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| 02:32 Uhr

Auf Zeitreise bei TransTec

In dem heute maroden Gebäude auf dem TransTec-Firmengelände haben die Senioren die Theorie für ihren Schlosserberuf gelernt.
In dem heute maroden Gebäude auf dem TransTec-Firmengelände haben die Senioren die Theorie für ihren Schlosserberuf gelernt. FOTO: Daniel Preikschat
Vetschau. Wie gebannt stehen die Senioren vor der Sichtscheibe der Fünf-Achsen-CNC-Fräsmaschine. Millimetergenau bearbeitet ein roboterartiger Greifarm das Werkstück und spritzt Kühlflüssigkeit aus. Daniel Preikschat

Zu hören ist nur ein leises Surren. Kurz zuvor hatte die Besuchergruppe in der Stanzerei noch zwei alte Bekannte angetroffen: Richtpressen Baujahr 1954 und 1956, heute noch immer funktionstüchtig. Die Betriebsführung durch die TransTec-Werkhallen in Vetschau war für die acht Senioren ein Kontrastprogramm. Sie begegneten Altbekanntem und neuartiger Maschinenbau-High-Tech.

Die von Jens Böttcher, Mitarbeiter der Produktionsleitung, angeführte Rentnergruppe hatte guten Grund für den Firmenbesuch. Im September wird es 50 Jahre her sein, dass 13 junge Männer in der Kantine der VEB Waggonausrüstungen Vetschau ihr Facharbeiterzeugnis bekommen haben. Sie waren danach bei der Armee, haben dann fast alle bis zur Rente im Schlosserberuf gearbeitet. Wolfgang Janz und Wolfgang Lichtberg waren im VEB Lauchhammerwerk beschäftigt, Günter Mertin und Manfred Brischka in den Kraftwerken Vetschau und Lübbenau.

"Ich lag nachts wach, und da fiel mir ein, es muss doch jetzt 50 Jahre her sein seit der Freisprechung", erzählte Werner Tomm beim Rundgang. Am nächsten Morgen kramte der Spreewälder sein Facharbeiterzeugnis hervor und fand seine Ahnung bestätigt. Ein Anruf bei Manfred Brischka folgte, beide trommelten danach alle 13 von damals zusammen. Versuchten es jedenfalls. Denn vier der ehemaligen Kollegen sind mittlerweile verstorben, ein weiterer liegt im Krankenhaus. Dafür schloss sich Edelgard Friebe der Männerrunde an. Sie hatte seinerzeit in der gleichen Berufsschule wie die Männer Friseuse gelernt.

Wer es gestern auch noch geschafft hat, zur Jubiläumsfeier zu kommen, war der Lehrmeister der jungen Schlosser. 84 Jahre ist Gerhard Budich aus Vetschau nunmehr, aber mit dem Krückstock noch ganz leidlich unterwegs. Für ihn haben Brischka und Tamm extra eine "Ehrenlehrmeisterurkunde" gefertigt und an ihn übergeben. "Er hat uns so viel beigebracht. Davon haben wir ein ganzes Leben profitiert", lobte Manfred Brischka.

Von der Kompetenz der älteren Herren wurde Jens Böttcher von der TransTec-Produktionsleitung bei dem Rundgang schnell überzeugt. Er musste ihnen über die Fertigung von Eisenbahn-Drehgestellen nichts mehr groß erzählen und scherzte: "Da sind noch drei Spinde frei. Sie können morgen anfangen." Die modernen Maschinen allerdings, zum Beispiel für die Farbgebung, oder auch ein regelrechter Bohrtum, der nach Bedarf selbst die Werkzeuge austauschen kann, beeindruckten schon.

Wie auch die Ruhe und relative Leere in den Werkhallen. "Früher war hier ein Heidenlärm", bemerkte Werner Tomm. Kein Wunder, wie Jens Böttcher erklärte. In den Sechziger Jahren waren im VEB Waggonausrüstung um die 500 Leute beschäftigt, heute seien es bei der TransTec noch 110. Die Auftragslage sei schwieriger geworden, so Böttcher. Revision und Ersatzteileproduktion seien mittlerweile fast ebenso wichtig geworden wie der Drehgestellbau. Auch das war für die Senioren interessant zu hören, die gern in zehn Jahren erneut Jubiläum feiern wollen. Gestern aber ging es erstmal mit dem Kremser auf Fahrt. Danach wurde in einem Vetschauer Gasthaus noch viel erzählt von den alten Zeiten.

Zum Thema:
1867 wurde in Vetschau eine Landmaschinenfabrik gegründet, aus der die WB Lowa Görlitz (1948), der VEB Förderwagen Vetschau (1953), der VEB Waggonausrüstungen Vetschau (1966), der VEB Waggonbau Görlitz (1970), die Waggonausrüstungen Vetschau GmbH (1990), die TransTec Maschinenbau GmbH (2003) und 2007 die TransTec Vetschau GmbH hervorgingen. 2016 wurde die Firma durch die Insolvenz geführt. Wichtige Auftraggeber sind unter anderem Deutsche Bahn, Siemens, Bombardier.