Am Himmelfahrtstag, 5. Mai, findet in der Ogrosener Kirche um 14 Uhr ein regionaler Familiengottesdienst mit dem ökumenischen Kirchenchor Vetschau statt. "Wer mit dem ältesten Fahrrad anreist, bekommt einen tollen Preis", verrät Christel Paulick von der Kirchengemeinde. Das aber ist nur ein Teil der Überraschung. Bis zu diesem Tag soll das Dach des im Volksmund Beinhaus genannten herrschaftlichen Gewölbes nebenan fertig sein. Dass alte Steine verwendet werden müssen, ist eine Auflage des Denkmalschutzes. Manfred Nitzsche weiß noch zu gut, wie sie mühsam aussortiert und gereinigt werden mussten. Fast 300 Stunden haben Helfer an dem denkmalgeschützten Gebäude gearbeitet. "Ihr einziger Lohn sind belegte Brote, Kartoffelsalat, den die 81-jährige Käthe Sayatz macht, und Würstchen", erzählt Christel Paulick und nennt einige Namen der Freiwilligen, die das für ihr Heimatdorf machen: Elger Baase, Ulf Mecke, Frank Semt, Wilfried Krüger, Bodo Berger, Hagen Pielenz, Roland Beyer, Frank Hoffmann, Manfred Nitzsche, Gerd Kuschke und der 77-jährige Kurt Thiede. Das Gut habe Technik bereitgestellt und Dachdecker Frank Richter habe fachlich angeleitet.

Am 5. Mai wird das Beinhaus für die Besucher geöffnet. Darin sollen alte landwirtschaftliche und Küchengeräte ausgestellt werden. Auch alte Fahrräder werden zu sehen sein. "Mal sehen, wer die mit seinem alten Drahtesel toppen kann", so die Ogrosenerin.

Wenn das Dach des Beinhauses gedeckt ist, kommen Dachkante, Sims und Mauerwerk an die Reihe. Kurt Thiede ist gelernter Maurer und weiß, dass es da noch genügend zu tun geben wird. Das alte Pfarrhaus gegenüber auf dem Kirchengelände erhält sich die Ogrosener Kirchengemeinde, in dem sie es auch vermietet.

Die alte Linde am Beinhaus musste abgetragen werden und soll nun als Kopflinde weiterwachsen. Gewachsen ist auch der Euro-Berg für die Restaurierung der seltenen kleinen Orgel in der Kirche. "Wir freuen uns, dass nun auch die 8000 Euro, die noch gefehlt haben, da sind. Der Kirchenkreis hat sie dazugegeben", sagt Christel Paulick. Demnächst könne also die Orgel in Auftrag gegeben werden - sobald Gutachten, denkmalrechtliche Erlaubnis und die Genehmigung der Kirchenbauaufsicht vorliegen.

Was danach in der Kirche, die für rund 380 000 Euro saniert wurde, noch zu tun bleibt, ist die Restaurierung der Epitaphien derer von Stutterheim.

Zum Thema:
Südöstlich der Ogrosener Kirche steht das herrschaftliche Grabgewölbe, auch Totenhäuschen oder Beinhaus genannt. Christian Wilhelm Carl von Stutterheim (1723 bis 1783), Sohn von Christian Hieronymus von Stutterheim (1690 bis 1753), hat es bauen lassen. Bis 1932 ruhten dort die Gebeine von neun Familienmitgliedern der Gutsherrschaft. Da die Särge morsch waren, wurden sie im Jahr 1932 zwischen der alten Linde und der Kirche erdbestattet. In einer Kirchenbuch-Notiz von 1933 steht, dass dieses Mausoleum in das Eigentum der Kirchengemeinde Ogrosen übergeht und allen Einwohnern als Leichenhalle zur Verfügung steht. 1945 wurde es kurzzeitig von Kriegsflüchtlingen als Wohnraum genutzt. Ansonsten diente es bis 1974 als Leichenhalle, später war die Halle Garage. (Aus der Geschichte von Ogrosen - Der Heimat und Feuerwehr Förderverein Ogrosen 1346)