Von Rüdiger Hofmann

Der Vetschauer Friehof bleibt innerstädtischer Brennpunkt. Nachdem im vergangenen Jahr Anwohner mehrfach ruhestörende Exzesse und Müllablagerungen beklagt hatten, taucht nun ein neues Problem auf: Mehrmals in der Woche wird der Diebstahl von Blumen angezeigt.

„Die Blumendiebstähle haben massiv zugenommen“, sagt Nadine Wegner, Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales der Stadt Vetschau. Die Blumen werden direkt von den Gräbern gestohlen. Blumendiebstahl sei zwar laut Aussage der Stadt ein allgemeines Problem auf Friedhöfen, aber die Häufigkeit veranlasste auch den Abgeordneten Uwe Jeschke (SPD) im Sozialausschuss, auf den Frevel aufmerksam zu machen. Auch Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) schätzt ein: „Die Situation ist schlimmer geworden.“

Blumendiebe vom Vetschauer Friedhof nicht ermittelt

Der genaue Schaden sei laut Verwaltung nicht definierbar, da nicht alle Fälle bekannt sind. Bis jetzt konnte nie ein Täter ermittelt oder auf frischer Tat ertappt werden. Zur Handlung sieht sich die Stadt jedenfalls gezwungen. „Die Mitarbeiter vom  Bauhof, der Friedhofsverwaltung und dem Ordnungsamt zeigen regelmäßig Präsenz auf dem Gelände. Außerdem geht die Polizei unregelmäßig Streife auf dem Friedhof“, sagt Stadtsprecher Steffen Römelt.

Hinweisschilder weisen darauf hin, dass Kontrollen stattfinden. Jedoch wurden diese Zettel kurz nach dem Aufhängen von Unbekannten abgerissen. Inzwischen wurden sie erneut aufgehängt. Weitere Schilder verweisen auf ein Verbot des Durchgangsverkehrs auf dem Friedhof, der als Ort der Stille und Trauerbewältigung dienen soll. Besucher und Hinterbliebene hätten sich wegen des Verkehrs über die damit verbundene Störung der Totenruhe beschwert.

Vetschauer Friedhof dient als Abkürzung zum Bahnhof

„Es ist bekannt, dass der Friedhof als Abkürzung benutzt wird, um schnell von der Wilhelm-Pieck-Straße zur Straße des Friedens Richtung Bahnhof zu gelangen“, sagen Vertreter der Stadt. Teilweise würde auch mit dem Fahrrad über den Friedhof gefahren. Dadurch fühlen sich Anwohner belästigt.

Das ging im vergangenen Jahr so weit, dass der Friedhof schon als Fußgängerzone und Durchgangsmeile betitelt wurde. Steine wurden umgekippt, Unrat hinterlassen, auch lärmende Fußballfans zogen über den heiligen Rasen.

Die Idee einer nächtlichen Torschließung würde das Problem laut Aussage der Stadt aber nicht lösen, da alle Vergehen vor allem tagsüber stattfinden. „Zurzeit wird die Option geprüft, ein Drehkreuz aufzustellen“, teilt die Stadt mit. Optional wäre auch eine Zeitschaltuhr.

„Das Problem kann nur dauerhaft gelöst werden, wenn der Eingang an der Straße des Friedens geschlossen wird, sagt Bauamtsleiter Sven Blümel.

Stadt arbeitet an Konzeption für Vetschauer Friedhof

Eine weitere Entlastung könnte ein Weg außerhalb des Friedhofs bringen, der entlang des östlichen Teils zwischen Wilhelm-Pieck-Straße und Straße des Friedens verläuft. Dieser Weg existierte in der Vergangenheit bereits. Diese Option werde gerade geprüft, so die Verwaltung.

Stadt und Untere Naturschutzbehörde (UNB) arbeiten momentan außerdem an einer Friedhofskonzeption, die eine Heckenbepflanzung im Bereich des Zaunes als Sichtbegrenzung und zumindest zur Eindämmung der Belästigungen vorsieht. Diese werde von der UNB durch Ausgleichsmaßnahmen aus anderen Projekten finanziert, teilte Bauamtsleiter Blümel im jüngsten Wirtschaftsausschuss mit.