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| 02:32 Uhr

Auszüge aus zwei Vetschauer Stadtbüchern in einem Heft

Vetschau. Schriften, die 300 Jahre alt sind, können heute nur schwer gelesen werden. Beispiel dafür sind die beiden Vetschauer Stadtbücher aus der Zeit Mitte des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Hannelore Kuschy

In solchen Büchern sind Rechtsakte eingetragen worden, um auf diese Weise deren Gültigkeit zu bestätigen - vergleichbar mit einer heutigen notariellen Beglaubigung.

Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv liegt das Original des älteren Stadtbuchs. Bis es dorthin gelangte, muss es viele Wege gegangen sein. So soll es sich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs im Schlossarchiv der Stadt befunden haben, anschließend im Landesarchiv in Lübben. Der letzte private Schlossbesitzer Dr. F. Schwarzenberger muss es sich ausgeliehen und nicht wieder zurückgegeben haben. Auf einem Hausboden in Straßburg sei es endeckt worden, es soll ins Preußische Geheime Staatsarchiv gelangt und nach dem Zweiten Weltkrieg dann ins Potsdamer Archiv gelangt sein, wie es in der Schrift heißt.

Das Original des jüngeren Buchs gilt bis heute als verschollen. Bis 1989 hat es sich noch beim Rat der Stadt befunden. Vier Jahre zuvor hatte der damalige Stadtchronist Jürgen Uwe Scharfe die Blätter fotografiert. Die Filme übergab er der Vetschauer Arbeitsgruppe Stadtgeschichte.

Mehr als zehn Jahre hatte Karl Katzmann von der AG Stadtgeschichte nach den Stadtbüchern geforscht und ist schließlich fündig geworden. Kaum jemand vermochte die Schriften zu lesen. Der Historiker Rolf Barthel aus Strausberg, mit dem der Vetschauer bereits seit 1980 in Kontakt stand, machte sich an diese Aufgabe. Er übertrug ausgewählte Texte und versah sie mit Nachträgen aus der Zeit bis 1824.

"Mit diesem Heft gibt es erstmals für die interessierten Vetschauer Auszüge aus den beiden alten Stadtbüchern mit interessanten historischen Fotos", so der Stadtgeschichtsforscher Karl Katzmann erfreut. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass es zu dieser Schrift gekommen ist.

Ein Auszug aus dem Jahr 1551, als Eustachius von Schlieben in Vetschau ein Haus gekauft hatte, lautet beispielsweise: "Eustachius v. Schlieben kauft Haus und Hof von Martin Riback und dessen Schwester am ,Dienstag Michaelis im 51. Jahre' (29. Sept. 1551)". "Solcher koff ist geweßen im Beysein des Rhadts vnnd des stadt Richters… solches alles ins stadt buch verzeychnen lassen". 1540 hatte Eustachius von Schlieben, Freund Luthers und Berater des Kurfürsten, das Anwesen des heutigen Schlosses erworben. Er hat die Burganlage schließlich bis auf die Grundmauern abtragen und darauf das jetzige Schloss im Renaissancestil errichten lassen. Eustachius von Schlieben, so ist überliefert, hatte am 17. März 1548 vom römischen König Ferdinand I. die förmlichen Stadtrechte erwirkt. Vetschau hat in Verbindung damit ein neues Wappen erhalten.

Wer Interesse an dem Heft hat, kann sich bei Karl Katzmann in Vetschau, Telefon: 03543372462, melden.