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| 11:20 Uhr

Braune Schmierereien in Lübbenau

Lübbenau. In Lübbenau sind gestern an mehreren Orten rechtsradikale Schmierereien entdeckt worden. Am Hauptgebäude des Oberstufenzentrums (OSZ), an der Turnhalle des Paul-Fahlisch-Gymnasiums sowie vor dem Einkaufszentrum am Roten Platz haben unbekannte Täter eine volksverhetzende Parole und den Nationalsozialismus verherrlichende Symbole hinterlassen. Nils Michaelis

Laut Frank Jonneck vom Polizeirevier Calau weisen die drei Schmierereien den gleichen Text auf. Darin wird in Nazi-Jargon zum "Heldengedenken" aufgerufen. Konkrete Hinweise auf einen bestimmten Täterkreis würden der Polizei nicht vorliegen. Jonneck vermutete, dass die Schmierereien von "Jugendlichen aus Lübbenau stammen". Die Polizei ermittelt wegen der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Sachbeschädigung, teilte Dietmar Badack vom Polizeischutzbereich Oberspreewald-Lausitz mit. Dirk Schollmeier, stellvertretender Schulleiter des Paul-Fahlisch-Gymnasiums, ging gegenüber der RUNDSCHAU nicht davon aus, dass eigene Schüler die Nazi-Parolen an die Wand gesprüht haben. Schollmeier: "Für braune Umtriebe an unserer Schule gibt es keine Hinweise." Ähnlich äußerte sich OSZ-Leiterin Katrin Naumann. Beide halten es für möglich, dass die Täter unter Lübbenauer Jugendlichen zu suchen seien. "In dieser Stadt gibt es eine rechte Jugendszene", so Schollmeier. Er verwies auf frühere Nazi-Graffiti in der Spreewaldstadt, wie sie letztmalig Mitte August in großer Zahl entdeckt worden waren. Auch damals seien Gymnasium und OSZ beschmiert worden (die RUNDSCHAU berichtete). Ob zwischen beiden Graffiti-Serien eine Verbindung besteht, ließ Polizeisprecher Dietmar Badack gestern offen. Nach Angaben der Hausverwaltung des betroffenen Einkaufszentrums war zum Tatzeitpunkt eine Videokamera auf den beschmierten Eingangsbereich gerichtet. Ob die Aufnahmen Hinweise auf die mutmaßlichen Täter liefern, könne erst nach der Auswertung des Materials gesagt werden, hieß es gestern. Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos) betonte, die Stadtverwaltung nehme den Vorfall sehr ernst. Wenzel: "Das ist kein Dumme-Jungen-Streich." Gleichzeitig versicherte er , dass sich die Stadt Lübbenau kontinuierlich im Kampf gegen Neonazis engagiere, etwa in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Mobilen Beratungsteam gegen Rechts. "Offenbar ist rechtes Gedankengut hier aber noch immer in einigen Köpfen", so das Stadtoberhaupt. Rechtsradikalismus sei allerdings ein Problem, das nicht nur Lübbenau, sondern die gesamte deutsche Gesellschaft betreffe. Der gestrige 9. November zählt zu den symbolträchtigsten Daten der deutschen Geschichte. So ist gestern sowohl der Opfer des von den Nationalsozialisten initiierten Judenpogroms im Jahre 1938 als auch der Grenzöffnung in der Ex-DDR vor 16 Jahren gedacht worden.