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| 14:58 Uhr

Zeitung in der Schule
Aus dem Berufsalltag eines Reporters

Die Klasse 7a der Grund- und Oberschule in Calau zeigte sich begeistert vom Besuch der Lausitzer RUNDSCHAU in einer ihrer Deutsch-Unterrichtsstunden am Montagvormittag.
Die Klasse 7a der Grund- und Oberschule in Calau zeigte sich begeistert vom Besuch der Lausitzer RUNDSCHAU in einer ihrer Deutsch-Unterrichtsstunden am Montagvormittag. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Wissbegierige Siebentklässler der Grund- und Oberschule Calau bekommen Besuch vom RUNDSCHAU-Redakteur. Von Rüdiger Hofmann

„Was war das bisher spannendste Thema, das Sie für die RUNDSCHAU recherchiert haben?“ kommt die Frage aus der Klasse 7a. Ich muss kurz überlegen, dann fällt mir eine Geschichte ein, die ich vor rund sieben Jahren als Volontär eingetütet habe. Eine Lehrerin aus Finsterwalde hatte einen Tutorenpreis gewonnen – und den bekam sie von keinem Geringeren als den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff im Schloss Bellevue überreicht. Die Lehrerin reiste nach Berlin, ich an ihrer Seite, und dann berichtete ich über ihren großen Tag aus dem Schloss. Ein ungewöhnlicher Termin an einem außergewöhnlichen Ort, den man nicht oft als Reporter erlebt.

Diese und andere Fragen darf ich am Montagvormittag in der Grund- und Oberschule Calau beantworten. Im Rahmen des Zisch-Projektes, das in Kooperation zwischen der Lausitzer RUNDSCHAU und enviaM durchgeführt wird, besuche ich eine siebente Klasse im Deutsch-Unterricht. Seit etwa zwei Wochen bekommen die Schüler täglich die aktuelle Ausgabe der RUNDSCHAU in den Unterricht geliefert. „Wir haben uns schon mit der Geschichte der Tageszeitung beschäftigt“, sagt Lehrerin Annekatrin Herrbruck. Nun geht es darum, dass ich aus dem Berufsalltag berichte und erkläre, welche journalistischen Darstellungsformen es gibt und nach welchen Kriterien ein Artikel aufgebaut wird. Ich erwähne Nachricht und Bericht, Reportagen und Kommentare. Auch die unterschiedlichen Ressorts innerhalb der RUNDSCHAU wie Sport und Kultur, Wirtschaft und Politik spielen eine Rolle. Die Klasse zeigt sich offen und wissbegierig, die Unterrichtsstunde scheint allen sichtlich Spaß zu machen.

„Wenn ihr eine Nachricht schreibt, solltet ihr die fünf W-Fragen beantworten“, sage ich. Wer hat was und wo gemacht, wann ist das Ereignis gewesen und warum hat es stattgefunden? Für die Klasse verständlich. Fleißig wird mitgeschrieben. „Das braucht ihr später noch, wenn ihr auch einen Artikel schreiben sollt“, sagt Annekatrin Herrbruck.

Aber was ist der Unterschied zwischen einer Nachricht, einem Bericht und einer Reportage? „Der Bericht ist eine Langfassung der Nachricht“, sage ich. Ein Foto macht den Text dabei anschaulicher. Auch der Bericht beantwortet alle W-Fragen, informiert aber noch genauer und ausführlicher über das Ereignis: über Hintergründe, beteiligte Personen und die Folgen. Anhand der Zeitungsexemplare kann ich veranschaulichen, was genau ich meine.

Die Reportage hingegen ist ein lebendiger, szenischer Bericht. „Der Reporter bleibt beim Geschehen - wie ein Kameramann, und Beteiligte kommen zu Wort. Die Reportage ist in ihrem Kern an Fakten und Tatsachen orientiert, der Verfasser gibt aber auch ganz persönliche und subjektive Erlebnisse und Eindrücke wieder“, erkläre ich den Schülern. Aufschreiben, was man sieht, was man hört, was man fühlt.

Dann geht es mit der Fragestunde weiter, und die Schüler löchern mich. „Wie viel Zeit benötigt man für einen Artikel?“ Ganz unterschiedlich. Zwei, drei Stunden zum Schreiben eines Aufmachers, also dem wichtigsten und umfangreichsten Text auf der jeweiligen Seite – ohne Recherchezeit. „Was muss man können, um Redakteur zu werden?“ Die deutsche Sprache gut beherrschen, ein journalistisches Studium nach dem Abitur, beim Einstieg in die Redaktion eines Medienhauses ein Volontariat... und natürlich Neugierde an Menschen und Ereignissen. Ich berichte von verschiedenen Interviewpartnern, dem üblichen Tagesablauf in der Redaktion, den Abstimmungen mit dem Haupthaus in Cottbus und dem täglichen Redaktionsschluss und Korrekturlesern. „Wie viele Interviews habe ich denn schon geführt?“ fragt eine Schülerin. „Unzählige, sage ich. Im Grunde führen wir ja jeden Tag Interviews, wenn wir Leute anrufen, sie zu einem Thema befragen oder uns auf der Straße mit unseren Gesprächspartnern verabreden, um beispielsweise über eine bevorstehende Straßensanierung zu sprechen.

„Hat die Lehrerin denn noch eine Frage?“ spiele ich den Ball in die Klasse zurück. Annekatrin Herrbruck nickt. „Ob ich denn noch einen Tipp habe, wie man die 5 W-Fragen gut miteinander verknüpfen kann, damit ein flüssiger Text entsteht?“ Schreibt im Präsens, vermeidet unnötig viele Substantive und verwendet lieber aktive Verben“, kann ich der Klasse noch auf den Weg geben, bevor das Pausenzeichen ertönt.