Mit dem Abtragen des Erdhügels an der Burgruine tauchten die wuchtigen Grundmauern des einstigen Wehrturms auf. Dass sie noch vorhanden sind, ist aus archäologischer Sicht ein Glücksfall. "Mit den Turmresten sieht die Ruine wieder wie eine Burg aus", stellte Grabungsleiter Kai Schirmer von Altum Berlin fest. "Calau kann sich glücklich schätzen, jetzt zu den wenigen Städten in Brandenburg zu zählen, in denen ein solch historisch bedeutsames Bauwerk aus dieser Zeit noch in Teilen erhalten ist."

Der Turm, der bislang nur vermutet wurde, hat einen Außendurchmesser von etwa sieben Metern. Weiterhin stießen die Fachleute auf Mauerreste, die wahrscheinlich zur einstigen Außenmauer gehörten. Damit ergibt sich für das Areal der Burgruine erstmals eine räumliche Vorstellung dieses noch vorhandenen Teils der Dunkelsburg. Über den genauen Grundriss der früheren Wehranlage, deren Ursprung auf die Jahre um 950 geschätzt wird, gibt es bislang keine oder nur sehr spärliche Angaben.

Mit dem neuerlichen Fund ist auch klar, dass die Dunkelsburg mindestens zwei Türme hatte. Richard Moderhack hatte bereits im Jahr 1932 in seiner Calauer Stadtchronik darauf hingewiesen, dass von zwei Türmen ausgegangen werden müsse. Damals lagen Beschreibungen vor, dass ein weiterer runder Turm nahe dem Luckauer Tor noch mehrere Meter hoch sichtbar war, der wohl in den 1860-er Jahren abgetragen wurde. "Für Calau wäre es wünschenswert, wenn kluge Köpfe Möglichkeiten schaffen könnten, dieses historisch bedeutsame Bauwerk erlebbar zu machen. Es würde die Stadt noch mehr aufwerten", glaubt Kai Schirmer.

Während für die Archäologen und Historiker die Faszination des Fundes aus jeder Silbe zu entnehmen ist, sind solche Überraschungen in der Sanierungsplanung der Burgruine nicht vorgesehen. Das weiß auch Bürgermeister Werner Suchner (parteilos), der sich in dieser Woche auf einer Bauberatung vor Ort über den Stand der Arbeiten informierte. Dennoch sieht er die Entwicklung mit dem Fund positiv: "Am Sanierungsplan hat sich nichts geändert. Die Arbeiten werden wie geplant durchgeführt." Aus den archäologischen Funden ergeben sich seiner Meinung nach eine neue Situation, aber auch neue Chancen. "Parallel zu den laufenden Bauarbeiten werden wir nun beraten müssen, wie wir mit den neu entdeckten Mauerresten verfahren wollen und wie wir sie insgesamt für Besucher attraktiv gestalten können. Schließlich hat die Ruine jetzt mit dem Turm ein völlig neues Gesicht bekommen", so das Stadtoberhaupt.