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| 18:45 Uhr

Landwirtschaftsausstellung
Berliner belagern Spreewald-Stände

 Gisela Christl im Gespräch mit Besuchern am Stand des Spreewaldvereins.
Gisela Christl im Gespräch mit Besuchern am Stand des Spreewaldvereins. FOTO: Peter Becker
Berlin. Grüne-Woche-Besucher wissen Gurke, Honig und Co. zu schätzen. Von Peter Becker

Die Internationale Grüne Woche ist seit ihrem Start 1926 die Ernährungsmesse schlechthin – Treffpunkt von Erzeugern und Verbrauchern. Die Betreiber bezeichnen ihre Messe stolz als das „Davos des Agrarbusiness“ – damit auf das zeitgleich stattfindende Weltwirtschaftsforum in schweizerischem Davos anspielend. Sie werben auch mit der „Kulinarikhauptstadt Berlin“ und deren Streed-Food-Szenerie. Aussteller aus 65 Ländern und etwa eine knappe halbe Million Besucher sind weitere gute Argumente für die Messe am Funkturm.

Zahlreiche Aussteller aus dem Berliner Umland beteiligen sich an der Messe, sicher auch weil Berlin zu großen Teilen ohnehin am Agrartropf Brandenburgs hängt. Der erste Messetag ist somit auch der Brandenburgtag, wo sich regionale Erzeuger vorstellen, darunter die aus dem den Berlinern bestens bekannten Spreewald.

In der Brandenburghalle ist es immer etwas eng, der Besuch hier scheint Pflichtprogramm für Berliner zu sein. Der Stand des Spreewaldvereins ist dicht umlagert, wie Gisela Christl aus Lübben in einer Schmalzstullen-Schmier-Pause bestätigt: „Es brummt ohne Ende! Und in meiner Tracht bin ich für viele der Ansprechpartner in Spreewald-Angelegenheiten. Neben ‚rund um die Gurke‘ wollen die Besucher wissen, was es Neues im Spreewald gibt, welche Geheimtipps ich geben könnte. Meinen Flyerstand muss ich daher zwischendurch immer mal auffüllen!“ Verkaufshits sind Produkte mit der Spreewälder Dachmarke, darunter Leinöl aus der Kannomühle, die Dips des bekannten Erzeugers Rabe und der scharfe Honig aus Golßen.

Neben ihr steht der „Gurkenpaule“, Norbert Paul aus Lübben. Er schneidet so ziemlich alle gängigen Gurkensortimente in mundgerechte Stücke – und wird damit kaum fertig. Für ein gesundes, kalorienarmes Häppchen zwischendurch ist für fast jeden Besucher Zeit und Gelegenheit, oft als Ausgleich zu den vielen kalorischen Naschereien in den Nachbarhallen. „Mich verwundert es daher nicht, dass die Besucher immer mal direkt nach Scharfem nachfragen, wohl, um die Verdauung anzuregen“, erzählt Norbert Paul. Er ist gerade im Gespräch mit dem Radduscher Ehepaar Sabine und Joachim Seeck, die sich durch alle Gurken probieren. Am Stand von „Gurken-Feldmann“, ebenfalls aus Lübben, interessieren sich die Gäste für die neuen Kreationen. Vertriebsleiter Thomas Schrahn, der am Stand von Kim Ohrem unterstützt wird: „Unsere Renner sind die Gewürzgurken und das neue Gurken- und Paprikarelish. Letzteres kommt ursprünglich aus der englischen Küche und wird zum Würzen der Speisen, etwa beim Grillen, verwandt.“

Wenn Brandenburger reisen, dann wollen sie möglichst viel mitnehmen, wenn sie schon einmal in der Großstadt sind. Mit Tüten und Beuteln bepackt wird später die Heimreise angetreten, auch mit vielen Eindrücken im Kopf und oft auch überfülltem Magen. Den größten Posten machen oft die kleinen Zettel aus, die Kopien von Bestellaufträgen. Meist wird Wein fürs Jahr geordert, der vor Ort am Stand gründlich ausgetestet wird.

Der Tschernitzer Peter Drobig, der ein bekanntes Weingut vertritt, gibt sich erfolgreich Mühe, seiner Brandenburger Stammkundschaft die neuen Marken nahezubringen. Matthias Nevoigt aus Lübbenau: „Obwohl ich gern ein Bierchen trinke, lass ich mich doch ab und an zu einem Gläschen guten Weines überreden und bestell dann bei ihm ein paar Fläschchen.“ Familie Graf aus Stradow schaute natürlich auch in die anderen Hallen: „Am meisten haben wir uns auf die Blumenhalle gefreut, aber diesmal gefiel sie uns nicht ganz so gut. Die hochaufgestapelten Paletten mit Blumenschmuck sind eher weniger unser Geschmack.“ Geschäftsführer Axel Müller vom Spreewaldverein, der Melanie Kossatz in Mütterjahr vertritt: „Es zeigt sich deutlich, welch guten Ruf der Spreewald mit seinen Gurken hat. Volles Haus jeden Tag! ‚Ah, dort gibt‘s die Spreewälder Gurken‘ hört man fast im Minutentakt. Unsere Mitarbeiter, Gisela Christl, Andreas Traube, Norbert Paul und Josefin Müller kommen mit dem Anbieten und Verkaufen kaum hinterher. Den ersten Nachschub musste ich heute schon nachliefern, aus den Spreewald frisch nach Berlin, die Messe läuft!“ Für Andreas Traube läuft der Abverkauf bisher dennoch etwas schwächer als in den Vorjahren. „Das muss kein schlechtes Zeichen sein, das zeigt, dass der Onlinehandel gut funktioniert, wie auch unsere Partner bestätigen.“