| 02:37 Uhr

Barbie zu Besuch im Spreewald

Bettina Dorfmann (l.) und Karin Schrey schauen auf Barbies Studentenleben. Der aufklappbare Karton stammt aus der ersten Hälfte der Sechziger Jahre.
Bettina Dorfmann (l.) und Karin Schrey schauen auf Barbies Studentenleben. Der aufklappbare Karton stammt aus der ersten Hälfte der Sechziger Jahre. FOTO: Preikschat
Lübbenau. Die weltberühmte Puppe zeigt sich im Lübbenauer Spreewaldmuseum vielseitig und beweist in drei Räumen ihre Wandlungsfähigkeit. Daniel Preikschat

Helfend beugt sich Tierärztin Dr. Barbie über den Hundewelpen. Auf dem Rücken liegend, reckt ihr der kleine Bernhardiner den rechten Hinterlauf mit dem Verband entgegen. Auf einem Schälchen liegen Wattebäusche und medizinische Geräte. Diese rührende kleine Szene spielt sich ab im zweiten Obergeschoss des Lübbenauer Spreewaldmuseums.

Ab morgen können sich dort Besucher stundenlang verlieren im Betrachten noch vieler, vieler anderer Miniaturwelten. Immer steht dabei die bekannte Puppe im Mittelpunkt, die weltweit alle zwei bis drei Sekunden über den Ladentisch geht. Mal sieht man Barbie im Kreise ihrer Kommilitonen auf dem Uni-Campus, mal als Gastgeberin in ihrer Küche, mal als Präsidentschaftskandidatin am Rednerpult vor verzückt lauschenden Unterstützerinnen. Barbie kann alles, möchte meinen, wer in die Vitrinen schaut. Sie ist Rennfahrerin, Model und Astronautin, Rocksängerin, Pilotin und Polizistin. Sichtlich beeindruckt von diesen "Wimmelbildern" mit insgesamt mindestens 400 Barbiepuppen samt den dazugehörigen kleinen Bühnenbildern war beim Aufbau der Ausstellung Tom Fehrmann. "Ich wusste gar nicht, dass Barbie eine so mutige und moderne Frau war", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter der Museen im Landkreis OSL.

Schon lange klar ist das hingegen den beiden Ausstellungsmacherinnen Bettina Dorfmann und Karin Schrey. Barbie habe, seit es sie gibt, immer schon den Zeitgeist verkörpert, erklären die beiden Fachfrauen. Mit ihren langen Beinen auf der Schwelle stehend zwischen Jugend- und Erwachsenenwelt, sollte sie nicht nur Spielzeug sein für die beschenkten Mädchen und Jungen. "Es ging ganz klar auch darum, dass Eltern ihre Kinder erziehen wollten." Die Puppe sollte Lust darauf machen, in die Erwachsenenwelt einzutreten, einen Beruf zu ergreifen, es zu etwas zu bringen. Gerade in den ersten Jahren des Barbie-Zeitalters jedoch, in den Fünfziger und Sechziger Jahren, spielte die Puppe die Rolle der Frau vor, so Bettina Dorfmann: "Am Herd stehen und schick sein für den hart arbeitenden Ehemann." Die Barbies im Spreewaldmuseum sind nur ein verschwindend kleiner Teil der Sammlung von Bettina Dorfmann. 17 000 Puppen etwa besitzt die Mitarbeiterin im Museum von Ratingen nahe Düsseldorf. Weltweit hat niemand mehr. Auch nicht in den USA, wo der Spielzeugkonzern Mattel seinen Sitz hat, der Barbie vermarktet. Hergestellt wird das Spielzeug unter anderem in Japan, Mexiko und Taiwan, seit 1990 in Indonesien. Derlei Fakten und historische Hintergründe kann der Museumsbesucher auf Erklärtafeln ablesen. Unter anderem auch interessant: Vorbild Barbies war die Bild-Lilli, eine Kreation der Bild-Zeitung. Als Cartoon kloppte Lilli erst in der Zeitung ihre flotten Sprüche, war dann als Puppe zu kaufen. Maskottchen oder Partygeschenk sollte sie sein für männliche Käufer. Die amerikanische Unternehmerin Ruth Handler entdeckt Lilli und ließ die Puppe in ihrer Firma Mattel mit perfekt geschneiderten Outfits und Accessoires fertigen. "Wie so oft", sagt dazu Kuratorin Karin Schrey, "erfanden die Deutschen etwas und andere haben es vermarktet." Auch diese erfolgreiche Verkaufsgeschichte zeige die Ausstellung.

Zum Thema:
"Busy Girl, Barbie macht Karriere - vom deutschen Fräuleinwunder zum amerikanischen Traum" heißt die neue Ausstellung im Lübbenauer Spreewaldmuseum. Morgen wird sie eröffnet und bis zum 15. Oktober zu sehen sein. Rund 400 Puppen aus fast 60 Jahren Barbie-Geschichte dokumentieren den Wandel weiblicher Lebensbilder vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart. Deutlich gemacht wird zudem die beabsichtigte erzieherische Wirkung des meistverkauften Spielzeugs aller Zeiten.