Von Daniel Preikschat

Wochenlang ist man im Sommer auf der A 15 zwischen Lübbenau und Vetschau einen kilometerlangen Gerölldamm entlang gefahren. Auf den Betonbrocken thronten Bagger, die das Material vor große Brechanlagen schaufelten, wo es zu feinem Schotter verarbeitet wurde. Oft waberten Staubwolken über die Autobahn, nachts sah das gespenstisch aus. Aber der Gerölldamm wurde kleiner und kleiner, war irgendwann weg.

Nunmehr bietet sich Autofahrern ein anderes Bild. Am Mittwoch dieser Woche hat sich von der Anschlussstelle Vetschau aus eine beeindruckende Straßenbaumaschine langsam in Richtung Spreewald-Dreieck in Bewegung gesetzt. Den so genannten Fertiger tragen Raupenketten. Während sie fährt, verabeitet diese kleine mobile Fabrik mit den sich hin und her bewegenden Stahlbalken, den Hydrauliksäulen, Schläuchen und Ketten Beton zu einer Autobahnfahrbahn. In 24 Stunden schafft die Maschine 1,2 Kilometer. Vorne kippen Lkw nonstop Beton ab, hinten kommt eine elf Meter breite und 30 Zentimeter dicke Betonschicht raus.

Diesen Verarbeitungsprozess zu beobachten, beeindruckt sogar einen so routinierten Bauüberwacher wie Thomas Mattuschka vom Landesbetrieb für Straßenwesen. Fasziniert erklärt er, wie die Maschine auch die langen Dübel für die Dehnungsfugen gleich in den Beton mit einbaut. Das Material werde in zwei Lagen übereinander geschichtet. Der vordere Teil des Fertigers drückt den gröberen Beton auf, im hinteren Teil wird die feinere Mischung darübergelegt. Ganz hinten, an ihrem Ende wischt der Fertiger dann die Betonoberfläche glatt. Danach, so der Bauüberwacher, wird der Beton mit einer wachsartigen Schicht überzogen. Wiederum etwas später fährt die Bürstenmaschine darüber. Die Fahrbahn bekommt so ihre griffige Struktur.

Idealerweise hält das Stahlungetüm erst an, wenn es die komplette Strecke geschafft hat, also nach fünf Kilometern. Denn nach jedem längeren Halt muss sie aufwendig gereinigt werden. Außerdem, so Mattuschka weiter, müsste dann auch die mobile Betonmischanlage, die auf einem ehemaligen Reparaturstützpunkt für den Tagebau in Bischdorf abgestellt wurde, angehalten werden. Unterbrochen wäre auch der Fahr-Rhythmus der 30 Lkw. Die hochspezialisierte Wirtgen Group mit Sitz in Rheinland-Pfalz arbeite daher in zwei Schichten, also auch nachts. Nur eine einzige Unterbrechung wegen eines Brückenbauwerks auf der Strecke sei eingeplant. Mit der Fertigstellung rechne man im Landesbetrieb für Straßenwesen daher Ende der kommenden Woche.

Es dauert dann aber noch sechs Wochen bis der Beton komplett ausgehärtet ist. Danach erst können die Dehungsfugengummis eingesetzt, die Bankette hergerichtet und die Schutzplanken gesetzt werden. Ganz zuletzt werden die Fahrbahnmarkierungen aufgetragen. Wohl erst Anfang Dezember, schätzt Thomas Mattuschka, ist die A 15 zwischen Vetschau und dem Spreewald-Dreieck in beide Fahrtrichtungen wieder durchgängig zweispurig befahrbar. Der Bauüberwacher hofft – und sicher nicht nur er –, dass die neue Fahrbahn länger hält als die alte, also mindestens 30 Jahre. Die neuen Splittzuschlagsstoffe, so sagen zumindest die Experten, sollen sich besser mit dem Zement vertragen, sodass es nicht mehr zur den gefürchteten Alkali-Kieselsäure-Reaktionen kommt. Der Fahrzeugverkehr für diesen Autobahnabschnitt und damit die Abnutzung halte sich in Grenzen: Etwa 25 000 Autos täglich rollen über den Beton. Auf der ebenfalls zweispurigen A 13 zwischen Spreewald-Dreieck und Berliner Ring liegt die Verkehrslast bei 45 000 bis 50 000 Fahrzeugen.