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| 17:22 Uhr

Eine Chance geben
Fähigkeiten fordern und fördern

 Mitarbeiter der Wäscherei innerhalb der AWO Spreewaldwerkstätten Lübbenau bedienen auch externe Partner wie medizinische Einrichtungen. Zur Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt sind oftmals Zeitlimits bei den Arbeiten vorgegeben.
Mitarbeiter der Wäscherei innerhalb der AWO Spreewaldwerkstätten Lübbenau bedienen auch externe Partner wie medizinische Einrichtungen. Zur Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt sind oftmals Zeitlimits bei den Arbeiten vorgegeben. FOTO: Philipp Brendel
Die AWO Spreewaldwerkstätten in Lübbenau sind ein wichtiger Qualifizierungsort und Anlaufpunkt für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Von Philipp Brendel

Was in unserer teils oberflächlichen und unpersönlichen Gesellschaft auffällt, ist für die Nutzer der Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen eine Selbstverständlichkeit: Freundlichkeit. Ein „Hallo“ oder „Guten Morgen“. „Unsere Gruppen begegnen uns immer mit einer so freundlichen Art“, sagt Elke Wenzel, Leiterin der Einrichtung.

Das Ziel der AWO Spreewaldwerkstätten ist nicht nur eine Qualifizierung der Betreuten, sondern auch die Bereitstellung eines gemeinschaftlichen Anlaufpunktes, der Tagesstruktur, Arbeit und freizeitliche Aktivitäten in sich vereint. So sorgen Tagesausflüge, ein eigener Chor, eine Tanz- und Theatergruppe sowie Fußball oder Nordic Walking für Abwechslung. Im Vordergrund steht jedoch die Qualifizierung der Nutzer für den ersten Arbeitsmarkt, sagt Sven Gülle, Sozialarbeiter der Einrichtung.

Von 7.15 bis 14.45 Uhr wird in verschiedenen Bereichen gearbeitet. So können sich neue Nutzer in einer Orientierungsphase selbst ausprobieren und verwirklichen. Es gehe darum, die Stärken des Einzelnen, wie etwa die Neigung zu fein- oder eher grobmotorischen Handfertigkeiten, herauszustellen.

 Der Chor der AWO Spreewaldwerkstätten Lübbenau sorgt für die nötige Abwechslung neben der täglichen Arbeit.
Der Chor der AWO Spreewaldwerkstätten Lübbenau sorgt für die nötige Abwechslung neben der täglichen Arbeit. FOTO: Philipp Brendel

Der zweite Arbeitsbereich der Werkstätten bietet eine breite Auffächerung für die individuelle Entfaltung: Speisezubereitung für den eigenen Bedarf sowie Kitas der Umgebung, Herstellung von Displays und Verpackungen für externe Partner und eine Reinigung, die Aufträge medizinischer Einrichtungen entgegennimmt.

Der Slogan „Bildung – Fördern – Arbeiten“ steht sinnbildlich für den Anspruch der Werkstätten. Oft gelingt der Sprung in die harte, reale Arbeitswelt leider nicht, so Elke Wenzel: „Unsere Nutzer brauchen neben der Arbeit viele Pausen und individuelle Zuwendung.“ Umso größer ist die Freude, wenn der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt gelingt. So arbeitete ein Nutzer der Einrichtung vier Jahre lang in einer Gärtnerei, bevor er in die AWO-Werkstätten zurückkehren wollte. Oftmals sind die Nutzer in der realen Arbeitswelt ohne die vorherige Betreuung, die sie in den Werkstätten genießen, schlichtweg überfordert.

„Wir versuchen alle Interessen abzudecken. Wichtig ist, dass wir Stück für Stück und der Reihe nach zu einem sichtbaren Arbeitsergebnis kommen“, beschreibt Angela Thannhäuser ihren Arbeitsbereich für Montage näher. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: In einer Schreinerei werden Vogel- und Insektenhäuschen hergestellt.

Feinmotorik ist auch bei der Herstellung von Arbeitsmappen für den Bürobedarf notwendig, erläutert Cordula Klar ihren Arbeitsbereich: „Hier wird relativ selbstständig gearbeitet. Wir als Betreuer stehen ansonsten immer für Hilfeleistungen bereit.“ Die jeweiligen Arbeitsgruppen von bis zu 30 Personen sind oft an feste Terminvorgaben zur Fertigstellung ihrer Produkte gebunden – die Einhaltung von Zeitlimits sind ein wichtiger Schritt zum Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt.

Die Werkstatt Lübbenau beschäftigt derzeit 175 Nutzer, Lübben und Luckau 120 beziehungsweise 60. „Wir können als Einrichtung einen gewissen Rahmen vorgeben“, so Sven Gülle: „Dabei haben wir aber auch die Selbstständigkeit der Menschen immer im Blick.“