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| 12:48 Uhr

Porträtfotografie in Lübbenau
Hinter jedem Foto eine Geschichte

 Simone Brüggemann-Riemer erzählt die Geschichte hinter einem Porträt ihrer Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur Lübbenau.
Simone Brüggemann-Riemer erzählt die Geschichte hinter einem Porträt ihrer Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur Lübbenau. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Mit Fahrrad und Kamera bereist Simone Brüggemann-Riemer die Welt. Eine Ausstellung im Haus für Mensch und Natur Lübbenau zeigt Porträts der Menschen, die sie unterwegs traf.

Über 20 Jahre liegt ihre letzte Fotoausstellung zurück, nun werden in Lübbenau wieder aktuelle Fotografien von ihr gezeigt: Die Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur Lübbenau versammelt Porträts von Simone Brüggemann-Riemer aus fünf Jahren. In dieser Zeit hat sie gemeinsam mit ihrem Mann verschiedene Länder bereist: Costa Rica, Tunesien, Thailand, Senegal, Laos, Indien und Nicaragua. Zwei Länder pro Jahr haben sie besucht, immer drei bis vier Wochen, immer mit dem Fahrrad. Mitgebracht hat sie Eindrücke, Stoffe, viele Fotos. „Wir reisen, um Menschen und ihre Kulturen kennenzulernen. Wir sind immer mit dem Fahrrad unterwegs, denn so können wir die touristischen Pfade verlassen“, erzählt die Künstlerin.

Um auf ihren Reisen leichter mit Menschen ins Gespräch zu kommen, lernt Simone Brüggemann-Riemer einen Grundwortschatz der in der jeweiligen Region gesprochenen Sprachen. Nur mit Englisch würde sie vor allem in Gegenden abseits der ausgetretenen Touristenpfade nicht weit kommen, sie will es auch nicht: „Ich lerne die Sprache auch aus Respekt vor den Menschen im Land.“ Wenn man zumindest ein paar Worte der jeweiligen Landessprache spreche, komme man besser ins Gespräch, berichtet sie. Über das Thema Familie gelinge oft der Gesprächseinstieg, Brüggemann-Riemer zeigt dann auch gern Bilder ihrer eigenen Enkelkinder.

„Es ist mit immer besonders wichtig, mit den Frauen zu sprechen“, sagt sie. Es bedrücke sie, wenn sie sehe, dass Frauen nicht mit dem gleichen Respekt wie Männer behandelt würden oder nicht die gleichen Freiheiten und Möglichkeiten hätten. Sie sagt aber auch: „Wir sind in den Ländern nur Gäste. Ich beobachte, aber ich beurteile nicht. Die Frauen müssen ihre Gesellschaft alleine ändern, der Schlüssel dazu ist Bildung. In vielen Ländern findet bereits ein großer Wandel statt.“

Dazu zählt auch, dass vor allem Frauen häufiger von ihr fotografieren lassen. Für Simone Brüggemann-Riemer steht fest: „Man kann nicht einfach einen Menschen fotografieren, ohne ihn zu fragen.“ Mit allen Männern und Frauen auf ihren Fotos ist sie ins Gespräch gekommen. Manche hat sie im Gespräch gefragt, ob sie ein Porträt von ihnen machen dürfe. Bei anderen war „die Situation so schön, dass ich die Menschen für ein Foto angesprochen habe“, berichtet sie. Sie zeigt auf ein Foto einer Frau in einem weißen Gewand mit roten Blumenstickereien: „Diese Frau trafen wir im Senegal mitten in der Wüste. Sie trug einen Wasserkrug auf dem Kopf und fragte mich aus dem Nichts, ob ich nicht ein Foto von ihr machen wolle.“

Ihre Kameraausrüstung – eine Spiegelreflex- und eine Videokamera – muss in der Lenkertasche Platz finden. Und einiges aushalten: Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Sandstürme und Erschütterungen. Denn viele Straßen, die das Paar befährt, sind Schotterwege.

