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Besuch bei Uhu, Falke und Co.

Publikumsnah präsentiert sich die Flugshow auf dem Adler- und Jagdfalkenhof von Dirk von Bargen in Werchow. Mutige dürfen das ein oder andere Tier unter Aufsicht sogar streicheln.
Publikumsnah präsentiert sich die Flugshow auf dem Adler- und Jagdfalkenhof von Dirk von Bargen in Werchow. Mutige dürfen das ein oder andere Tier unter Aufsicht sogar streicheln. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Werchow. "Eine fantastische Darbietung. Ich habe schon viele Falkner-Shows besucht, diese hier in Werchow zählt zu den Top-Veranstaltungen", fasst Ronny Brähmig den Besuch auf dem Adler- und Jagdfalkenhof "Zur Calauer Schweiz" zusammen. Uwe Hegewald / uhd1

In rund 70 Minuten erfahren er, sein Sohn Sandro und Oma Helga Kain alles Wissenswerte über das Arbeiten und Trainieren mit den Königen der Lüfte.

"Die Falknerei ist eine der ältesten Jagdpraktiken mit Tieren. Bereits im Mittelalter kam sie nach Europa", so Dirk von Bargen. Sich einfach mal so einen Greifvogel zulegen, um Wildkaninchen oder Hasen nachzustellen, gehe natürlich nicht. Durch Artenschutzmaßnahmen, amtliche Auflagen, das artgerechte und von Behörden kontrollierte Halten der Vögel liege die Messlatte sehr hoch. Höher noch, als mancher gefiederter Darsteller am Samstagnachmittag fliegen will oder soll.

In der Regel genügt ein energisches Zurufen oder eine verlockende Futtergabe, damit die pfeilschnellen Tiere auf dem Handschuh des Falkners landen. Regelmäßig zückt Ronny Brähmig seinen Fotoapparat, um die einzigartigen Momente auf den Chip seiner Kamera zu bannen: Flüge des majestätischen, amerikanischen Weißkopfadlers, das Schnappen eines Steinadlers während des Fluges nach Beute oder den Moment, als Uhu Erna ihren Sitzplatz inmitten der über 60 Gäste beansprucht. Assistiert wird Dirk von Bargen von seinem Sohn Christian, der in wenigen Tagen seinen 17. Geburtstag feiert.

Apropos Geburtstag: im kommenden Jahr feiert der Adler und Jagdfalkenhof "Zur Calauer Schweiz" sein zehnjähriges Bestehen. "Das Durchhalten hat sich gelohnt. Ich habe keines der Jahre bereut", sagt der Werchower Falkner, "auch wenn es manchmal Rückschläge zu verkraften gab." Blutige Finger ließen sich nicht immer vermeiden. Schlimmer wiege der Verlust von ausgebildeten Tieren, wie der eines Steppenadlers vor zwei Jahren. Der Greifvogel war während des Trainings ausgebüxt und hatte sich ausgerechnet den Isolator eines Bahn-Elektromastes als Landeplatz ausgesucht.

Aktueller Patient ist ein Seeadler, der vom Flügel einer Windkraftanlage verletzt wurde. "Aus dem Tierpark Güstrow haben wir eine Partnerin gekauft und ihm zur Seite gestellt. Wir hoffen, dass die beiden Adler zueinander finden und auf Nachwuchs", blickt Dirk von Bargen voraus. Als sicher gilt, dass das Pärchen eine neue, noch größere Voliere bekommt.

Überhaupt hat sich das Werchower Objekt Jahr für Jahr entwickelt. "Eine sehr gepflegte, großflächige Anlage. Das habe ich in dem kleinen Dorf nicht erwartet", würdigt Helga Kain aus Großräschen. Sie hat ihrem Enkelsohn Ronny Brähmig einen Besuch nahegelegt und ihre Bitte zum Mitkommen geäußert. "Der Ausflug hat sich gelohnt. Uns haben sowohl das Programm als auch die Ausführungen des Falkners gefallen. Der hat das sehr souverän gemacht", resümiert der Gast mit der wahrscheinlich weitesten Anreise. Ronny und Sandro Brähmig wohnen in Meßstetten (Baden-Württemberg). "Der höchstgelegene Ort der Schwäbischen Alb", teilen sie vor der Abreise mit.

Andere Gäste verweilen noch auf der Anlage, beobachten den Falkner beim Karpfen füttern oder gönnen sich selbst einen Kaffee oder ein Stück Kuchen. "Wir wollen, dass sich unsere Besucher rundum wohlfühlen", so von Bargen, der die Türen zum Adler- und Jagdfalkenhof ab Ostern immer samstags, Sonntag und an Feiertagen (ab 14 Uhr) öffnet. Am 3. Oktober ist dann Saisonschluss, was nicht heißt, dass die Könige der Lüfte in den Winterschlaf fallen. "Wenn es die Witterung zulässt, trainieren wir täglich", so der Falkner. Ein Mammut-Job, sind doch auf dem Hof durchschnittlich 30 bis 40 Greifvögel untergebracht.