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| 02:32 Uhr

Awo sucht Ehrenamtliche, die Pflegebedürftigen helfen

Den Sportteil der RUNDSCHAU hat Günter Paul immer so gern gelesen – das geht nun nicht mehr, seine Augen wollen nicht mehr wie er will. Gern liest ihm Katrin Lehmann vor. Er und seine Frau Rosemarie haben die 50-Jährige schon nach wenigen Wochen in ihr Herz geschlossen.
Den Sportteil der RUNDSCHAU hat Günter Paul immer so gern gelesen – das geht nun nicht mehr, seine Augen wollen nicht mehr wie er will. Gern liest ihm Katrin Lehmann vor. Er und seine Frau Rosemarie haben die 50-Jährige schon nach wenigen Wochen in ihr Herz geschlossen. FOTO: H. Kuschy
Calau. Für Rosemarie und Günter Paul aus Calau ist das Leben nicht mehr wie es noch vor einem Jahr war: Seine Augen wollen nicht mehr gut sehen, ihr bereitet das Laufen Probleme. Dass sie dennoch den Alltag meistern, verdanken sie auch Katrin Lehmann. Sie ist eine von vielen Ehrenamtlichen, die Pflegebedürftigen helfen. Hannelore Kuschy

Seit wenigen Wochen erst gehört Katrin Lehmann fast zur Familie von Rosemarie und Günter Paul. Und die Eheleute haben sie schon in ihr Herz geschlossen. "Ich komme beim Saubermachen nicht mehr in jede Ecke, da hilft sie. Sie ist verlässlich und umsichtig, wir verstehen uns beide prima", erzählt die 76-Jährige. Und wie es der Zufall wollte, haben sich Katrin Lehmann und der 77-jährige Günter Paul nach vielen Jahren auf diese Weise wieder getroffen, denn: "Er war mein Geschichtslehrer", erzählt die alleinstehende Frau.

Damals hatte sie von ihm gelernt, heute liest sie ihm vor. "Ich habe selbst so gerne gelesen, vor allem Sport, und Kreuzworträtsel gelöst - das geht jetzt nicht mehr", bedauert er und nimmt das Angebot seiner ehemaligen Schülerin gern an.

Auch wenn es anfangs wirklich schwer war, nehmen die seit 52 Jahren verbundenen Eheleute das Leben so an wie es ist - und haben dennoch viel Spaß. Leichter ist es nämlich auch mit Katrin geworden. Sie ist eine von zehn Ehrenamtlichen bei der Awo, die Pflegebedürftigen sowohl in der Tagespflege als auch daheim in den eigenen vier Wänden unter die Arme greifen.

"Ich habe seit zehn Jahren auch aus gesundheitlichen Gründen keine feste Arbeit und pflege noch meine Mutter", erzählt die Calauerin. Nach verschiedenen Kursen, ihrem Bundesfreiwilligendienst in der Bibliothek habe sie im vorigen Jahr einen Lehrgang bei der Awo zum Umgang mit Pflegebedürftigen absolviert. "Das hat mir sehr geholfen, auch privat", schätzt sie ein. Habe sie früher von ihrer Mutter gelernt, sie um Rat gefragt, sei es eben heute umgekehrt. Daran habe sie sich gewöhnen müssen.

Irgendwann holte die 50-Jährige der Entschluss ein, mehr tun zu wollen, auch anderen Leuten zu helfen. Zusätzlich belegte sie noch einen Kurs mit pflegenden Angehörigen und merkte, dass es ihr nicht allein so gehe. Aus dieser Erkenntnis heraus schöpft sie Kraft und fühlt sich bei den Pauls recht wohl. Einmal in der Woche besucht sie die Eheleute für ein paar Stunden. Und natürlich machen dann immer wieder alte Zeiten die Runde. Gemeinsam gehen sie auch einkaufen, denn die 76-Jährige könne sich mit den Gehhilfen im Supermarkt nur schwer behelfen. Hier und da hilft die Calauerin beim Saubermachen. Aber den beiden die Arbeit ganz und gar abzunehmen, sei nicht im Sinne des Erfinders.

Für ihr Engagement bei den Pauls oder auch in der Tagespflege bekommt Katrin Lehmann eine kleine Aufwandsentschädigung, die ihr, wie sie sagt, jeden Monat ein bisschen hilft, mit dem Wenigen zurechtzukommen. Und vielleicht, so hofft sie, ergebe sich für sie ja ein neuer Berufsweg. Hat sie Zeit für sich, geht sie gern spazieren - auf dem Friedhof zum Beispiel. "Dort ist es so herrlich ruhig, im Frühling wird es grün, der Rhododendron blüht, und hin und wieder sieht man ein Eichhörnchen vorbeihuschen", schwärmt sie. Für Körper und Geist besucht sie Yoga- und Pilateskurse und geht zum Reha-Sport.

Bald werden die Pauls gemeinsam zur Kur fahren - auf Katrin Lehmann warten in dieser Zeit stellvertretend dann die Grünpflanzen in der gemütlichen Wohnung der Eheleute.

Zum Thema:
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) sucht für die Region Calau, Vetschau, Lübbenau und Altdöbern Interessierte, die sich ehrenamtlich für Menschen, die pflegebedürftig sind, engagieren wollen. Das heißt, sie nehmen Pflegebedürftigen Arbeiten in den eigenen vier Wänden ab, helfen bei alltäglichen Arbeiten, lesen vor - aber übernehmen keinesfalls pflegerische Tätigkeiten. Möglich sind auch gemeinsames Kochen, Spaziergänge, Spiele und Ausflüge mit Gästen der Tagespflege. Eine Aufwandsentschädigung wird gezahlt. Wer sich vorstellen kann, als Helfer tätig zu sein, kann sich bei Andrea Richter vom Awo-Büro "Calauer Mitte" in der Cottbuser Straße 18 in Calau melden. Telefonisch ist sie erreichbar unter der Nummer 01525 4503482.