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Seuchengefahr
Angst vor der Schweinepest wächst

Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz plant eigene Prämien für den Abschuss von Wildschweinen.
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz plant eigene Prämien für den Abschuss von Wildschweinen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Calau. Ausbreitung der Seuche und Folgen für Landwirte im Calauer Wirtschaftsausschuss diskutiert. Von Rüdiger Hofmann

Die Afrikanische Schweinepest wird bald Deutschland, das Land Brandenburg und den Kreis Oberspreewald-Lausitz (OSL) erreichen. Die Frage ist nur, wann. Soweit sind sich Experten einig. Allein in Polen gab es zuletzt in einer Woche rund 100 neue Fälle. Grund genug, das Thema im Calauer Wirtschaftsausschuss auf die Tagesordnung zu heben. Erörtert wurde ein bedrohliches Szenario.

„Die Todesquote bei infizierten Tieren liegt bei 99 Prozent“, sagt Laura Schuster, amtliche Tierärztin vom OSL-Landkreis. Es gäbe noch keinen Impfstoff und keine Medikamente. Und auch sie bestätigt: „Das Virus rollt aus den östlichen EU-Staaten auf uns zu. Ist es einmal da, werden wir es nicht mehr los.“

Im Falle eines Ausbruchs der Schweinepest würden auf lokaler Ebene Restriktionszonen eingerichtet, erläutert Laura Schuster. Der Radius würde kilometerweit mit Einzäunung und abosolutem Begehungsverbot gezogen werden. Kadaversammelstellen würden eingerichtet werden, es käme zum Verbot von Freiland- und Auslaufhaltungen, das Verbringen von Fleisch wäre untersagt. „Eine eng gefasste Kernzone würde sich von Lübbenau bis Cottbus erstrecken, die weiter gefasste Pufferzone würde das Gebiet zwischen Senftenberg, Spremberg, Luckau und Forst einschließen“, sagt Laura Schuster. Mario Dannenberg (Die Linke) wirft ein: „Ein komplettes Einzäunen wird kaum möglich sein. Bei der dichten Besiedlung hier findet sich immer ein Loch zum Durchschlüpfen eines infizierten Frischlings“, so der Abgeordnete.

Das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest hätte fatale Folgen. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland im Bereich der Schweinehaltung, aber auch der nachgelagerten Produktionszweige, werden auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt“, teilt die Pressestelle des OSL-Kreises mit. Und Laura Schuster ergänzt: „Obwohl für den Menschen ungefährlich, würde der Wildschweinfleischverzehr wohl gen Null gehen“, so die Mitarbeiterin des Amts für Veterinärwesen.

Auf politischer Ebene wird nun reagiert: Jäger im Landkreis OSL sollen ab April 2018 eine Prämie für erlegte Wildschweine erhalten. Dies sieht eine Beschlussvorlage vor, über die der Kreistag im März abstimmen wird. Ziel: den hohen Bestand an Schwarzwild nachhaltig zu reduzieren. Demnach sollen Jäger  ab dem ersten erlegten Wildschwein bis zum Erreichen des Wertes des Jahres 2015/16 eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro pro Tier erhalten, so der Vorschlag der Kreisverwaltung. In Summe wurden in OSL im genannten Jagdjahr 3 900 Tiere erlegt. Danach würde dann die Prämie des Landes greifen, die laut Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft bei 50 Euro pro Tier liegen wird.

„Ziel der Kreisverwaltung ist es, einen höheren Anreiz zur Intensivierung der Jagd zu bieten. Gleichzeitig soll die Prämie als Aufwandsentschädigung, auch für das Erlegen von schwer vermarktungsfähigen Tieren, wie Frischlingen, dienen“, so Sarah Werner vom Landkreis. Zusätzlich zur Prämie soll den Jägern eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 30 Euro pro Tier für die Beprobung von Unfallwild und Totfunden und das Bereitstellen der Proben ausgezahlt werden. Die Regelungen des Landkreises sollen ab April 2018 in Kraft treten und zunächst für das Jagdjahr 2018/19 gelten.