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| 02:32 Uhr

Brandenburger fleißig wie australische Bienen

In der Holzkirche von Klemzig/Klepsk aus dem Jahre 1576. Gemeinsame Kulturprogramme von Deutschen und Polen erinnern an die Auswanderung von etwa 800 Brandenburgern im Jahre 1838.
In der Holzkirche von Klemzig/Klepsk aus dem Jahre 1576. Gemeinsame Kulturprogramme von Deutschen und Polen erinnern an die Auswanderung von etwa 800 Brandenburgern im Jahre 1838. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Klemzig/Adelaide. Ende November 1838 bauten die ersten 200 Aussiedler aus dem deutschen Dorf Klemzig bei Züllichau das erste deutsche Dorf mit dem Namen Klemzig in der Nähe der Stadt Adelaide auf dem fünften Kontinent auf. Die Auswanderungswelle hatte religiöse Gründe. Sie begann am 8. Juni 1838 im Hafen von Tschicherzig an der Oder. Die Aussiedler aus Brandenburg wurden seinerzeit wegen ihres Mutes, Fleißes und Ehrgeizes bald als "australische Bienen" bezeichnet. Bernd Marx / bdx1

Wie viele Tränen werden die etwa 800 deutsche Aussiedler vergossen haben, die aus religiösen Gründen ihre angestammte und geliebte Heimat rund um die Stadt Züllichau, dem heutigen Sulechow in Polen, verlassen haben?

Die Anordnungen des preußischen Königs, Friedrich Wilhelm III., die lutherische und die reformierte Kirche zur uniierten Landeskirche zu vereinen, wurde von vielen Gläubigen in der Region um Züllichau mit Empörung, Wut und Angst aufgenommen. Da der Kirchenstreit um die "Agende" nicht geschlichtet werden konnte, bemühte sich Pastor August Ludwig Christian Kavel (1798 bis 1860) aus Klemzig um eine geordnete Auswanderung seiner Schützlinge zum fünften Kontinent.

Über Berlin und Hamburg

Vor 175 Jahren, am 8. Juni 1838, verließen die ersten 200 Einwohner von Klemzig (Klepsk) vom Flusshafen in Tschicherzig (Cigacice) mit mehreren Oderkähnen ihre Heimat.

Wenige Tage später folgten die Einwohner aus Schwiebus (Swiebodzin), Möstchen (Moski), Skampe (Skape), Muschten (Myszecin), Friedrichsfelde (Podosie), Kay (Kije), Rissen (Rosin), Jehser (Jezory), Klippendorf (Przygubie), Rentschen (Radoszyn), Palzig (Palck), Nickern (Niekarzyn) und Guhren, ein Dorf, welches heute nicht mehr existiert.

Über Berlin, Brandenburg, Rathenow und Havelberg fuhren die Kähne nach Hamburg. Dort setzten sich am 6. Juli 1838 die Segelschiffe Bengalee und Prinz Georg mit den Auswanderfamilien aus Klemzig in Richtung Australien in Bewegung. Wochen später folgten noch die Segler Zebra und die Catharina zum anderen Ende der Welt.

Ende November 1838 sichteten die Auswanderer auf den ersten Schiffen den Hafen von Adelaide.

Pioniergeist entwickelt

Bereits wenige Tage später errichteten sie mit Pioniergeist und Entschlossenheit ihre neuen Wohnhäuser. Die Schule, die Kirche und das Pfarrhaus gesellten sich dazu. Das Ackerland wurde zügig mit Kartoffeln, Getreide, Mais und Rüben bestellt, um die eigene Versorgung zu sichern. In den Gärten wuchsen bald Bohnen, Zwiebeln, Melonen, Gurken, Salat, Kohl und Blumen. Es wurde gebuttert und im nahen Fluss Torres gefischt. Handwerker, Gewerbetreibende, Arbeiter und Dienstmädchen waren in Adelaide tätig.

Der Fleiß der Ankömmlinge sprach sich schnell herum. Von der einheimischen Bevölkerung wurden die Brandenburger bald als die "australischen Bienen" bezeichnet.

Weihnachten im neuen Heim

Bereits zum Weihnachtsfest 1838 konnten die ersten Familien ihre neuen Heime beziehen.

In ewiger Erinnerung an ihre deutsche Heimat nannten sie das Dorf Klemzig. Noch heute, jetzt allerdings als Stadtteil von Adelaide, ist dieser Name präsent und deutet auf das erste offizielle deutsche Dorf in Australien hin. In Klemzig macht der Gedenkplatz "Klemzig Pioneer Cemetery" auf das Geschehen von anno dazumal aufmerksam. Ein Vierteljahr später, am 28. Januar 1839 wurde mit Hahndorf das zweite deutsche Dorf, es ist im australischen Tourismusbereich sehr viel bekannter als Klemzig, eingeweiht.

Seit dem Jahr 2003 erinnern Wissenschaftler und Regionalforscher aus Brandenburg und Polen sowie Nachfahren der damaligen Auswanderer aus Australien an die historischen Geschehnisse von 1838. So gab es bereits mehrere Treffen dieses Personenkreises in Klepsk.

Mit Gottesdiensten, Gesprächsrunden und kulturellen Veranstaltungen wurde in der Kirche von Klepsk den mutigen Brandenburgern gedacht, die vor 175 Jahren zum anderen Ende der Welt reisen mussten, um ihr persönliches Glück zu finden.