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Architekten für besondere Fälle

Im Beisein von Wolfgang Luplow (l.), Geschäftsführer des AWO-Regionalverbandes Brandenburg Süd und Architekt Mario Lunau (3.v.r.), ist in Altdöbern noch einmal an Prozesse der Umgestaltung der Bestandsimmobilie in eine Tagespflegestelle erinnert worden.
Im Beisein von Wolfgang Luplow (l.), Geschäftsführer des AWO-Regionalverbandes Brandenburg Süd und Architekt Mario Lunau (3.v.r.), ist in Altdöbern noch einmal an Prozesse der Umgestaltung der Bestandsimmobilie in eine Tagespflegestelle erinnert worden. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Altdöbern/Lübbenau. Was haben der Kulturpalast Dresden, das Lutherhaus in Eisenach und die Elbphilharmonie Hamburg mit dem Lübbenauer Gymnasium und der Altdöberner AWO-Tagespflegestelle gemeinsam? Sie alle zählten zu den bundesweit mehr als 1300 Objekten, die am gestrigen Sonntag zum Tag der Architektur 2017 ihre Türen öffneten. Uwe Hegewald / uhd1

"Architektur schafft Lebensqualität" lautet das Leitmotiv der veranstaltenden Bundesarchitektenkammer unter Schirmherrschaft von Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks. Hut ab vor Architekten, die sich als Schöpfer neuer innovativer Objekte mit Ausstrahlungskraft bewähren. Respekt aber auch jenen Bauplanern, die sich Bestandsimmobilien aufs Reißbrett ziehen, um diesen Gebäuden neues Leben und neuen Charme einzuhauchen.

"Man schaut sich die Bestandsimmobilie an, überlegt, was überhaupt machbar ist, bringt in Erfahrung, was dem Auftraggeber vorschwebt und macht sich dann daran, erste Ideen zu entwickeln", skizziert Mario Lunau die ersten Schritte an Objekten. Einen wichtigen Aspekt schiebt der Architekt der Mayer & Wittig Architekten und Stadtplaner GbR in Cottbus hinterher: "Investitionen und Nutzen müssen gegenübergestellt werden."

212 000 Euro investierte der AWO Regionalverband Brandenburg Süd in die Verwandlung von Räumlichkeiten eines ehemaligen Kindergartens in eine Tagespflegestelle. Zwischenzeitlich wurden die Zimmer für den Hort, später vom Altdöberner Heimatverein genutzt.

Glücksfall für das Architekturbüro: Das Gebäude basiert auf einem Massivbau mit tragenden Außenwänden. "Was uns bei der Innengestaltung mehr Spielraum verschafft hat", so Mario Lunau. "Entstanden sind unterschiedliche Nutzungsbereiche, ohne diese stark voneinander zu trennen und den Eindruck einer Halle zu vermitteln."

Wolfgang Luplow, Geschäftsführer des AWO Regionalverbandes Brandenburg Süd, ist noch immer vom Objekt begeistert, das im März seiner Bestimmung übergeben wurde. "Aus einer alten Baracke ist eine vorzeigbare Tagespflegestelle entstanden. Großes Kino." AWO-Ehrenvorsitzender Christoph Eigenwillig ließ sich bei einem früheren Besuch sogar zu dem Urteil hinreißen: "Die schönste Tagespflegestelle in unserem Regionalverband."

Von Beginn an wichtig war den Auftraggebern und Architekten, der Einrichtung eine Rolle im Wohnquartier zukommen zu lassen. Kontakte zu anderen Personen und zwischenmenschliche Nähe standen im Fokus. Dass sich die AWO-Einrichtung das Gebäude mit dem Altdöberner Heimatverein teilt, erweist sich als Glücksfall. Die kurzen Wege zu den Heimatstuben (Geschichtskabinette) bereichern das Angebot der Tagespflegestelle.

Inzwischen zählt diese zwölf feste Besucher, denen ein abwechslungsreiches Programm geboten wird. Wöchentlich fahren wir zum Markttag nach Großräschen, zum Schwimmen nach Lübbenau, haben auch schon Ausflüge in den Spreewald oder den Tierpark Cottbus unternommen", sagt Einrichtungsleiterin Anne Schwember.

Zum Thema:
Das Paul-Fahlisch-Gymnasium in Lübbenau, für dessen Umbau sich das Büro Jasinski Architekturstudio Cottbus verantwortlich zeichnete, wurde in diesem Jahr von einer Fach-Jury unter dem Motto "Architekten schaffen Räume" ausgewählt und stand stellvertretend für den gesamten Berufsstand im Land. Bei Führungen konnten Räume sowie die haustechnischen Anlagen besichtigt werden. Eine Multimediavorführung in der Aula stillte zusätzlichen Wissensdurst zum Baugeschehen im und am Gymnasium.