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| 15:31 Uhr

US-Rocker in Muckwar
Bluesrocker sorgen für Ausnahmezustand

Ein musikalisches Erdbeben verursachte die US-amerikanische Band „The Imperial Crowns“ Samstagnacht in Muckwar. Das in Los Angeles (Kalifornien) beheimatete Quartett um Bandleader Jimmie Woods machte auf ihrer gestern geendeten Europa-Tournee erstmals Station in der Lausitz.
Ein musikalisches Erdbeben verursachte die US-amerikanische Band „The Imperial Crowns“ Samstagnacht in Muckwar. Das in Los Angeles (Kalifornien) beheimatete Quartett um Bandleader Jimmie Woods machte auf ihrer gestern geendeten Europa-Tournee erstmals Station in der Lausitz. FOTO: Uwe Hegewald
Muckwar/Los Angeles. Die US-Band „The Imperial Crowns“ pulverisiert in Muckwar letzte Zweifel. Von Uwe Hegewald

Die Erleichterung ist Gerd Lau Samstagnacht vom Gesicht abzulesen. Schon in der Pause des Konzertes von „The Imperial Crowns“ klopfen ihm Fans auf die Schulter. „Gut gemacht. Geile Mugge“, attestieren sie dem Kopf vom Club Extra, einem Verein, dessen Geschichte bis ins Jahr 1985 zurückreicht. Nach Drangsalierungen durch Behörden, einem Beschwerdebrief an den damaligen DDR-Staatschef Honecker und daraus resultierenden, kleinen Zugeständnissen gründete sich seinerzeit der „Club am Weinberg“. Inzwischen den Namen „Club Extra“ führend, hat sich an der Ausrichtung der Vereinsarbeit nach über 30 Jahren nichts geändert: Folkmusik-, Soul-, Rock- und Blueskonzerte veranstalten und Gleichgesinnte daran teilhaben lassen. Und das immer wieder mit internationalen Größen, wie „The Imperial Crowns“, die Samstagnacht das Gasthaus in Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) musikalisch einheizt.

Allen voran Frontmann Jimmie Wood, der den Fans eine „mystische Nacht“ ankündigt. „Die Band aus Kalifornien war zwei Monate auf Europatournee und gastiert erstmals in der Lausitz“, teilt Gerd Lau mit. Nach Auftritten in Ungarn, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich oder in der Schweiz, ging es nach dem Abschlusskonzert in Dortmund über den großen Teich zurück ins gelobte Heimatland. Dort, wo die Bandmitglieder schon an der Seite von Größen wie Bruce Springsteen, Bob Dylan oder The Blues Brothers musiziert haben und der Blues noch als Religion wahrgenommen wird. Anders können sich Besucher die Bühnenshow nicht erklären, in der Bandleader Jimmie Wood in Mick-Jagger-Manier über die Bühne fegt, den Bluesrock predigt und sich an der Harp (Mundharmonika) förmlich die Lunge aus dem Hals bläst, als gebe es kein Morgen mehr.

Thomas Schmidt, der im Gasthaus „Im Krug zum grünen Kranze“ Regie führt, sieht sich bestätigt: „Als der Club Extra vor drei Jahren mit dem Vorhaben auf mich zugekommen ist, hier in Muckwar Rock/Blues-Konzerte zu veranstalten, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich war mir sicher, dass das funktioniert“, so der Gastwirt, den es früher selbst zu Blueskonzerte zog.

Doch die Fangemeinde ist sichtbar älter und kleiner geworden. „Das war auch der Grund, warum wir uns nach einer neuen Location umgesehen haben. Hier passt die Saalgröße, das Ambiente und hier passen die finanziellen Modalitäten“, begründet Gerd Lau. Open-Air-Festivals, wie sie in den 80er und 90er Jahren noch in Altdöbern und Neudöbern veranstaltet wurden, kann und will der Club Extra nicht mehr stemmen.

Doch findet Muckwar als neuer Rock- und Bluestempel auch bei den „Eingeborenen“ Akzeptanz? „Mir doch egal, ob die Besucher meine Hofeinfahrt zuparken. Den Preis zahle ich gern, um internationale Bands in so einem kleinen Dorf zu erleben“, erklärt Lutz Krause. „Ich mag diese Musik und ich mag die Leute. Alles ausgeglichen Typen, die nicht auf Krawall gebürstet sind, wie man sie von anderen Musikveranstaltungen her kennt“, so Krause, der beruflich als Polizist unterwegs ist. Sein Wunsch: die Fortsetzung der Muggen im Muckwarer Gasthaus, in dem am 6. April 2019 Thorbjörn Risager & The Black Tornado (Dänemark) auftreten. Übrigens zum zweiten Mal, weil in Muckwar die Fans so fantastisch sind, wie auch die Beköstigung durch Küchen-Chefin Sandra Schmidt – so zumindest hat es das Management der Band nach ihrem letzten Auftritt in ihrem Notizbuch festgehalten.