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Boblitz und seine Eiche

174 Naturdenkmale gibt es im Norden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Sie sind in einer Verordnung festgeschrieben, die der Kreistag im Dezember 2007 beschlossen hat. Danach erhalten ausgewählte Einzelbäume, Findlinge und eine Quelle sowie deren unmittelbare Umgebung einen besonderen Schutzstatus. Die Arbeitsgruppe Orts- und Flurbegrünung des Nabu-Regionalverbandes Calau stellt in loser Folge einige dieser Naturdenkmale vor. Heute: Boblitz und seine Eiche. M. Hnida

Am 4. April 2000 fiel die Boblitzer Eiche der Säge zum Opfer, weil ihr hohler Stamm nicht mehr standsicher war. Ihr Alter wurde durch den Baumexperten Michael Stein auf 400 Jahre eingeschätzt, obwohl sie nicht die Mächtigkeit der jüngeren Calauer Napoleoneiche erreicht hat. Bei einem Stammumfang von 6,70 Metern hatte sie eine Krone von 20 Metern Höhe und Breite. Ihre Entwicklung fällt in eine bewegte Zeit. Die "kleine Eiszeit" hatte Europa fast 300 Jahre schockgefrostet. Als es wieder wärmer wurde, waren das für eine Eiche gute Startbedingungen.

Die Grafen zu Lynar übernahmen gerade die Standesherrschaft Lübbenau von den Schulenburgs. Der Dreißigjährige Krieg tobte. In Boblitz lebten 25 Familien (Bauern, Kossäten und Häusler). Paul Fahlisch, der Lübbenauer Ortschronist, berichtete über die Boblitzer Eiche: "Nach Boblitz führte damals kein direkter Landweg. Die Boblitzer mussten entweder über die Klessower Berge nach dem Calauer Weg und von dort zur Stadt Lübbenau gehen, oder wie heute noch die Bewohner von Leipe, auf dem Wasserwege unsere Stadt besuchen.

Wer jedoch gut zu Fuß war und nicht schwer zu tragen hatte, konnte einen Fußsteig, der durch einen mächtigen Erlen- und Eichenwald führte, einschlagen. Eine trauernde Eiche überlebte ihre Geschwister und blieb übrig aus jenen Zeiten. Sie maß am 14. Mai 1924 in einer Höhe von 1,60 Metern im Umfang 5,77 Meter." An ihr vorüber führte der alte Fußsteig. Im Jahr 1703 ließen die Lynars einen Knüppeldamm zwischen Lübbenau und Boblitz aufschütten, deren erster Abschnitt (die heutige Dammstraße) bei Tauwetter mit zwei Schlagbäumen gesichert wurde. An der Eiche führte die alte Poststraße (bis 1850) zwischen Zerkwitz/Kleeden und Boblitz vorbei. Lübbenau war keine Poststation und wurde umfahren.

Im Spreewald änderte sich das Landschaftsbild. Aus dem undurchdringlichen Urwald mit Überschwemmungen auf einer Breite von mehr als zehn Kilometern schufen die Landwirte eine wunderschöne Wiesenlandschaft. Trotzdem kam es jedes Jahr zu mehreren Hochwassern. Die vielen Mühlenstaue (Boblitz hatte zwei Wassermühlen an der Dobra - Mühlenfließ - und an der Gorroschoa) förderten zusätzlich die Versumpfung.

Im 19. Jahrhundert fiel die Standesherrschaft von Sachsen an Preußen, und Lübbenau wurde im großen Stil verkehrsmäßig erschlossen (Chausseebau 1845, Eisenbahnen Berlin - Görlitz 1867 und Lübbenau - Senftenberg 1874). Aber noch waren die Lebensbedingungen für die Boblitzer Eiche optimal. Das änderte sich im 20. Jahrhundert radikal: 1936 wurde der Südpolder eingedeicht und die Überflutungsfläche um reichlich einen Kilometer vom Ortsrand bis zur Gorroschoa zurückgedrängt. Die Dobra wurde verlegt, und ihr alter Grabenverlauf verkam zum straßenbegleitenden Vorfluter.

Im Jahr 1939 wurde die Autobahn A 15 an Boblitz vorbeigeführt. Die DDR baute zwischen Boblitz und Klessow das Kraftwerk und erschloss die Tagebaue der Schlabendorfer und Seeser Felder. Die Umweltbelastungen hatten ihren Höhepunkt erreicht mit Luftverschmutzung und der Absenkung des Grundwasserspiegels. Langsam, aber stetig verlor die Eiche ihre Vitalität. Das Ende ist bekannt. Hätte die Eiche einen letzten Wunsch gehabt, sie hätte sich gewünscht, dass ihre Nachpflanzung auch 400 Jahre alt werden darf.