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| 19:45 Uhr

Ökologie und Tourismus im Einklang
Biosphärenreservat fördert Spreewaldwiesen

Eine typische Spreewaldwiese mit kleinem Fließ und Heuschober - hier der Stichgraben bei Lehde. Flächen kleiner drei Hektar werden künftig speziell gefördert, um einen Anreiz für die Bewirtschaftung durch den Landwirt zu schaffen.
Eine typische Spreewaldwiese mit kleinem Fließ und Heuschober - hier der Stichgraben bei Lehde. Flächen kleiner drei Hektar werden künftig speziell gefördert, um einen Anreiz für die Bewirtschaftung durch den Landwirt zu schaffen. FOTO: Andreas Traube
Lübbenau/Schlepzig/Burg . Ab sofort gibt es Unterstützung für die Landwirte zum Erhalt kleiner Splitterflächen. Ein neuer Sachbearbeiter wird dafür eingestellt. Von Rüdiger Hofmann

Für Landwirte stellen sie oft ein Problem der Bewirtschaftung dar: kleine Splitterflächen unter drei Hektar. Denn der Aufwand ist immens: Oft sind die Wiesen nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Für die Mahd wird kleine und leichte Technik benötigt. Und dort, wo Kühe weiden können, sind es oft nur wenige Tiere, was einen hohen Betreuungsaufwand nach sich zieht. „Daher werden nun Spreewaldwiesen, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche kleiner als drei Hektar sind und im Biosphärenreservat Spreewald liegen, im Rahmen des Vertragsnaturschutzes neu gefördert“, teilt Eugen Nowak, Leiter des Biosphärenreservates Spreewald, mit. Konkret heißt das: Die betroffenen Landwirte erhalten eine Ausgleichszahlung für ihre Mühen, um entgegenzusteuern, dass ihre kleinen Flächen nicht mehr genutzt werden und verbuschen. Betroffen sind Flächen vor allem im Raum Lübbenau, in der Region um Burg und im Schlepziger Gebiet.

Das Unesco-Biosphärenreservat Spreewald fördert dieses Jahr rund 2350 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche im Rahmen des Spreewaldwiesenprogramms mit finanziellen Mitteln des Landes Brandenburg in Höhe von 200 000 Euro. „Nach jetzigem Stand werden diese an 115 landwirtschaftliche Betriebe ausgezahlt“, so Nowak. Zu einem Drittel seien das Agrargenossenschaften, zu zwei Dritteln kleinere landwirtschaftliche Betriebe. Diese können drei verschiedene Maßnahmen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes beantragen: die einfache Mahd, die Mahd von Flächen, die nur über den Wasserweg zu erreichen sind oder Standweiden. „Die Beträge decken sicherlich nicht den gesamten Aufwand, sind aber immerhin Anreiz, die Wiesen weiterhin zu pflegen“, sagt Eugen Nowak.

Die Flächen, um die es geht, sind aus botanischer Sicht besonders wertvoll. Dort wachsen noch Pflanzen, die auf den großen und mit schwerer Technik bearbeiteten Wiesen gar nicht mehr vorkommen – wie die Sumpfdotterblume. „Und aus kulturhistorischer Sicht sind die Wiesen ein Markenzeichen des Spreewalds“, sagt Nowak. Die mit den Landwirten, Privatpersonen und auch Vereinen abgeschlossenen Verträge beinhalten Vergütungen, die sich im Wesentlichen auf den Düngeverzicht und späte Grünlandmahd, die Anlage von Blüh- und Schonstreifen für Bodenbrüter und Insekten bis hin zur Pflege von speziellen Biotopen wie Orchideenwiesen beziehen.

Das Spreewaldwiesenprogramm und damit die Förderung für die Bearbeitung kleiner Splitterflächen war lange Zeit in der Hand der Ämter für Landwirtschaft als Teil des Agrarförderprogramms. Durch die Neuordnung der Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete fiel diese Zuständigkeit durch die Landkreise – im Fall von Lübbenau, Schlepzig und Burg die Kreise Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße – nun weg. Damit das Sonderprogramm weiter laufen kann, nahm sich die Verwaltung des Biosphärenreservats der Sache an.

Das Programm trägt zu drei wichtigen Aspekten der Arbeit des Biosphärenreservats bei: „Erstens dem Erhalt der Arten und Biotope im Grünland, zweitens der landwirtschaftlichen Nutzung einer historisch gewachsenen kleinteiligen Kulturlandschaft und drittens einer Förderung traditionell kleiner landwirtschaftlicher Betriebe“, teilt das Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft mit.

„Wir sind froh, dass wir dieses Förderprogramm jetzt haben“, sagt Eugen Nowak. Der Landwirt verdiene etwas Geld, die Touristen würden sich wohl fühlen und die Biotopstrukturen könnten sich entwickeln. „Für uns bedeutet das aber auch einen Mehraufwand.“ Deshalb wurde mit Paul Jarick ein neuer Sachbearbeiter Spreewaldwiesen eingestellt. „Ich werde ab sofort als Schnittstelle zwischen dem Landesamt für Umwelt und dem Biosphärenreservat Spreewald und als Ansprechpartner für die Landwirte agieren“, sagt Jarick. Der 27-Jährige hat in Berlin Agrarwissenschaften und in Greifswald Nachhaltigkeitsgeographie studiert. Ursprünglich stammt der Umweltschützer aus Werben, ist in Cottbus zur Schule gegangen und vor einem halben Jahr in den Spreewald gezogen.

Paul Jarick ist der neue Sachbearbeiter Spreewaldwiesen.
Paul Jarick ist der neue Sachbearbeiter Spreewaldwiesen. FOTO: Rüdiger Hofmann