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| 02:32 Uhr

Biber-Familie am Schönfelder See wird heimisch

Die Kittlitzer Biber leisten ganze Arbeit. Einige Pappeln und Weiden sind bereits gefällt.
Die Kittlitzer Biber leisten ganze Arbeit. Einige Pappeln und Weiden sind bereits gefällt. FOTO: dpr
Kittlitz. Mindestens 20 umgefallene Bäume mit Biss-Spuren sprechen eine klare Sprache: Am Auslauf des Schönfelder Sees in Kittlitz bauen sich Biber im Schilf eine Burg. Beim Naturschutzbund (Nabu) geht man von einer Familie aus. Daniel Preikschat

Bernd Elsner bahnt sich seinen Weg durch den Wildwuchs Richtung Schilf. Nahe des Wasserlaufs zeigt der Kittlitzer auf die umgestürzten Bäume. Ganz frisch sind die Biss-Spuren noch, am Boden verstreut liegen Holzspäne. Weitere Pappeln und Weiden sind so stark abgenagt, dass der nächste kräftigere Windstoß sie umwerfen dürfte. "Das", sagt Bernd Elsner, "schafft ein Biber allein gar nicht."

Der Geschäftsführer des Nabu-Regionalverbandes Calau und Vorsitzende im Naturschutzbeirat des Landkreises OSL ist sich sicher: Eine ganze Biber-Familie hat sich im Uferbereich des Schönfelder Sees eine Burg gebaut. Für den Naturschützer ist das fast eine Sensation. Im Spreewald ist der Biber schon längst flächendeckend heimisch geworden. Doch die Bergbaufolgelandschaft im Norden des Landkreises habe er noch nicht besiedelt.

Aber warum eigentlich auch nicht? Der Biber finde am lang gestreckten Auslauf des Schönfelder Sees - dort, wo früher Kohlebahngleise verliefen - ein Top-Biotop vor. Nach Meinung Elsners störe er hier auch nicht, sei vielmehr eine Bereicherung des Naturraums. So wie der Eisvogel und der Graureiher. Den Kittlitzer, der ganz in der Nähe wohnt und bei seinen Streifzügen durch die Natur auf die Biberspuren gestoßen ist, nötigt der virtuose Nager Respekt ab. Man könne gut erkennen, wie das Tier vorgeht: Die Bäume werden erst niedergestreckt, dann in etwa einen halben Meter lange Stücke genagt, um schließlich ins Wasser gezogen zu werden. Hier, erklärt Elsner, verankere der Burgenbauer das Holz stabil im Untergrund.

Für den Nabu-Mann kommt die Biberfamilienansiedlung zwischen Kittlitz und Schönfeld nicht völlig überraschend. Schon 2014 habe er Fraß-Spuren in dieser Region gefunden. Sie ließen allerdings eher auf einen "Einzelkämpfer" schließen. Im vergangenen Jahr dann fand Elsner gar keine Hinweise mehr auf Biber. Und nun dieser für ihn so Aufsehen erregende Fund.

Gesehen freilich hat Bernd Elsner die Kittlitzer Biber noch nicht. Nur einmal gehört. Ein Platschen im Wasser war zu vernehmen, als die scheuen Tiere Reißaus nahm. Sie mit der nötigen Umsicht weiter zu beobachten, bleibe natürlich interessant. Die Jungtiere dürften im Mai geboren worden sein. Erfahrungsgemäß bleiben sie drei Jahre in der Familie und suchen sich dann ein eigenes Territorium.

Zum Thema:
Im Jahr 2003 erreichten die ersten Biber aus dem Oder-Gebiet den Spreewald. Hier waren die etwa einen Meter langen Tiere, die bis zu 30 Kilo schwer und zehn bis zwölf Jahre alt werden können, über 100 Jahre lang ausgerottet gewesen. Die erste Biberburg wurde im Frühjahr 2008 südlich von Lübben entdeckt. Im Raum Lübbenau fanden sich erste Nachweise im Sommer 2009 unter anderem an der Hauptspree und am Bürgerfließ.