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| 15:12 Uhr

Praktizierte Iklusion
Arbeiterwohlfahrt feiert ins 100.

Die neu gegründete AWO Band eINKLang hatte zum 100. ihren ersten Auftritt.
Die neu gegründete AWO Band eINKLang hatte zum 100. ihren ersten Auftritt. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Großer Besucherandrang auf den Festgelände in Lübbenau Von Peter Becker

Noch ein wenig außer Puste gesellt sich Claudia Walter zu ihrer Familie. Eben stand sie noch mit den anderen ihrer Tanzgruppe auf der Bühne, moralisch unterstützt von ihren Eltern, die das Schild „Claudia - hier sind deine Fans!“ hochhielten. „Ich trainiere 14-tägig und habe einen Riesenspaß dabei“ zeigt sich die junge Frau begeistert.

Seit vielen Jahren besucht die Vetschauerin die AWO Spreewaldwerkstätten. Udo und Margit Walter, die Eltern, sind glücklich und dankbar, ihre lebensfrohe, aber vom Schicksal gehandikapte Tochter in einer so gut geführten Einrichtung zu wissen.

Auch Carsten Rasch, ebenfalls ein Vetschauer, fährt schon seit 15 Jahren zu den AWO Spreewaldwerkstätten und ist hier mit seinem Team für die Reinigungsarbeiten in den AWO Standorten der Stadt zuständig. „Ich bin glücklich, eine wichtige Arbeit erledigen zu können. In meiner Freizeit fotografiere ich gern, und heute mache ich Fotos für unsere Wandzeitung“, erzählt er und ist schon wieder auf dem Sprung zum nächsten Fototermin, diesmal ist es der Auftritt der Lübbenauer Frauentanzgruppe.

Jens Lehmann, neben Wolfgang Luplow einer der beiden Geschäftsführer des AWO Regionalverbandes Brandenburg Süd: „Es ist Ziel und Aufgabe zugleich, Menschen mit Behinderungen ein möglichst normales Leben zu geben. Im 100. Jahr unseres Bestehens können wir uns über viele Fortschritte freuen. Die zahlreichen Außenstellen bieten je nach Behinderungsgrad der Betroffenen abwechslungsreiche Betätigungsmöglichkeiten. Das Fest heute wurde wie schon in Vorjahren zum größten Teil von den  behinderten Menschen organisiert.“

Eine der Außenstellen des Regionalverbandes ist das AWO Reha-Gut Kemlitz. Geschäftsführer Heiko Terno: „Bei uns finden Menschen eine Betätigung, die die Natur und die Tiere lieben. Wir haben 400 Milchkühe zu versorgen und bauen vieles selbst an.“ Zum Beweis hat er einen mit Kartoffeln beladenen Hänger vorgefahren, von dem aus an die Besucher verkauft wurde. Ein erst wenige Tage zuvor geborenes rot-weißes Kälbchen (Heiko Terno: „die AWO-Farben“) beobachtete in stoischer Ruhe das Geschehen und ließ sich nicht mal von den streichelwilligen Kindern beeindrucken.

Das 100. Jahr des Bestehens wurde durch die Einweihung eines Denkmals, einer verkleinerten Kopie des erst 2017 am Berliner Mehringplatz aufgestellten Denkmals zu Ehren von Marie Juchacz (1879 – 1956) geehrt. Der niedersächsische Künstler Gerd Winner wollte mit dem Denkmal die Bodenständigkeit der Frauenrechtlerin dokumentieren. Das Denkmal ist eisern und steht auf einem soliden Betonklotz, vom Tief- und Wasserbau Boblitz für den Lübbenauer Standort geschaffen. Es zeigt ihr Bildnis und ihre in Stahl geschnitten Lebensmaximen Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität.

Ein Lübbenauer Haus trägt bereits den Namen der AWO-Gründerin, die 1919 als erste Frau im Reichstag sprach und sich für die Rechte der Schwachen einsetzte. Heinz Felker, Vorstandsvorsitzender des AWO Regionalverbandes Brandenburg Süd, und Christoph Eigenwillig, der Ehrenvorsitzende, nahmen die Enthüllung vor.

Christoph Eigenwillig erinnerte an die AWO Anfänge in der Region: „In Calau fanden sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg über 40 Frauen zusammen, die Kinderkleidung nähten und sich um Nahrungsmittelbeschaffungen kümmerten, um die schlimmste Not, gerade für die Kinder, zu lindern.

Bei manchem Besucher setzte Nachdenklichkeit angesichts menschlicher Schicksale ein. Aus einer Frauengruppe war die Frage zu hören, „ob wir nicht alle eine Form der Einschränkung haben? Haben wir nicht auch unsere Schwächen? Wir können froh sein, dass uns das Schicksal manch‘ schweres Los erspart hat.“

Neben aller Nachdenklichkeit sollte an diesem Tag jedoch das Feiern im Mittelpunkt stehen. Den Abschluss der Bühnenprogramme bildete der erste Auftritt der AWO Band „eINKLang“, in deren Namen sich der Begriff INKLUSION verbirgt. Stefanie Schenker und Sven Born betreuen die erst im Januar gegründete Band, deren Mitglieder mit größter Hingabe und noch größerem Lampenfieber an die Mikrofone traten. Zum „Bett im Kornfeld“ kam passend „ein Fahrrad daher“, was für zusätzlichen Applaus sorgte. Den Abschluss gestaltete die Lübbenauer Band „Haystackers“.