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Blumenkohl ist raus – eine spannende Saison steht bevor

Auf den Flächen der Göritzer Agrar GmbH ist der Blumenkohl gepflanzt worden.
Auf den Flächen der Göritzer Agrar GmbH ist der Blumenkohl gepflanzt worden. FOTO: Peter Becker/peb1
Göritz. Anbaufläche reduziert und weniger Personal im Bestand – die Göritzer Agrar GmbH startet in die erste Pflanzsaison, für die der gestaffelte Mindestlohn gilt. Das werde sich auf die Produkte auswirken, sagt Geschäftsführer Thomas Goebel. Peter Becker/peb1

Die Agrar GmbH hat den Blumenkohl im Freiland gepflanzt, allerdings auf weniger Fläche und mit weniger Personal im Bestand.

"Wir stehen vor einer neuen Situation: Erstmalig zahlen wir unseren Beschäftigten den neuen gestaffelten Mindestlohn, müssen dafür aber auch den Preis für unsere Produkte erhöhen", fasst Geschäftsführer Thomas Goebel von der Göritzer Agrar GmbH die Eckpunkte der Gemüsesaison 2015 zusammen.

Was er damit meint, wird etwas deutlicher, wenn die Produktionskosten mit den Einnahmen aufgewogen werden - am Ende des Jahres. Nur in welche Richtung sich der Zeiger an der Waage dabei bewegen wird, ist noch völlig offen. Die Göritzer haben sich Schritte überlegt, um diese Unwägbarkeiten in Grenzen zu halten. Die Anbaufläche wurde von 15 auf sieben Hektar reduziert, das Personal ebenfalls, wenn auch nur um zwei Arbeitskräfte. "Dafür bieten wir eine Dauerbeschäftigung und machen auch keinen Unterschied zwischen inländischen und ausländischen Arbeitskräften", so Goebel. Die größte Unsicherheit geht vom Kunden aus. "Wird er bereit sein, für ein regionales Qualitätsprodukt bis zu 30 Prozent mehr zu bezahlen?", sorgt sich Thomas Goebel. Ganz nebenbei sei auch erwähnt, dass das Wetter eine entscheidende Rolle spielt. Aber gestandene Landwirte wie die Göritzer es sind, haben das einigermaßen im Kalkül. So musste der eben ausgebrachte Blumenkohl wegen der aktuell kühlen Witterung auch gleich wieder mit Vlies bedeckt werden. Das ist ein weiterer Kostenfaktor.

Die spätere Vermarktung nehmen sie aus Kostengründen gleich selbst vor. Mit den Hofläden und den Wochenmärkten sowie durch Direktbelieferung der Gaststätten umgehen sie die Zwischenhändler. "Trotzdem entscheidet Kunde König, ob unser Konzept aufgeht", so Thomas Goebel. "Für ihn ist es schwer zu unterscheiden, warum beispielsweise ein Schälchen Erdbeeren aus Südafrika im Winter für 0,99 Euro zu bekommen ist und unseres in der Saison vielleicht 1,99 Euro kosten wird."

Neben der allgemeinen Aufklärung über umweltgerechtes Verbraucherverhalten kommt seiner Meinung nach auch ein gewisser Solidaritätsgedanke mit der Heimatregion zum Tragen. "Qualität bekommt der Kunde bei uns auf jeden Fall. Unser Produkt ist gesund und wird wöchentlich unangekündigt von externen Einrichtungen untersucht", so Goebel.

Der Preis für den Blumenkohl wird voraussichtlich von 1,50 Euro auf 1,95 Euro steigen.

Kohl für die Sauerkrautherstellung wird von den Göritzern gar keiner mehr angebaut. Die Konservenbetriebe seien nicht bereit, erhöhte Aufkaufpreise zu zahlen. Hier greife die regionale Solidarität (noch) nicht, erklärte Thomas Goebel.