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Aufruhr im Museumsdorf

Eklat in Lehde: Gerichtsvollzieher Blechen (l.) lässt die Habseligkeiten der Spreewaldbäuerin Betty pfänden.
Eklat in Lehde: Gerichtsvollzieher Blechen (l.) lässt die Habseligkeiten der Spreewaldbäuerin Betty pfänden. FOTO: Uwe Hegewald
Lehde/Lübbenau. Rund 300 Besucher haben am Samstag bei der neunten Auflage von "Lehde geht schlafen" ihren Spaß gehabt. Ein Gerichtsvollzieher hatte im Museumsdorf einen schweren Stand. Uwe Hegewald

Das war wohl nichts mit "Lehde geht schlafen". Erst macht Nachtwächter Kamenke alias Birger Makuse noch bei hellem Sonnenlicht mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam, dann laden Fährmänner rund 300 Neugierige direkt vor dem Museumsdorf ab und schließlich schleicht sich auch noch ein Cottbuser Gerichtsvollzieher ins beschauliche Lagunendorf.

Und so, wie er sich vorstellte, ließ das gleich nichts Gutes ahnen: "Blechen ist mein Name. Ich bin auf der Suche nach dem Anwesen der Frau Betty. Ich bin hier nicht für die gute Laune zuständig, es geht um die Ausübung einer dringenden Amtshandlung." Ausgerechnet das Haus der Betty samt Inventar soll gepfändet werden, dabei hat sie es nach der Inhaftierung ihres Mannes schwer genug.

Im Dorf sorgt Blechens Gegenwart für mächtigen Wirbel. Herrmann Fritzsche, Wirt der "Flotten Forelle" wittert seine Chance, um die nun mittellose Betty dauerhaft an sich binden und sogar das Bett mit ihr zu teilen. Unerhört finden das die Dorfbewohner.

Hinter dem Gastwirt verbirgt sich Matthias Ullrich aus dem sächsischen Niedervogelgesang. "Diese Veranstaltung hat Charme und Charakter. Man freut sich schon auf das nächste Jahr", lobt er die Reihe "Lehde geht schlafen". Inzwischen hat sich innerhalb des Ensembles eine Freundschaft gebildet, die bereits in Ausflüge in "seine" Sächsische Schweiz mündete, so der mittlerweile sehr versierte Hobbyschauspieler, der im richtigen Leben als Hausmeister arbeitet.

"Unsere Schauspielgruppe umfasst rund 30 Mitwirkende. Neben Laienschauspielern vom hiesigen Verein Rubisko auch Theaterleute aus Berlin und Dresden", informiert Museumsdirektor Stefan Heinz. Ein professionelles Drehbuch gebe es nicht, nur einen Leitfaden, der zuvor von einem Autorenteam ausgearbeitet wird. "Darunter Vertreter der mitveranstaltenden Kahnfährgenossenschaft ´Großer Hafen Lübbenau`, Schauspieler sowie Mitarbeiter des Museumsdorfes.

Geradezu beabsichtigt ist das Einbeziehen von Besuchern der Veranstaltung im Rahmen der Spreewälder Lichtnächte. "Ich liebe den Spreewald", begründet Heiko Streichert seine weite Anreise aus dem bayrischen Laufen. Seine "tragende" Rolle: einer der ersten Kürbisse, den er aus dem Museumsdorf mit ins Berchtesgadener Land nimmt.

Sein in Kiekebusch lebender Kumpel Olli W. macht sich indes beim Gerichtsvollzieher nützlich - und beim Volk unbeliebt. Seinen vollen Namen verschweigt der Rand-Cottbuser aus gutem Grund, könnten ihn die Lehdschen doch zur "unerwünschten Person auf Dauer" erklären. Sein Vergehen: das Fortschieben des hölzernen Handwagens mit den letzten Habseligkeiten der bemitleidenswerten Betty. Selbst das bunte Festprogramm mit Blasmusik, Tanz, Gesang, Sketchen oder Poesie auf dem Dorfplatz (Bühne) vermag es nicht, ihren Schmerz zu lindern.

Doch es gibt dann doch noch ein Happyend in dem Dorf, wo die Straßen aus Wasser sind: Noch während Gerichtsvollzieher Blechen die Habseligkeiten der Lehdschen Strohwitwe bei einer Auktion verhökert, wird er als langgesuchter Gauner entlarvt. Samstagnacht kurz vor 22 Uhr klicken in Lehde die Handschellen. Spreewald-Gendarm alias Harry Lierka (Boblitz) ist es zu verdanken, dass die Lehdschen endlich beruhigt schlafen gehen können - wenn auch etwas verspätet.

Zum Thema:
Mit einer Überraschung warteten Ute und Frank Jentzsch auf, die sich zu Ostern im Museumsdorf das Ja-Wort gaben. Mit Präsenten und einem Scheck fürs Jubiläumsdorf, das in diesem Jahr 60-jähriges Bestehen feierte, bedankte sich das Paar aus Dresden beim Team. Vor drei Jahren waren sie erstmals Gäste bei "Lehde geht schlafen" und bestätigten die Einlösung eines damaligen Versprechens: "Pass mir ja auf die Kleene auf", hatte Nachtwächter Kamenke Jentzsch damals aufgetragen.