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| 13:52 Uhr

Militärisches ganz friedlich
Ein Dorf im Invasions-Ausnahmezustand

 Staubwolken konnten den Spaß nicht trüben.  Für zehn Euro war ein Mitfahren im legendären Panzer BMP-1 möglich.
Staubwolken konnten den Spaß nicht trüben. Für zehn Euro war ein Mitfahren im legendären Panzer BMP-1 möglich. FOTO: Uwe Hegewald
Besucherrekord beim zweiten Militärfahrzeugtreffen am Wochenende in Bronkow. Von Uwe Hegewald

Es kann so einfach sein: Träger von Uniformen der NVA, Roten Armee, aber auch der US-Army oder französischer Truppen stehen plaudernd im Kreis und stoßen mit ihren Feldflaschen auf die friedliche Begegnung an. Zu erleben war das beim 2. Militärfahrzeugtreffen in Bronkow (Amt Altdöbern).

Im klassischen NVA-Trabant „Kübel“ reiste „Hauptmann“ Udo Lehmann mit drei Soldaten an. „Früh wurde der Marschbefehl ausgesprochen. Selbstverständlich nach vorheriger Kontrolle, ob auch die Kragenbinden sauber sind“, vermeldete er kurz nach der Ankunft. Eine Verherrlichung von Militarismus weist er von sich. „Nach dem 18-monatigen Grundwehrdienst hatten wir von der NVA alle die Nase gestrichen voll. Inzwischen ist das Erlebte aufgearbeitet. Negative Erfahrungen haben wir sowieso in den Hinterkopf verbannt“, so der „Hauptmann“ aus Bahnsdorf (Gemeinde Neu-Seeland).Wir, das sind weitere NVA-Nostalgiker aus der Region, mit einem weiteren „Hauptmann“ aus Schipkau und einem „Major“ aus Senftenberg. Allesamt mit fiktiven Dienstgraden versehen, die sich die Spaß- und Hobbytruppe „NVA Niederlausitz“ selbst verliehen hat.

Mit Freude verfolgte Harald Petrick, wie sich die Stahl- und Blechlawine in Richtung Bronkow bewegte. „Das ist fast schon ein Selbstläufer. Ich hatte zu keiner Zeit Zweifel, dass dieses Treffen funktioniert“, so der Veranstalter aus Calau. „Wir zählen schon jetzt 600 Besucher“, resümierte er 90 Minuten nach Veranstaltungsbeginn. Wie im Vorjahr lockte auch diesmal eine Ausfahrt mit dem BMP-1 zahlreiche Mutige. Unter ihnen Max Eckstein aus Luckau, der Fahrten in diesem Panzer aus seiner Zeit im Panzerregiment Spremberg kennt. Im Anschluss war er als Zivilbeschäftigter im Eisenbahnbauregiment angestellt und stand nach der Wende in engem Kontakt zum ehemaligen Armeemuseum in Prora (Rügen). Zum Fachsimpeln sei er gerne nach Bronkow gekommen, auch weil Militär- oder NVA-Geschichte wenig Lobby hat. „Unser Museum in Prora ist im vergangenen Jahr geschlossen worden, trotz jährlich bis zu 120 000 Besuchern“, haderte er.

 Staubwolken konnten den Spaß nicht trüben.  Für zehn Euro war ein Mitfahren im legendären Panzer BMP-1 möglich.
Staubwolken konnten den Spaß nicht trüben. Für zehn Euro war ein Mitfahren im legendären Panzer BMP-1 möglich. FOTO: Uwe Hegewald