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| 15:25 Uhr

Traditionelles Handwerk
Aus echtem Holz geschnitzt

Frank Bareinz vor seiner Tischlerei in Calau in der Akazienallee und einem typischen Motiv des Schuhmachers. Seit etwa einem halben Jahr lässt er die alte Tradition der Stadt wieder aufleben und bietet zwei Arten von Holzschuhen an.
Frank Bareinz vor seiner Tischlerei in Calau in der Akazienallee und einem typischen Motiv des Schuhmachers. Seit etwa einem halben Jahr lässt er die alte Tradition der Stadt wieder aufleben und bietet zwei Arten von Holzschuhen an. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Tischler Frank Bareinz lässt alte Tradition des Schuhhandwerks in Calau wieder aufleben. Von Rüdiger Hofmann

Man glaubt es kaum, aber Calau hat nun wieder einen Schuhmacher. Tischler Frank Bareinz aus der Akazienallee, der immer mal wieder etwas Neues ausprobieren will, lässt die alte Tradition der Stadt neu aufleben. „Vor etwa einem halben Jahr kam ich auf die Idee, zwei Arten von Holzschuhen anzufertigen“, sagt Bareinz. „Den typischen Holländer und die Gesundheitspantolette – zu DDR-Zeiten auch gern als Klapperlatschen bezeichnet.“

Vor allem die Klapperlatschen seien laut Bareinz hier in der Region der Renner. Aktuell stellen er und seine Mannschaft rund 150 Paar Schuhe her. „Als Tischler liegt mir der Holzschuh näher als der Lederschuh“, so Bareinz. Er betont aber sofort, dass sein Haupttagesgeschäft die Tischlerei ist und bleibt. „Wenn Tischleraufträge hereinkommen, lassen wir alles andere ruhen. Holzschuhe fertigen wir nebenbei an.“ Wir, das sind drei bis vier Mitarbeiter, die ihm bei der Produktion in seiner Werkstatt helfen.

Dort stehen auch die notwendigen Maschinen, sogenannte Kopierfräsen, mit denen die jeweiligen Musterstücke kopiert werden. Die eine Maschine lief noch vor einem halben Jahr bei einem älteren Rentner in Chemnitz. Bareinz kauft sie ihm ab. Die zweite Maschine erwirbt er aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist mindestens 70 Jahre alt, aber voll funktionstüchtig.

Als Holzausgangsmaterialien verwendet Bareinz Pappel und Erle, da dies weiche Stoffe zur Verarbeitung seien. „Außerdem sind sie hier im Spreewald verfügbar“, so der Handwerker. Bei der Schuhherstellung wird zuerst das Holz zugeschnitten, dann gefräst. Es folgen das Verputzen des Schuhs und der Feinschliff. Schließlich wird das Endprodukt noch mit Leder versehen – ausgestanzt, verpresst und genäht.

Dass Calau und das Schusterhandwerk untrennbar verbunden sind und die Stadt dadurch über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde, zeigt ein Blick in die Historie. Sprüche wie „Wer Calau nie gesehen, müsst‘ zur Strafe barfuß gehen“ oder „Will man Märsche wagen, muss man Calauer Stiefel tragen“ oder auch „Mit Calauer kommst Du durch die ganze Welt“ sind Anzeichen für das ursprünglich vorherrschende Handwerk der Stadt. Handgefertigte Stiefel waren als Inbegriff für Qualität der Renner. Bereits 1397 bestätigte Marktgraf Jost von Mähren diese Handwerkskunst mit allen Rechten. 1859 gab es im Ort mehr Stiefelmacher (144 Meister, 70 Gesellen, 45 Burschen) als Bürgerhäuser (235). Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei Stiefelfabriken, von denen eine verantwortlich dafür war, dass Calau als erste Stadt der Region mit Elektrizität versorgt wurde.

Das gehört inzwischen der Vergangenheit an. Die Industrialisierung hat den ehrbaren Handwerksberuf eingeholt. 1999 stellte der letzte Schuhmacher sein Angebot ein. Neukauf war billiger als eine Reparatur geworden. Wäre da nicht Frank Bareinz, der mit seinen neuen Produkten alter Bräuche nun zwei Märkte im Blick hat: „Wir präsentieren uns auf dem Calauer Bauernmarkt am 8. September und am gleichen Wochenende in Berlin Grunewald.“

So kennt man ihn: den für Calau so typischen Schusterjungen. An diesem Motiv aus der Cottbuser Straße hat sich Frank Bareinz orientiert.
So kennt man ihn: den für Calau so typischen Schusterjungen. An diesem Motiv aus der Cottbuser Straße hat sich Frank Bareinz orientiert. FOTO: Rüdiger Hofmann