Stürme, die mit 160 Sachen über die knapp 3000 Meter hohe Zugspitze pfeifen, haben den bayrischen Postboten An dreas Oberauer offenbar auch fit gemacht für die Kahnzustellung im Spreewald. Nur selten musste Andrea Bunar helfen, ihren Postkahn wieder in Position zu bringen. "Er ist eben ein Naturtalent", wird sie später über ihren Kollegen sagen, der sie am Donnerstag in Lehde besucht hat. Und er? "Das ist eine wunderbare Zustelltour, aber ich sage mir: Schuster, bleib bei deinem Leisten."

Und das sind seine Leisten: Die Tour von Andreas Oberauer beginnt im Tal. Dort legt er erst einmal 27 Kilometer zurück, bevor er mit der Eibsee-Seilbahn zu seinem täglichen Gipfelsturm in 2962 Metern Höhe aufbricht. Und das schon seit 18 Jahren. "Dort oben leere ich drei Briefkästen, die an Spitzentagen voll sind mit fast 2000 Ansichtskarten", erzählt der 50-Jährige. Denn über die Eibsee-Seilbahn gelangen jedes Jahr durchschnittlich 500 000 Menschen auf den Gipfel. Alle Sendungen versieht er in der höchsten Postfiliale Deutschlands noch mit dem speziellen Zugspitz-Poststempel. Übrigens hat die Zugspitze mit der 82475 eine eigene Postleitzahl.

Im neun Meter langen Kahn von Andrea Bunar liegen Pakete und Briefe - nicht so sperrig wie seine bislang heftigste Postsendung zum Berggipfel - ein Schaukelstuhl. Der erste Schritt vom Festland in den Kahn gelingt. Er verstaut schnell seine persönlichen Utensilien und los geht's. Erst zusehen, dann selbst probieren: An dreas Oberauer mit den lustigen braunen Augen fasst das vier Meter lange Rudel, stakt vorsichtig. Der Kahn folgt ihm leider. So muss Andrea Bunar helfen. Das wird sich auf der acht Kilometer langen Post-Tour ändern, auch wenn der Wind im Spreewald kräftiger bläst, als dem Gast von ganz oben vielleicht lieb wäre. Dabei macht er die Erfahrung: "Das ist nicht nur kraftaufwendig, dazu braucht man schon eine bestimmte Technik." Die hat die 44-jährige Postzustellerin aus dem Spreewald natürlich drauf. In ihrem Zustellbezirk 10 stakt sie schließlich schon die vierte Saison. Rund 1100 Kilometer legt sie in einer Saison von März bis Oktober auf dem Wasser zurück.

Die beiden fallen auf. Überall klicken Fotoapparate, denn Touristen wie Einheimische bekommen so ein Bild nicht alle Tage vor die Linse. Auch die Postfrau selbst ist in Bestlaune ob dieses einmaligen Gastes. "Der originellste Besucher, den ich mal hatte, war im vorigen Jahr der Weihnachtsmann. Der hat hier Urlaub gemacht", erinnert sie sich.

Ein Geschenk aber hat ihr auch der Postbote von der Zugspitze mitgebracht - eine Glocke aus den Bergen. Ein Körbchen mit Spreewald-Leckereien von ihr nimmt er mit nach Hause. Bevor es so weit ist, braucht es noch einige Stak-Versuche auf der Spree. Angst, dass er dabei mit dem Wasser Bekanntschaft schließen könnte, habe er gar nicht: "Ich kann schwimmen" - klar doch, als Postbote von ganz oben.

Irgendwann wird die Kahnzustellerin mit dem Oberbayer, der die Tradition seines Vaters fortsetzt, auf die Zugspitze fahren. Nicht ausgeschlossen sind vielleicht auch Besuche bei Wattzusteller Knud Knudsen, Postschiffer Johann Petersen und Wattwagen-Fahrer Joachim Wichmann auf den Nordsee-Inseln. Denn auch diese drei Postboten erreichen ihre Zustellbezirke nur mit sehr besonderen Fahrzeugen.