch tun können."

Vorsitzender Peter Stephan warb auch für das Programm, Schulen einzubeziehen: "Wir müssen die jungen Menschen sensibilisieren. Sie müssen vielleicht mal ausbaden, was ihnen der Bergbau eingebrockt hat."

Vor dem Verein liegt ein schwieriger Abschnitt, denn die Umweltprobleme verstärken sich. Stichworte sind die geplante Verklappung von Ockerschlamm in den Altdöberner See, die unklaren Auswirkungen des Cottbuser Ostsees und der (noch) als Ockersperre einigermaßen funktionierende Spremberger Stausee, der beim nächsten "Jahrhunderthochwasser" seine braune Fracht in den Spreewald spülen könnte.

Deswegen laute die Forderung des Vereins: Wiederherstellung der Wasserqualität wie im Jahr 2000 - von der Quelle bis zur Mündung. Nur so könne der EU-Forderung nachgekommen werden, die Wasserqualität nicht zu verschlechtern.