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| 15:52 Uhr

Spreewaldkrimi
Auf Spurensuche durch Lübbenau

Während ihrer Tour durch Lübbenau macht Gästeführerin Gisela Christl auch Halt beim Schloss, das schon oft als Drehkulisse für den Spreewaldkrimi diente. So unter anderem im vierten Teil „Eine tödliche Legende“.
Während ihrer Tour durch Lübbenau macht Gästeführerin Gisela Christl auch Halt beim Schloss, das schon oft als Drehkulisse für den Spreewaldkrimi diente. So unter anderem im vierten Teil „Eine tödliche Legende“. FOTO: LR / Stephan Meyer
Lübbenau. Nicht nur Filmfans kommen beim Spreewaldkrimi-Rundgang von Stadtführerin Gisela Christl auf ihre Kosten. Von Stephan Meyer

125 deutsche Kriminal- und Polizeisendungen werden derzeit produziert (Stand 20. Juli 2018). Allein 60 davon für das ZDF. Da ist es schon bemerkenswert, dass sich bei der Flut an Mord- und Totschlag in der TV-Landschaft der Spreewaldkrimi etabliert hat. „Erst 2011, nach dem dritten Teil, wurde beschlossen, die Krimis als lose Reihe fortzusetzen“, erzählt Gisela Christl. Die Spreewald-Christl, wie sie auch genannt wird, veranstaltet unter anderem Stadt- und Spreewaldführungen für Touristen. Eine ihrer Rundgänge widmet sich der TV-Serie um Kriminalhauptkommissar Thorsten Krüger (Christian Redl). In ihrer sorbisch-wendischen Tracht führt sie Krimifans und Spreewaldbesucher an die Drehorte und gibt Anekdoten rund um die Fernsehproduktion preis.

6,76 Millionen Zuschauer sahen den ersten Teil „Das Geheimnis im Moor“ 2006. Ein Marktanteil von circa 20 Prozent. Die Stadtführerin ist sich sicher, die Serie verdankt ihren Erfolg ihrem heimlichen Star - dem Spreewald. Mit seinen Fließen und Holzblockbohlenhäusern, den Trachten, Festen und Sagen sei er ein wesentlicher Mitspieler, wie auch schon Kritiker positiv bemerkten.

Ihre Tour startet die Stadtführerin unweit von der Touristeninformation in der Ehm-Welk-Straße, wo sich die Teilnehmer zu Beginn treffen. Erste Station ist der Kirchplatz. Die Glocken der Nikolaikirche sind gleich in mehreren Krimis zu hören. Drei Wochen dauern die Dreharbeiten im Schnitt, die in der Regel zwischen August und September stattfinden. „Doch vorher sind langfristige Vorarbeiten notwendig“, sagt die Lübbenerin. So wurde beispielsweise für den ersten Krimi das Spreewald- und Schützenfest samt Umzug nachgestellt.

„Wir Einheimischen sehen die Krimis natürlich anders als Außenstehende“, bemerkt Gisela Christl. „Wir gucken immer ganz genau hin.“ Welche Orte sind dieses Mal dabei? Sind die Trachten korrekt dargestellt? Schafft es Kriminalhauptkommissar Thorsten Krüger, beim Kahnfahren das Rudel richtig zu halten?

Manch Einheimischer fühle sich nicht richtig dargestellt, weiß die Stadtführerin. Der verwahrloste Bauernhof von Inge Desno (Angela Winkler) im ersten Film habe einigen Spreewäldern nicht gefallen. Gisela Christl plädiert dafür, bei der Kritik etwas großzügiger zu sein. „Schließlich ist das kein Dokumentarfilm. Da hat sich halt jemand etwas ausgedacht.“ Die Besonderheiten des Spreewalds würden die Macher jedoch mit viel Liebe zum Detail aufgreifen. „Ich bin zufrieden mit dem, was dort gezeigt wird“, resümiert sie.

Doch Gisela Christl gibt zu, dass schon manchmal getrickst werde. Damit der Kahn des Kommissars auch immer schön mittig fährt, kommen schon mal „Froschmänner“ zum Einsatz, wie sie die Taucher der Fernsehproduktion liebevoll nennt. In den Filmen dürfen Motorboote auch mal da lang fahren, wo es sonst in der Spree untersagt ist. Und giftige Schlangen, wie sie in „Eine tödliche Legende“ zum Einsatz kommen, gibt es natürlich nicht im Spreewald. Auch würden Touristen im Lübbenauer Schlosshotel immer wieder nach dem Zimmer 314 fragen, das in einem Film Handlungsort ist. Die Aufnahmen dafür wurden jedoch nicht im Schloss, sondern in einem behindertengerechten Hotelzimmer im Marstall gemacht.

Gisela Christl ist überzeugt, die Krimireihe ist eine tolle Werbung für den Spreewald, was sie auch prompt unter Beweis stellt. Zwei Schweizer Teilnehmerinnen des Rundgangs gestehen auf ihre Nachfrage hin, dass sie vor allem wegen der Fernsehserie auf die Region aufmerksam wurden. „So eine Landschaft haben sie halt dort nicht“, scherzt die Stadtführerin. „Sondern nur Berge.“

Bemerkenswert an der Tour ist:

Nicht nur eingefleischte Fans der Krimireihe kommen auf ihre Kosten. Gisela Christl schafft es, auch Teilnehmer mit Details zur Stadtgeschichte zu unterhalten, die mit dem Krimi nicht vertraut sind. Und Fakten zur Geschichte kommen nicht zu kurz. So erfahren die Besucher viel über die Altstadt, das Schloss und den Hafen.

Neugierig sind Gäste bereits auf den nächsten Teil. Viel verraten kann die Stadtführerin nicht. Nur so viel: Tanja Bartko (Nadja Uhl) aus dem zweiten Teil „Der Tote im Spreewald“ taucht wieder auf. Damals noch schwanger, hat sie nun einen zehnjährigen Sohn. Die TV-Ausstrahlung findet voraussichtlich im Herbst diesen Jahres statt. Die ersten, die den neuen Krimi sehen dürfen, werden aber wie immer jene Lübbenauer sein, die es geschafft haben, sich für die Voraufführung im Festsaal des Schlosses anzumelden.

Thorsten Krüger (r., Christian Redl) und Martin Fichte (l., Thorsten Merten) ermitteln seit 2006 im Spreewaldkrimi.
Thorsten Krüger (r., Christian Redl) und Martin Fichte (l., Thorsten Merten) ermitteln seit 2006 im Spreewaldkrimi. FOTO: Patrick Pleul