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Bild von Anwandter gibt Rätsel auf

Calau.. Das Auftauchen eines Jugendbildes von Carl Anwandter erfreut Calauer, doch es gibt auch Rätsel auf. Dabei geht die Spurensuche in alle Richtungen. Stephan Uhlig

Sogar die Schüler-Delegation vom Carl-Anwandter-Gymnasium Calau, die kürzlich in Chile war, hatte eine Farbkopie im Gepäck, um sie dem dortigen Archiv zu überreichen. Vielleicht finden sich in Chile noch weitere Hinweise zu diesem Bild.
Während die Herkunft wohl nicht geklärt werden kann, gibt es auf dem Ölgemälde Hinweise, dass es sich um den jungen Carl Anwandter handelt. Die Spurensuche nach Carl Anwandter geht nicht nur nach Calau und Valdivia in Chile. Auch ein Namens-Verein aus München, der sich mit artverwandten Familiennamen der "Sippe Anwandter" beschäftigte, trug Hinweise zu Carl Anwandter bei.
Im August 2006 wurde der Calauer Ortschronist Fritz Jänchen erstmals mit dem Bild konfrontiert. Ein Münchner Kunsthändler bat um Rat, ob die abgebildete Person auf dem Ölgemälde der Calauer Carl Anwandter sei. Er stellte für die Bestimmung kostenlos Farbkopien zur Verfügung. "Das Problem an der Sache ist, dass wir keine Vergleichsmöglichkeiten haben", sagt Fritz Jänchen. "Auf dem Gruppenbild der preußischen Nationalversammlung ist Anwandter ja auch drauf. Und das ist die Abbildung, auf der er am jüngsten war. Alle weiteren bekannten Abbildungen sind Altersbilder."
Dennoch nahm sich Fritz Jänchen die Kopien unter die Lupe, vergrößerte und suchte nach Hinweisen. Das Originalgemälde in den Maßen 53,2 mal 66,2 Zentimeter wurde von Johann Samuel Otto 1839 gemalt. Der Maler galt als begehrter Porträtmaler am preußischen Hof in Berlin. Carl Anwandter, der 1801 in Luckenwalde geboren wurde, studierte in Berlin. Nach der Hochzeit 1825 kam er mit seiner Familie 1829 nach Calau. Neben zahlreichen Ehrenämtern war er von 1830 bis 1848 Stadtkämmerer. "Die zeitliche Einordnung macht mir Kopfzerbrechen", erklärt Fritz Jänchen. „Was könnte der Grund dafür gewesen sein, dass Anwandter 1839 dieses Gemälde in Auftrag gab„ Er war doch schon längst in Calau.“ Überlegungen lassen auch den Schluss zu, dass vielleicht seine Frau dieses Bild in Auftrag gab. Geschenke dieser Art waren in dieser Zeit üblich.
Auf dem Gemälde gibt es zwei wichtige Hinweise, weshalb das Bild dem Calauer Carl Anwandter zugeordnet werden kann. Im Hintergrund ist ein Wandgemälde mit einer Frau zu sehen. Nach Vergleichen mit Familienfotos von der Übersiedlung 1850 handelt es sich dabei um seine erste Ehefrau Caroline Friederike Emilie Fähndrich. "Scheinbar wollte er sie mit verewigen. Oder sie wollte sich mit ihm verewigen“", beschreibt Fritz Jänchen seine Überlegungen. Ein anderer Hinweis ist ein Brief, den Anwandter in der Hand hält und auf dem sein Name als Adressat zu lesen ist. "Der Schriftzug ist nicht die Handschrift von Anwandter. Also hat er dieses Schreiben von einem anderen erhalten", erklärt der Chronist.
Fritz Jänchen sagt: "Ich bin ja kein Experte, sondern nur nach meiner Meinung gefragt worden. Und nach meinen Nachforschungen handelt es sich tatsächlich um ein Jugendbild von Carl Anwandter." Vielleicht ergeben sich bei weiterer akribischer Kleinarbeit noch weitere Hinweise.