Von Liesa Hellmann

Wohin zieht es junge Fische? Auf die Wiese! Das gilt zumindest für die im Spreewald heimischen Fische wie Hecht, Zander und die wieder angesiedelte Quappe)$. Die Tiere lockt ein ganz besonderes Biotop: die Feuchtwiese. Sie zeichnet sich durch einen Boden mit hohem Wassergehalt aus, manche werden auch regelmäßig überschwemmt. Diese Wiesen waren einst typisch für den Spreewald. Um das Land urbar zu machen, wurden schon vor Jahrhunderten Teile des Waldes abgeholzt und zahlreiche Gräben – die heutigen Fließe – angelegt. Dabei entstanden Wiesen, die von den Bauern regelmäßig gemäht oder von Tieren beweidet wurden. Vor allem im Winter standen die Grünflächen für einen längeren Zeitraum unter Wasser. Diese überschwemmten Wiesen, auch Wasserschlagwiesen genannt, sind ein wichtiger Lebensraum für Fische, Amphibien, Insekten und Pflanzen sowie ein Garant für die Artenvielfalt, mit der sich die Spreewaldregion bis heute schmückt. Sie prägen das Bild der Spreewälder Kulturlandschaft.

Von den etwa 20 000 Hektar Wiesen im Spreewald sind aber nur noch ein Bruchteil Feuchtwiesen. Für die konventionelle Landwirtschaft sind die langen Überschwemmungszeiten abträglich. „Wenn die Wiesen bis ins späte Frühjahr oder in den Sommer feucht bleiben, erhöht das die Artenvielfalt, senkt aber die landwirtschaftlichen Erträge“, erläutert Eugen Nowak, Leiter des Biosphärenreservats Spreewald. „In den letzten 30 Jahren sind aber auch die Fischbestände stark zurückgegangen, weil Lebensräume verloren gegangen sind.“ Da die Wiesen zudem ein wichtiges Identifikationsmerkmal des Spreewaldes, zugleich aber stark gefährdet sind, hat die Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald eine fünf Hektar große Fläche wieder in eine Wasserschlagwiese umgewandelt. Damit das Wasser im Winter über die Wiese fließen kann, müssen mehrere Faktoren sichergestellt werden: Im Zuge des Winterstaus wird der Wasserstand vom angrenzenden Fließ mittels Schleusen künstlich angehoben. Damit das Wasser in einer breiten Fläche auf die Wiese fließen kann, wurden die Uferränder mit Hand gemäht und flache Mulden, sogenannte Zirren, angelegt, die das Wasser vom Fließ auf die Wiese führen. Das Wasser fließt dem natürlichen Gefälle folgend über die Wiese und auf der andere Seite wieder in einen Auffanggraben. Zweimal im Jahr muss die Wiese gemäht werden, ansonsten würde sie langsam wieder zu Wald werden.

Mit insgesamt 20 475 Euro an Kosten rechnet die Stiftung für die Einrichtung und die Pflege der Wiese in den nächsten drei Jahren. 20 000 Euro Fördermittel hat die Bürgerstiftung von der Stiftung Feuchtgebiete für ihr Projekt erhalten. „Eine solche Feuchtwiese zu bewirtschaften, ist sehr aufwendig und lohnt sich wirtschaftlich nicht. Die Bewirtschaftung dieser Wiese dient also nur zur Erhaltung der Spreewälder Kulturlandschaft“, erläutert Michael Petschick, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald, der das Projekt betreut. „Dafür ist die Wiese sehr nährstoffreich und ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.“ Die Feuchtwiese bietet ideale Bedingungen für die in Deutschland stark gefährdete Rotbauchunke und die vom Aussterben bedrohte Bekassine. Während an kalten Wintertagen eine Eisschicht die Wiese überziehen wird, werden im Sommer Sumpfdotterblumen, Schwertlilien und Kräuter blühen.