Von Uwe Hegewald

Theodor Fontane und seine Reise durch die Mark Brandenburg überstrahlen das Jahr 2019. Warum nicht unser jährliches Anradeln dem Dichter widmen, der vor 200 Jahren geboren wurde und anno 1859 den Spreewald besuchte, sagte sich die Spreewald-Touristinformation Lübbenau. Am 1. Maifeiertag bündelten die Veranstalter ihre Kräfte und lockten zum „Lübbenauer Anradeln“ – kostenlos aber keinesfalls umsonst.

„Bitte noch alle in die Teilnehmerliste einschreiben“, bat Andrea Pursche und begründete das mit dem Versicherungsschutz. Anders als Theodor Fontane, der sich für den Wasserweg entschied, führte die Radlertour mitten durch den Spreewald, über teils schmale Wege, zahlreiche Brücken und auch Bänke. „Dabei handelt es sich um Überquerungen von Fließen, die so schmal sind, dass kein Platz für Geländer ist und die maximal über einen Handlauf verfügen“, erklärte Werner Busch.

Die wichtigste Person des Tages, füllte der radelnde Gästeführer am Mittwoch doch gleich mehrere Jobs aus: Scout, Spitzenfahrer, Moderator, Vorleser aber auch „Herdenführer“, der zwischenzeitlich ein zurückgebliebenes Paar „einsammelte“ – weil bei diesem ein Kilometerzähler nicht richtig funktionierte. Geduldig wartete die über 30-köpfige Radlergruppe, bei der Werner Busch in bekannte Gesichter blickte. Frank-Peter Spröte, die Lübbenauer Familie Noatsch sowie Marita und Uwe Kunze aus Werchow (Stadt Calau) sind dafür bekannt, dass sie kaum einen regionalen Fahrradausflug auslassen.

Ihre Teilnahme hatte sich auch dieses Mal gelohnt, auch wenn das Wetter auf den ersten Kilometern so gar nicht mitspielen wollte. „Und fotografieren sie bitte auch einen Regentropfen“, mahnte Günter Noatsch dem begleitenden Rundschau-Reporter mit einem Augenzwinkern an. Auf dem Lübbenauer Kirchplatz stoppte Werner Busch den Tross, um zu berichten, dass sich Fontane im damaligen Gasthaus „Brauner Hirsch“ einquartiert hatte. Heute befindet sich an dieser Stelle das Lübbenauer Rathaus, so der Gästeführer aus Klein Klessow, der einmal um Nachsicht bat: „Das idyllische Spreewalddorf Lehde müssen wir buchstäblich links liegen lassen. Ein Besuch lohnt sich aber allemal“, befand er.

Die Entschädigung erfolgte entlang des Radwanderweges von Lübbenau nach Leipe. Mit seinen elf Brücken, den links und rechts verlaufenen Fließen und den säumenden Birken und Erlen gilt die Allee als eine der malerischsten und attraktivsten Radwanderwege im gesamten Land Brandenburg. Dass Theodor Fontane mit seinen Reiseberichten durch den Spreewald richtig lag, konnte und wollte Thomas Eick nur bestätigen. Er ist Chef des Waldhotels „Eiche“ (Burg) in dessen Eichschänke sich auch der Romanschreiber bewirten ließ. Der aus Usedom stammende Eick plauderte aus seinem Familienleben, „fütterte“ seine Besucher mit Schmackhaftem vom Grill und allerlei Anekdoten. Selbst für das aufziehende gute Wetter zeigte sich der Hotelier verantwortlich: „Bei uns im Spreewald scheint immer die Sonne – außer es schiebt sich mal eine Wolke davor“, erklärte er.

Ihre Rückreise konnten die Ausflügler ohne Regencapes antreten, die bei Kätner-Post (Burg-Kauper) ein weiteres Mal ins Staunen versetzt wurden. „Hier war Fontane gestrandet, weil sich seinerzeit weder der begleitende Kantor Christian August Clingestein noch der Fährmann, ein Nachtwächter namens Birkig, in diesem Teil des Spreewaldes auskannten. Dank des ortskundigen Werner Busch blieb den Teilnehmern des Anradelns eine Irrfahrt, wie sie Fontane erlebte, erspart. Am Samstag tritt der Gästeführer erneut in die Pedale, wenn er zur „Lübbenauer Gurkentour“ (32 km) bittet. Anmeldungen für die rund siebenstündige Tagestour (Mai bis September), die jeden Mittwoch und Samstag ab 10 Uhr vor der Touristinformation startet, werden unter der Telefonnummer 03542 887040 entgegengenommen.