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| 18:07 Uhr

Ausstellung zum Ende des Ersten Weltkriegs in Lübbenau
Angeregte Diskussion zum Ort des Erinnerns

Bürgermeister Helmut Wenzel eröffnet die Ausstellung im Lübbenauer Rathaus.
Bürgermeister Helmut Wenzel eröffnet die Ausstellung im Lübbenauer Rathaus. FOTO: Brendel, Philipp / Philipp Brendel
Lübbenau. Ausstellung in der Rathaus-Galerie zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren stellt das Schicksal des Lübbenauers Alfred Bernhard Wutk in den Mittelpunkt. Bis zum 7. Dezember ist sie zu sehen. Von Philipp Brendel

Am vergangenen Sonntag hat sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal gejährt. Mit dem 11. November 1918 trat der Waffenstillstand in Kraft, die eine vierjährige Phase voller Leid und Verheerung in Europa beendete. In Lübbenau wurde dieses Ereignis als denkwürdiger Anlass verstanden, die Ausstellung „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg – Lübbenau, Cüstrin, Verdun“ in der Rathaus-Galerie zu eröffnen.

Die Ausstellung wird durch das Leitmotiv des Gedenkens mit heimatlichen Bezug getragen. Es ist von Bedeutung, dass ein Anknüpfungspunkt für die Menschen hergestellt werden kann, der Betroffenheit erzeugt, so Michael Hensel, der die Ausstellung konzipiert hat. Deshalb wurde der Fokus auf das Schicksal von Alfred Bernhard Wutk gelegt. Der in Lübbenau geborene und aufgewachsene Wutk war mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges gerade einmal 16 Jahre alt und musste in diesem Krieg sein Leben lassen.

Eröffnet wurde die Ausstellung durch den Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel. Er betonte, dass die Thematik des Gedenkens aktueller denn je sei: „Zu erinnern, zu gedenken und insbesondere zu mahnen, tut immer not – gerade auch in der heutigen Zeit.“ Diesen Aspekt der Notwendigkeit des Sich-Erinnerns führte auch die Historikerin Dr. Juliane Haubold-Stolle weiter, die das Ausmaß des Krieges anhand der Bilder des Soldaten im Schützengraben, aber auch der arbeitenden Frauen im heimatlichen Hinterland verdeutlichte. Bei der Frage des Wie-Erinnerns wies Haubold-Stolle gerade auf die Frauen und Kinder hin, die während des Krieges in der Heimat an Hunger und Krankheit starben und immer noch in der heutigen Erinnerungskultur vergessen würden.

Nach der Ausstellungseröffnung entstanden anregende Diskussionen unter den anwesenden Besuchern über heutige Erinnerungskultur. Ganz sinnbildlich für die Thematik des Erinnerns steht im Erdgeschoss der Rathaus-Galerie ein Fragment des ehemaligen Kriegerdenkmals, das 1934 eingeweiht und 1962 geschliffen wurde. Es geht auch um die Diskussion, ein Mahnmal für den Frieden, gegen Krieg und zur Erinnerung an die Toten der Stadt Lübbenau zu errichten, so wie es die Schützengilde Lübbenaus anregt.

Die Meinungen, in welcher Art und Ausformung ein solches Denkmal umzusetzen sei, gingen hierbei unter den Besuchern in verschiedene Richtungen. Einerseits wurde die Meinung vertreten, dass ein Denkmal in Anlehnung an das alte Kriegerdenkmal hergestellt werden könne, da es einen alten Bezugspunkt für die Lübbenauer darstelle. Andererseits wurde verdeutlicht, dass ein Denkmal an die heutige Erinnerungskultur angepasst werden müsse. Hervorgehoben wurde hierbei der Leitgedanke von Historikerin Haubold-Stolle, wonach  heute nicht nur anders erinnert werde, sondern dass in der Erinnerung keine der Opfer ausgelassen werden sollten.

Unter diesem Gesichtspunkt wurde auch ein interessanter Vorschlag gemacht: Demnach könnte ein Platz des gemeinsamen Gedenkens geschaffen werden, an dem der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges, wie auch des Militarismus, Faschismus und Sozialismus gedacht werden könnte.

Michael Hensel verdeutlichte jedoch, dass das Hauptaugenmerk der in der Rathaus-Galerie eröffneten Ausstellung nicht auf der Diskussion um das Kriegerdenkmal liege, sondern darauf, wie der Erste Weltkrieg die Stadt Lübbenau tangierte. Dies wird durch die Erinnerung an das Schicksal von Alfred Bernhard Wutk eindrucksvoll gestaltet. Die Dimensionen, in denen die Stadt Lübbenau mit ihren damals 4000 Einwohnern im Ersten Weltkrieg erfasst wurde, waren einschneidend: Allein 159 Mitglieder der Schützengilde verloren ihr Leben.

Bis zum 7. Dezember besteht die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von dieser vielfältigen Ausstellung zu machen.