Gleich zu Beginn des Gesprächs konnte der oberste Polizeichef des Oberspreewald-Lausitz-Kreises vermelden, dass die Zahl der Straftaten um 182 Fälle oder 1,7 Prozent zurückgegangen ist. Darüber hinaus konnte Piesker mit 55,2 Prozent eine recht hohe Aufklärungsrate verkünden, wenn sie auch im Vergleich zum Landesdurchschnitt diesmal (57,4) leicht niedriger liegt.
Doch was danach an Informationen folgte, ist kein Ruhmesblatt für Südbrandenburg und geschieht vor dem Hintergrund der angekündigten Reduzierung von Kripostellen. Im vergangenen Jahr haben Diebstähle zugenommen. Besonders deutlich ist das bei Autos zu erkennen. 98 sind geklaut worden, ein Jahr zuvor waren es 73. „Das betrifft vor allem Pkw älterer Bauart der Marken Audi, Opel, VW, aber auch Ford, die sicherungstechnisch nicht so ausgestattet sind und zum Beispiel nicht mit Wegfahrsperre ausgerüstet sind“ , erklärte Jürgen Piesker. Dabei würden die Diebe keinen Wert auf die Größe des Fahrzeuges legen.
Ein Teil der Autos sei mehr oder minder stark beschädigt im südlichen Bereich an der sächsischen Grenze wiedergefunden worden, erklärte Piesker. Er führt den Anstieg der Autodiebstähle auf eine sehr, sehr große Lust am Fahren zurück. Auch würden diese Pkw zum Schmuggeln genutzt. Ein Rückschluss, dass die geöffneten Grenzen nach Osteuropa zu einem Anstieg der Pkw-Diebstähle führen würden, zog Piesker für den Landkreis nicht. Das ließe sich nicht feststellen, erklärte er auf Nachfrage.
Zugenommen haben auch die Angriffe auf Autos, die als eine Sachbeschädigung enden, weil die Diebe möglicherweise gestört worden sind. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Stadt Großräschen. Die Statistik weist einen Anstieg von 41 Prozent gegenüber dem Jahr 2006 aus.
Darüber hinaus sind Baustellen immer wieder gern besuchte Objekte von Dieben, die dann ordentlich abräumen. Selbst wenn sie die Maschinen stehen lassen, zapfen sie reichlich Kraftstoff ab. Und das scheint sich bei den ständig steigenden Spritpreisen ordentlich zu lohnen.
Während die Fälle der häuslichen Gewalt insgesamt um einiges zurückgehen, fällt dagegen etwas anderes auf: Die Zahl der gefährlichen Körperverletzung in den eigenen vier Wänden, die bei der Polizei angezeigt wurden, haben dramatisch zugenommen. Von zehn stieg die Zahl auf 17. Überhaupt resümierte Jürgen Piesker, dass die Hemmschwelle geringer geworden ist, Gewalt gegenüber anderen auszuüben. „Was wir darüber hinaus feststellen ist, dass Kinder und Jugendliche untereinander gewaltbereiter sind und sich das auf den Schulhöfen widerspiegelt.“ Vor allem sei das im Süden des Kreises deutlich geworden, sagte Piesker. Prävention von Seiten der Polizei könne dabei nur ein Mosaiksteinchen in einem ganzen Gefüge sein. Die Hauptarbeit, so Piesker, beginne im Elternhaus.