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Auf die Knie für fest(lich)en Auftritt

Sabine Kircheis klopft die nächste Parketttafel im Rittersaal des Vetschauer Stadtschlosses nach Hohlstellen ab. Sie müssen dann verfüllt und mit warmen Eisengewichten beschwert werden. Diese Gewichte können bis 20 Kilogramm schwer sein.
Sabine Kircheis klopft die nächste Parketttafel im Rittersaal des Vetschauer Stadtschlosses nach Hohlstellen ab. Sie müssen dann verfüllt und mit warmen Eisengewichten beschwert werden. Diese Gewichte können bis 20 Kilogramm schwer sein. FOTO: Hannelore Kuschy
Vetschau. Bevor ab April im Rittersaal des Vetschauer Stadtschlosses wieder geheiratet werden kann, rutschen Restauratoren auf dem mehr als hundert Jahre alten Parkett herum und garantieren hinterher einen fest(lich)en Auftritt. Akribisch nehmen sie sich eine Parketttafel nach der anderen vor. Hannelore Kuschy

Das hier ist nicht einfach nur eine Parkettreparatur. Die Restauratoren Frank Dornacher und Sabine Kircheis aus Dresden merken das nicht erst zum Feierabend, wenn sich Rücken und Knie melden. Der Parkettboden im alten Rittersaal hat's nämlich in sich. Nachdem Decke und Wände mit ihren wunderschönen Malereien restauriert worden sind, dürfen sich die beiden gemeinsam mit Christoph Schröter als Werkstattgemeinschaft ums Holz kümmern. Auch wieder nicht um irgend ein Holz. "Unter dem Parkett von 1900 liegt nämlich noch die Dielung aus der Zeit des Alten Fritz im 18. Jahrhundert", erzählt Frank Dornacher. Also sehr historisch.

Respektvoll gehen sie deshalb mit jeder der 250 Parketttafeln auf den 90 Quadratmetern um. Die meisten wurden in den vielen Jahrzehnten stark bearbeitet und fast bis auf das Trägerholz heruntergeschliffen. Und weil restaurieren nicht auswechseln heißt, werden die Eichenholztafeln behutsam aufgearbeitet.

Sabine Kircheis klopft eine Tafel ab. Trifft sie auf eine hohle Stelle, bohrt sie vorsichtig einen Zugang und spritzt anschließend ein Wasser-Ethanol-Gemisch hinein, das den historischen Leim regeneriert. Mit einer zweiten Spritze pumpt sie Fischleim mit Füllstoff in die Hohlstelle, der sich unter Wärme gut verteilen soll. Dazu haben die beiden eine bescheidene Küchenausrüstung mitgebracht: eine Mikrowelle, in der kleine Holzplatten erwärmt werden, und Herdplatten zum Erhitzen der Gewichte, die bis 20 Kilogramm schwer sind.

So geht es von einer kleinen hohlen Stelle zur anderen. Zwei Drittel der Gesamtfläche ist so bereits restauriert. Kleine Fehlstellen mussten tatsächlich ersetzt werden. Auch die Adern aus Mooreiche zur dekorativen Gliederung der Tafeln weisen noch fehlerhafte Stellen auf.

In der nächsten Woche muss der ganze alte Lack runter. Der wird mit einem Entlacker eingestrichen. Holzspäne, die später darüber gestreut werden, binden die Feuchtigkeit. So lässt sich die Schicht besser abschaben. "Hinterher waschen wir mit Lösungsmittel nach, und das zwei- oder dreimal. Zum Schluss streichen wir die Tafeln mit Leinölfirnis", erzählt Frank Dornacher. Alles in allem wird die gesamte Restaurierung mehr als 150 000 Euro kosten. Geheiratet wird ab April dann in einem Jahrhunderte alten neuen Hochzeitssaal.