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| 17:42 Uhr

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Gurkenflieger-Blitzstart auf Spreewälder Feldern

 Der „Gurkenflieger“ auf einer Anbaufläche des Spreewaldhofes Niewitz ist jetzt täglich im Einsatz.
Der „Gurkenflieger“ auf einer Anbaufläche des Spreewaldhofes Niewitz ist jetzt täglich im Einsatz. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Niewitz. Der heftige Temperaturanstieg hat das Gemüse rapide wachsen lassen. Es musste schnell geerntet werden. Gurken in Texas und Skandinavien gefragt. Von Daniel Preikschat

Der Start in die Gurken­ernte 2019 im Spreewald war fast „zu gut“. So jedenfalls drückte es Uwe Schieban von der Agrargenossenschaft Dürrenhofe bei der Pressekonferenz des Spreewaldvereins am Dienstag aus. Denn in den letzten Tagen legte das Gemüse aufgrund der Wetterlage derart zu beim Wachstum, dass es schnell abgepflückt werden musste. Auch andere Erzeuger wie Reinhard Mich vom Gemüsebaubetrieb Spreewald in Klein Radden oder Heinz-Georg Embach vom Spreewaldhof Niewitz bestätigten das.

Embach war Dienstag auch Gastgeber der Pressekonferenz. Bei einem Frühstück an einem schattigen Plätzchen informierten Geschäftsführer von Spreewälder Gemüseanbau- und Verarbeitungsbetrieben Medienvertreter, aber auch Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) über die aktuelle Lage. Derweil sich in Sichtweite gleich sieben „Gurgenflieger“ über eines der Anbaufelder Embachs bewegten.

Jeweils 24 Pflücker rupfen die reifen Gurken von den Pflanzen und werfen sie auf Fließbänder, die sie in den Traktor-Anhänger befördern. Von 5 Uhr früh bis 14 Uhr werde derzeit gearbeitet, berichtete Heinz-Peter Frehn. Zum Einsatz kommen überwiegend polnische, rumänische und ukrainische Saisonarbeiter, darunter einige Studenten.

Gezahlt werden müsse ihnen mittlerweile zwölf Euro die Stunde. Zum Mindestlohn von 9,20 Euro kommen der Arbeitgeberanteil sowie die Kosten für Essen und Unterkunft. Von den zwölf Euro, so Heinz-Georg Embach, kommen nur sieben Euro bei dem Saisonarbeiter an. Er bekomme also gar nicht so viel mehr als noch vor fünf, sechs Jahren, als 5,50 Euro gezahlt wurden.

Offenbar müssen Gurkenerzeuger und -einleger gleichermaßen auf jeden Euro schauen. Laut ihren Angaben ist es schwer, sich auf dem Markt zu behaupten. In der Türkei, in Indien oder auch Vietnam werden Gurken ganzjährig viel kostengünstiger produziert. Konrad Linkenheil von der Spreewaldkonserve Golßen GmbH freut sich zwar über einen Marktanteil der geschützten Spreewaldgurke in den neuen Bundesländern von 26 Prozent. Bundesweit jedoch liege der Marktanteil nur bei neun Prozent, zwei andere Anbieter verkaufen mehr konserviertes Gemüse. Gregor Knösels, einer der zwei Inhaber von Knösels Gemüse-Erzeugung in Golßen, wies auf noch ein anderes Problem hin. Der Verbraucher bevorzuge zunehmend kleinere Gläser mit kleineren Gurken. Den Grund dafür sieht er in den kleiner werdenden Haushalten. Daher seien größere Gurken zunehmend schwerer zu verkaufen.

Es sei dennoch rückblickend eine Pioniertat gewesen, die Spreewälder Gurke vor 20 Jahren als geografische Angabe schützen zu lassen, so Linkenheil weiter. Regionale Produkte bleiben stark nachgefragt. Er mache sich daher keine Sorgen um die Zukunft der Spreewälder Gurken, so der Geschäftsführer der Spreewaldkonserve Golßen. Möglicherweise ließe sich durch eine bessere Verzahnung mit dem Tourismus das Produkt noch besser vermarkten.

Kay Strelow, zuständig für Vertrieb und Marketing bei Spreewald-Feldmann in Lübben, bestätigt: Der Absatz der Spreewaldgurken in Deutschland sei stabil. Großartig steigern aber lasse er sich kaum noch. Eine Chance sieht er im Export. So haben die Lübbenauer mit einem Abnehmer in Texas bereits Verträge geschlossen. Die US-Amerikaner seien gerade an den in Deutschland nicht so beliebten größeren Gewürzgurken interessiert. Die Scheiben eigneten sich unter anderem gut, um Hamburger zu belegen. Der Transport eingelegter Gurken in Containerschiffen sei kein Problem. Auch Partner in Skandinavien und Polen zeigten sich interessiert an größeren Gurken.

Keine Prognose wurde bei der Pressekonferenz abgegeben, was den Ernteertrag dieses Jahr im Spreewald angeht. Dazu sei das Wetter zu unbeständig.