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| 15:44 Uhr

Lübbenau/Raddusch
Besucherhoch im Spreewald: Plus 19 Prozent!

Im Schatten hoher Bäume und der Stille des Spreewalds paddeln – damit kann die Tourismusregion punkten.
Im Schatten hoher Bäume und der Stille des Spreewalds paddeln – damit kann die Tourismusregion punkten. FOTO: Tourismusverband Spreewald
Lübbenau/Raddusch. Sonne und Qualität sichern der Fließlandschaft den Spitzenplatz im Brandenburger Vergleich. Der Wintertourismus wächst. Von Ingvil Schirling

Das seit Mai fast durchgängig schöne Wetter hat dem Spreewald ein sattes Wachstum bei den Besucherzahlen beschert. 16,6 Prozent mehr Gäste kamen im Wonnemonat. Die Zahl der Übernachtungen stieg sogar um knapp 19 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt, wurden im Mai 87 090 Gäste im Spreewald gezählt bei exakt 230 969 Übernachtungen.

„Damit rangiert der Spreewald im Mai sowohl bei den Ankünften als auch bei den Übernachtungen auf Platz eins der Reisegebiete Brandenburgs“, informiert der Tourismusverband Spreewald. Dahinter folgen bei den Ankünften das Seenland Oder-Spree (78 335) und Dahme-Seenland (58 243). 228 456 Übernachtungen verzeichnet das Seenland Oder-Spree, das somit knapp auf Platz zwei liegt, und 150 941 das Ruppiner Seenland.

Das Super-Sommerwetter spiele eine Rolle bei den erneut gestiegenen Gästezahlen. „Die Region zählt mittlerweile zu den populärsten Reisezielen in den neuen Bundesländern“, sagt Annette Ernst als Leiterin des Tourismusverbandes Spreewald. „Hier verzahnen sich Natur- und Kulturerlebnis, Aktivsein und Genuss.“

Zum erfolgreichen Selbstläufer werde eine touristische Region allein durch das Wetter längst nicht. Es schien zwar ruhig geworden um den Tourismusverband, doch hinter den Kulissen wurde auf mehren Themenfeldern einiges bewegt.

Ein wichtiger Ansatzpunkt, wenn nicht sogar der wichtigste, ist für Annette Ernst die Qualität. „Viele Akteure der Tourismus- und Erlebnisbranche engagieren sich nachdrücklich für eine Qualitätssicherung und Weiterentwicklung von hochwertigen Angeboten. Dieser Eifer kommt bei den Gästen an“, erläutert sie.

Ein einfacher Trick dabei: Annette Ernst hat gemeinsam mit ihrem Team genau überlegt, wie die Zielgruppe für den Spreewald aussieht. Wer genau reist gern in die Fließlandschaft? Ist es eine Person mit Kindern oder ohne, mit oder ohne Partner, sportlich, naturliebend, genussorientiert – und wie sieht das im Detail aus?

Diese Überlegungen haben sehr geholfen, berichtet sie, und beispielsweise die Beratungen für  Leistungsanbieter wie Pensionsbetreiber oder Vermieter von Ferienwohnungen deutlich konkretisiert. Das kommt bei beiden Seiten an.

Und es soll weitergehen. Vorbereitet und eingereicht ist mittlerweile die Bewerbung als Qualitätsregion bei der Service-Qualität Deutschland. Erhält der Spreewald diese Anerkennung, wäre er die erste Qualitätsregion.

Die Vorzeichen sind gut mit einer Reihe von bereits zertifizierten Q-Städten und -Gemeinden. Seit Jahresanfang wurden die Kriterien erarbeitet, die an eine Q-Region gestellt werden. „Es gibt ein Riesenpotenzial bei uns“, schätzt Annette Ernst ein und verweist auf fast 90 bereits zertifizierte Betriebe und Anbieter. Sie hofft, dass die Spreewald-Region ihre Qualifizierungs-Urkunde vielleicht schon im November auf dem Tourismustag des Landes Brandenburg in Cottbus erhält.

Und noch ein dickes Brett ist in den vergangenen Monaten ziemlich tief angebohrt worden: Die Gästecard. Ziel ist es schon länger, Touristen zu ermöglichen, den öffentlichen Nahverkehr auch im Spreewald zu nutzen. Das hat wiederum mit der Zielgruppe zu tun: Immer mehr Menschen ohne Auto wollen die Fließlandschaft genießen. Doch das erfordert viele Verhandlungs- und Abstimmungsrunden. Dahinter steckt, dass für den Spreewald ein Mobilitätsmanagement entstehen soll, von dem die Einwohner ebenso profitieren. Die beiden Plusbus-Linien (die LR berichtete), die vor kurzem in Straupitz neu eröffnet wurden und Lübben, Luckau und Burg verbinden, zeigen, wie das funktionieren soll: Die Anschlüsse an die Regionalexpress-Züge und weiter nach Cottbus werden mit ihnen deutlich besser als bisher gewährleistet.

