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| 16:56 Uhr

Rück- und Ausblick auf soziale Arbeit
Frauen machen AWO lebendig

  100 Jahre AWO: Karolin Holz (l.) bekam stellvertretend für das Projekt „Schöner leben ohne Nazis“ die Lotte-Lemke-Medaille. Ingrid König wurde für ihre Arbeit für den Frauenverband ausgezeichnet. Die beiden Frauen haben auf dem Denkmal zur Erinnerung an Marie Juchacz, der AWO-Gründerin, Platz genommen.
100 Jahre AWO: Karolin Holz (l.) bekam stellvertretend für das Projekt „Schöner leben ohne Nazis“ die Lotte-Lemke-Medaille. Ingrid König wurde für ihre Arbeit für den Frauenverband ausgezeichnet. Die beiden Frauen haben auf dem Denkmal zur Erinnerung an Marie Juchacz, der AWO-Gründerin, Platz genommen. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Die AWO feiert in Lübbenau ihr 100-jähriges Jubiläum. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit der Frauenemanzipation. Die Band eINKLang und Projekt „Schöner leben ohne Nazis“ geehrt. Von Liesa Hellmann

1919 dürfen Frauen in Deutschland erstmals ihre Stimme bei einer Wahl abgeben. Am 19. Januar 1919 nehmen sie an der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung teil – als Wählerinnen und als Kandidatinnen. Es ist kein Zufall, dass die Gründung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im selben Jahr stattfindet.

Denn die Geschichte der AWO ist eine Geschichte engagierter Frauen; das wurde bei der Jubiläumsveranstaltung des Ortsverbandes Lübbenau deutlich. Zentrale Figur der AWO ist Marie Juchacz. 1919 ist sie Frauensekretärin der SPD (damals: Mehrheits-SPD) und Abgeordnete in der Weimarer Nationalversammlung. Ihre Rede in der Nationalversammlung am 19. Februar 1919 ging als erste Parlamentsrede einer Frau in Deutschland in die Geschichte ein. Für das Recht zu wählen, müssten die Frauen nicht dankbar sein, sagte Juchacz damals. Es sei vielmehr eine „Selbstverständlichkeit“, die den Frauen „bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist“.

In ihrer Rede umreißt sie weiterhin das „Spezialgebiet der Frauen“ in der Politik: „die Wohnungsfrage, die Volksgesundheit, die Jugendpflege, die Arbeitslosenfürsorge“ sowie Mutterschutz und Kinderfürsorge. Mit diesem Programm gründet sie am 13. Dezember 1919 den „Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt in der SPD“, später als Arbeiterwohlfahrt bekannt. An Marie Juchacz erinnert seit vergangenem Jahr ein Denkmal auf dem Gelände der AWO Spreewaldwerkstätten.

Es sind vor allem Frauen, die sich in der AWO engagieren: Da ist Johanna Kirchner, die, nachdem die AWO 1933 von den Nationalsozialisten verboten wird, Menschen bei der Emigration hilft, die von den Nazis verfolgt werden. Die Widerstandskämpferin wird 1944 hingerichtet.  Da ist Lotte Lemke, die 1930 mit 27 Jahren Geschäftsführerin der AWO wird und maßgeblich am Wiederaufbau der Vereinigung nach 1945 in der BRD beteiligt ist. Von ihr stammt der Satz: „Vergesst hinter euren großen Aufgaben nicht den einzelnen Menschen.“

Diesen Satz zitiert Wolfgang Luplow, Geschäftsführer des AWO Regionalverbandes Brandenburg Süd e.V., bei der Jubiläumsveranstaltung in den Spreewaldwerkstätten. Denn bei der Veranstaltung wird nicht nur auf die Geschichte der AWO zurückgeblickt, sondern es werden verdiente Mitglieder und Projekte geehrt, etwa vom Gehörlosenverein oder vom Seniorenclub. Fast alle Geehrten sind Frauen.

Eine von ihnen ist Ingrid König. Sie hat 1991 den Lübbenauer Frauenverein mitbegründet. „Von Anfang an waren wir 30 bis 40 Frauen, die im Laufe der Wende arbeitslos geworden sind“, berichtet König. Gemeinsam organisierten sie Radtouren, Wanderungen, Theaterfahrten. Heute sind über 80 Frauen Mitglied im Verein, die sich regelmäßig zum Sport und zum „gemütlichen Beisammensein“, wie König sagt, treffen. Für ihr Engagement wurde König vor einigen Jahren mit der Lotte-Lemke-Medaille ausgezeichnet.

In diesem Jahr wurden mit der Medaille die Band eINKLang, in der Menschen mit Behinderung gemeinsam Musik machen, und das Projekt „Schöner leben ohne Nazis“ geehrt. Karolin Holz vom Jugendclub AWO Freizeitladen nahm die Auszeichnung für „Schöner Leben ohne Nazis“ entgegen. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass das Leben bunt und vielfältig ist“, sagt sie. Im Jugendclub berichten ihr immer wieder Jugendliche von den Erfahrungen, die sie in Lübbenau mit Rechtsextremismus machen. Die Spannweite reiche von rechten Sprüchen im Unterricht bis zu Eiern, die gegen die Scheiben des Jugendclubs geworfen wurden. Gemeinsam werde nach Strategien gesucht, wie auf solche Vorfälle reagiert werden kann, so Holz. „Die junge Generation will klar Haltung zeigen“, sagt sie. Im Rahmen des Projekts macht in diesem Jahr wieder eine Sommertour  in Lübbenau Station. „Junge Musiker und Künstler sollen eine Bühne bekommen, um ihre Musik und ihre Ideen vorzustellen“, sagt Holz. Wer auftreten oder mithelfen möchte, kann sich bei Karolin Holz vom AWO Freizeitladen melden.