In einer Radtasche hat Simone Brüggemann-Riemer immer Süßigkeiten und kleine Geschenke für Kinder dabei. Im Laufe der Reise wird so Platz in dem Gepäckstück frei, den sie mit Mitbringseln und Stoffen auffüllt, aus denen sie sich Kleider näht. Sie zeigt an sich herunter: „Die Stoffe für Rock und Oberteil sind aus Laos und Thailand, die Schuhe und der Armreif sind aus Marokko, meine Kette stammt aus Indien.“

„Wir reisen mit wenig Gepäck und Komfort. Das macht uns glücklich, weil wir so die Menschen kennenlernen.“ Während das Reisen auf dem Fahrrad den Kontakt zu den Einheimischen oft erleichtert, haben Simone Brüggemann-Riemer und ihr Mann auch schon erlebt, dass das weitgehend komfortlose Unterwegssein auch Nachteile haben kann. In ländlichen Gegenden Indiens habe es immer wieder Hotels gegeben, die ihnen kein Zimmer vermietet hätten, obwohl sie Kapazitäten hatten. „Sie müssen gedacht haben, dass wir aus einer niederen Kaste oder Unberührbare sind, denn nur die sind mit dem Fahrrad unterwegs“, erzählt sie.

Doch das ist die Ausnahme. Insgesamt haben Simone Brüggemann-Riemer und ihr Mann auf ihren Reisen in den vergangenen fünf Jahren sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Ihre Räder, die die beiden in der Regel vor Ort leihen, hätten immer mal wieder einen Platten oder bräuchten die ein oder andere Reparatur. „Es findet sich immer jemand, der am Fahrrad wahre Wunder bewirken kann“, sagt sie und erzählt von einer Fahrradpanne im Senegal. Während alle Männer des Ortes bei der Reparatur geholfen hätten, sei sie mit den Frauen ins Gespräch gekommen. „Ich habe dann eine der Frauen gefragt, ob sie sich mit ihrem Kind von mir fotografieren lassen wolle. Am Ende haben alle Frauen ihre Kinder für ein Foto geholt“, erzählt sie. Eines der Fotos, die an diesem Tag entstanden sind, ist in der Ausstellung zu sehen.

Die Bilder sind nicht nach Ländern geordnet und auch nicht mit einer Angabe versehen, woher der oder die Abgebildete stammt. „Die Gesichter sollen für sich sprechen“, sagt Simone Brüggemann-Riemer. Sie sollen gerade nicht stellvertretend für ein Land stehen, denn das würde die Porträts verkürzen. Im Vordergrund stehen soll der Mensch in seiner ganzen Individualität.

 Die Frau auf dem vorderen Foto hat Simone Brüggemann-Riemer von sich aus angesprochen, ob diese sie nicht fotografieren wolle. Das Porträt ist Teil der Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur.
Die Frau auf dem vorderen Foto hat Simone Brüggemann-Riemer von sich aus angesprochen, ob diese sie nicht fotografieren wolle. Das Porträt ist Teil der Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur. FOTO: LR / Liesa Hellmann
 Simone Brüggemann-Riemer erzählt die Geschichte hinter einem Porträt ihrer Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur Lübbenau.
Simone Brüggemann-Riemer erzählt die Geschichte hinter einem Porträt ihrer Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur Lübbenau. FOTO: LR / Liesa Hellmann
 Die Frau auf dem vorderen Foto hat Simone Brüggemann-Riemer von sich aus angesprochen, ob diese sie nicht fotografieren wolle. Das Porträt ist Teil der Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur.
Die Frau auf dem vorderen Foto hat Simone Brüggemann-Riemer von sich aus angesprochen, ob diese sie nicht fotografieren wolle. Das Porträt ist Teil der Ausstellung „Augen-Blicke“ im Haus für Mensch und Natur. FOTO: LR / Liesa Hellmann