Die Komplexität allerdings, die Nahverkehrspläne dreier Landkreise und Cottbus sinnvoll zusammenzuführen, ist hoch. Die Wirtschaftsregion Lausitz hat sich im Rahmen eines kurz „Moro“ genannten Projektes intensiv mit den Möglichkeiten beschäftigt, die Mobilität zu stärken und die Region damit lebendig zu halten – unter intensiver Mitwirkung des Tourismusverbandes.

Ein Ergebnis ist, dass das Kommunalabgabengesetz auf Landesebene geändert werden muss, damit auch kleinere Städte und Kommunen die Abgabe erheben dürfen. Das soll im September passieren, schätzt Annette Ernst ein und ist optimistisch, dass es dank rund einem Jahr Vorbereitungszeit klappen wird. Das andere Ergebnis ist die Umsetzung der Beitragserhebung. „Im Endeffekt wird ihn der Gast bezahlen“, sagt sie. Die Höhe wird etwa im Cent- bis Ein-Euro-Bereich liegen. Entrichten würde der Gast den Obolus pro Übernachtung gemeinsam mit Kur- oder Tourismusbeitrag. Eingenommen wird das Geld bei den Kommunen. Der Anteil für die Mobilität würde über den VBB an die ausführenden Unternehmen, in Dahme-Spreewald beispielsweise die RVS, zurückgegeben. Der Tourist bekommt im Gegenzug mit einer Gästekarte die Berechtigung, den Bus zu nutzen.

Der Plan sieht also vor, das Kurabgabensystem auch für die Abrechnung mit zu nutzen – als einer von mehreren Möglichkeiten.

Perspektivisch schwebt Annette Ernst vor, eine App für Smartphones zu konzipieren, die dem Gast während der Busfahrt Sehenswertes in der Region vermittelt. Er könnte sich also bereits auf dem Weg vom Lübbener Bahnhof nach Straupitz über die Schinkelkirche informieren, dort möglicherweise aussteigen und – da der Bus stündlich zur Minute fährt – nach der Besichtigung wieder einsteigen. Oder später, wenn er andere Straupitzer Besuchermagneten wie die Mühle, die Spreewaldbahn oder den Kornspeicher in diesem Zuge gleich mit besichtigen möchte.

Dies sind Beispiele für die Qualität, mit der der Spreewald langfristig punkten will. Diese hat viele Facetten. Geplant sind beispielsweise Fahrten für Anbieter zu Produzenten, damit diese ihre Gäste künftig noch besser informieren können. Oder Schulungen, um das Niveau kontinuierlich weiter zu heben.

Auch beim Wintertourismus zahlt sich das aus. Mit einem kleinen Rückgang im Zeitraum November 2016 bis März 2017 sind die Zahlen seit 2013 kontinuierlich gestiegen. Dieses Jahr liegt das Wachstum bei elf Prozent. Das ist zwar nicht ganz so sprunghaft wie von 2014/15 auf 2015/16, wo die Gästezahlen um 18 (Ankünfte) beziehungsweise 19 Prozent bei den Übernachtungen stiegen. Doch Annette Ernst ist zufrieden, hatte sie doch selbst zwischen fünf und zehn Prozent Steigerung geschätzt. Ihr kommt es auch deshalb darauf an, die Saison zu verlängern und den Winter für Gäste attraktiv zu gestalten, „damit wir immer weniger Fachkräfte entlassen müssen, die wir dringend brauchen“. Die Entwicklung zeige, dass das funktioniert.

Druckfrisch ist vor diesem Hintergrund gerade der neue Winterkatalog herausgekommen. Diesmal quadratisch, wurde vor allem die Bildsprache weiterentwickelt. Und auch das soll optimiert werden. „Wir arbeiten mit einer Reihe von Fotografen eng zusammen“, sagt Annette Ernst. Manche Bilder sind dennoch eher Zufallsfunde, andere gezielt gemacht – beispielsweise an einem der wenigen Wintertage mit Schnee in der vergangenen Saison. Solche Termine sollen künftig gebündelt werden, um einen Fotografen mit Models, nicht selten Akteure aus der Region, gezielt einsetzen zu können. Einmal mehr steht Qualität dabei an erster Stelle.

Frostig kalt und wunderschön: Der Spreewald im Winter. Die Werbekampagnen zeigen Erfolg und lassen die Gästezahlen steigen. 9,9 Prozent mehr Ankünfte und 11,4 Prozent mehr Übernachtungen wurden gezählt.
Frostig kalt und wunderschön: Der Spreewald im Winter. Die Werbekampagnen zeigen Erfolg und lassen die Gästezahlen steigen. 9,9 Prozent mehr Ankünfte und 11,4 Prozent mehr Übernachtungen wurden gezählt. FOTO: Tourismusverband Spreewald
Annette Ernst, Leiterin des Tourismusverbands Spreewald
Annette Ernst, Leiterin des Tourismusverbands Spreewald FOTO: Tourismusverband Spreewald