ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:49 Uhr

Betonriese auf Schleichfahrt in Calau

Die neue Eisenbahnbrücke am Gahlener Weg setzt sich am Montagmittag in Bewegung – mit einem Meter pro Minute.
Die neue Eisenbahnbrücke am Gahlener Weg setzt sich am Montagmittag in Bewegung – mit einem Meter pro Minute. FOTO: Jan Augustin
Calau. Am gestrigen Montag ist die neue Eisenbahnbrücke am Gahlener Weg in Calau in ihre Endlage geschoben worden. 1200 Tonnen Stahlbeton bewegten sich mit einem Meter pro Minute vorwärts. Jan Augustin

Es zischt und knirscht und dann geht's los. Kaum erkennbar setzt sich der Calauer Koloss in Bewegung - mit einer Minute pro Meter. 37 sind es bis zum Bestimmungsort. Das Bauwerk schleicht in die riesige Lücke, an deren linker und rechter Seite abgetrennte Eisenbahnschienen enden. Mit kurzen Unterbrechungen ist es nach rund einer Stunde geschafft. Das Gebilde aus 1200 Tonnen Stahlbeton steht nun dort, wo die marode und mehr als 100-jährige Brücke am Gahlener Weg in Calau stand.

Thomas Viertel ist nicht aufgeregt. "Jetzt nicht mehr", sagt der Bauleiter der BUG Verkehrsbau AG kurz bevor die Brücke sich anfängt zu bewegen. Wenn die Vorbereitungen stimmen, kann kaum etwas schief gehen: Bahndamm öffnen, Schienen und Weichen entfernen, Stromkabel verlegen. "Das ist sehr aufwendig", sagt Viertel. Für den 50-jährigen Berliner ist die ganze Aktion aber zur Routine geworden. In Berlin hat er sogar mal eine 2500 Tonnen schwere Brücke bewegt. Auch wenn der Einschub schon für Sonntagabend vorbereitet war, ist Viertel zufrieden: "Wir liegen jetzt wieder planmäßig in der Zeit." Der Schienenersatzverkehr im Spreewald soll noch bis zum 29. November anhalten (siehe Infobox).

Der Deutschen Bahn kommt der komplizierte Neubau teuer zu stehen. Die Bau- und Planungskosten belaufen sich nach Bahn-Angaben auf 3,2 Millionen Euro. Das Geld werde allein von der Bahn aufgebracht. Die Stadt Calau und der Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben sich nicht an der Finanzierung beteiligt. Der Straßenneubau sieht daher wie bei der alten Unterführung auch nur eine Spur vor sowie einen 1,50 Meter breiten Fußweg. Auf der anderen Seite soll es einen 60 Zentimeter breiten Sicherheitsstreifen geben. Ein Radweg wird nicht gebaut. Da sich die Stadt hier zu einem Drittel an den Kosten hätte beteiligen müssen, wurde diese Variante laut Stadtverwaltung wieder verworfen. Zudem habe eine Zählung der Bahn ergeben, dass es eine nur geringe Anzahl an Verkehrsteilnehmern gebe.

Dass Bauwerke dieser Dimension überhaupt bewegt werden können, wird mit der Fluidtechnik möglich. Die Konstruktion wird mit gasförmigem Stickstoff etwa fünf Zentimeter angehoben und dann mit hydraulischer Technik und einer Vorschubkraft von elf Tonnen auf Schienen bewegt, erklärt Projektleiter Reinhard Bausch von der ausführenden Spezialfirma Multilift aus Hannover. Trotz des beeindruckenden Schauspiels sei auch er nicht besorgt, sagt er, während etliche Bauarbeiter und Schaulustige ihr Handy zücken, um das Spektakel zu filmen und fotografieren. Nur einen kritischen Punkt gebe es bei dem Einschub noch - wenn der Untergrund nicht standhält und das gesamte Gebilde ins Erdreich sackt. Die Calauer Erde gibt aber nicht nach. Die Brücke ist eingebettet.

Zum Thema:
Wie die Deutsche Bahn mitgeteilt hat, sind die Teilstrecken (Lübbenau) Bischdorf - Calau und Calau - Eichow (Cottbus) für knapp drei Wochen bis zum 29. November gesperrt. Während dieser Zeit werden auch die Weichen und Gleise in Lübbenau erneuert. Vom Schienenersatzverkehr betroffen sind der RE 10 und die RB 43 von Calau nach Cottbus sowie die RB 19 von Lübben nach Calau. Die eingesetzten Busse sollen teilweise früher abfahren als die planmäßigen Züge.