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| 02:39 Uhr

Bagger sollen Städtchen Lübbenau schützen

Am Zusammenfluss von Vetschauer Mühlenfließ und Radduscher Kahnfahrt an den Radduscher Kaupen ist der unterschiedliche Ockergehalt der Gewässer zu erkennen. Während das Mühlenfließ dank Reinigungsanlage deutlich klarer ist, strömt aus Raddusch die Ockerfracht ungebremst ein. Der Zustrom aus Raddusch wird allein vom Grundwasser gespeist.
Am Zusammenfluss von Vetschauer Mühlenfließ und Radduscher Kahnfahrt an den Radduscher Kaupen ist der unterschiedliche Ockergehalt der Gewässer zu erkennen. Während das Mühlenfließ dank Reinigungsanlage deutlich klarer ist, strömt aus Raddusch die Ockerfracht ungebremst ein. Der Zustrom aus Raddusch wird allein vom Grundwasser gespeist. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Die Sofortmaßnahmen gegen die Verockerung zeigen erste Wirkungen – doch Umweltschützer drängen weiter zur Eile. Denn das Problem mit den Eisenfrachten in Richtung Lübbenau und Spreewald ist nicht ausgestanden. Jan Gloßmann

Der Südumfluter muss schneller entschlammt werden als bislang geplant. Dadurch könne Lübbenau vor dem Eisenocker bewahrt werden. Das forderte Isabell Hiekel vom Verein "Klare Spree" am Montagabend. "Man kann damit nicht warten, bis alle anderen maßnahmen umgesetzt sind. Dann ist es zu spät."

Bis zu 3000 Kilogramm Eisenfracht führt der Südumfluter in den Wintermonaten mittlerweile mit sich, dreimal so viel wie im Sommer. Vor allem aus dem Greifenhainer Fließ, aber auch noch aus dem Vetschauer Mühlenfließ drückt weiteres Material nach - Lübbenau ist noch nicht vom Eisenocker betroffen, aber offenbar auch nicht aus dem Schneider.

Das Landesumweltamt teilt diese Sorgen. Das erklärte dessen Abteilungsleiterin Dr. Dorothee Bader während der Bilanzpräsentation des Gewässerrandstreifenprojektes im Lübbenauer Rathaus (siehe Seite 15). "Das Problem wird gesehen, dass das Eisen über den Südumfluter in die Stadt kommen kann." Derzeit laufen Vorprüfungen, wie man mit dem Gewässer umgehen will.

Zugleich haben Holzungen am Greifenhainer Fließ begonnen, um dort ausbaggern zu können. "Wir wollen die Eisenbelastungen aus dem Spreewald heraushalten." Die Bagger-Arbeiten am Greifenhainer Fließ werden laut Isabell Hiekel jedoch kaum vor Mitte 2014 erfolgen. Bis dahin könne die Eisenfracht weiter vorankommen. Unklar ist, ob Barrieren im Fließ den bräunlichen Dreck aufhalten können.

Dorothee Bader verwies darauf, das von den zehn ein geleiteten Sofortmaßnahmen sieben umgesetzt sind und zumindest erste Wirkungen zeigten. So seien aus der Wudritz etwa 16 000 Kubikmeter Schlamm entnommen worden (siehe Kasten). Der Lichtenauer See sei neutralisiert, die Grubenwassereinigungsanlage Vetschau in Betrieb.

Sorgen mache weiter der Schlabendorfer See, dessen pH-Wert trotz Bekalkung nur langsam steigt. Der See ist einfach zu groß. Diskutiert wird noch über ein "temporäres Feuchtgebiet" an der Wudritz. Im laufenden Jahr hat die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungs-Gesellschaft (LMBV) etwa 6,8 Millionen Euro aufgewendet. Installiert worden sind 73 Messstellen für ein biologisches Monitoring, mit dem Flora und Fauna überprüft werden. Ergebnisse sollen 2014 vorliegen.

Zum Thema:
Die Entschlammung der Fließe löst viele Probleme rund um die Eisenfracht - und schafft neue Sorgen. Laut Dorothee Bader vom Landesumweltamt ist unklar, wo der Schlamm entsorgt oder deponiert werden kann. Derzeit werde viel probiert. Ziel sei ein tragfähiges Konzept, wie mit dem Schlamm umgegangen wird. Gesetzliche Regelungen verhindern, dass der Aushub wie früher auf die Felder gebracht wird.