ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:18 Uhr

Mutig, mutig
Anbaden – angenehm erfrischend

  Klara Krüger, Charlotta Kluge und Cezanne Wetzk waren heimlich ausgewählt worden, Vetschaus  Bürgermeister ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
Klara Krüger, Charlotta Kluge und Cezanne Wetzk waren heimlich ausgewählt worden, Vetschaus  Bürgermeister ein wenig auf die Sprünge zu helfen. FOTO: Peter Becker
Calau/Vetschau. Die Bürgermeister von Calau und Vetschau vollziehen den Saisonstart in den Freibädern ihrer Stadt. Von Uwe Hegewald und Peter Becker

Luft: 9 Grad, Wasser: 15 Grad, Dauerregen – es gibt bessere Tage, um im Freibad ein Freibad zu nehmen. „Wir lassen uns vom Wetter nicht schocken“, mahnte Werner Suchner am Mittwochnachmittag Geschlossenheit an.

Im Calauer Erlebnisbad stand das traditionelle Anbaden an, das zu den Pflichtaufgaben eines Bürgermeisters zählt. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon mal so kalt war. In den ersten Momenten hatte man das Gefühl von Hunderten Nadelstichen auf der Haut“, schilderte das Stadtoberhaupt seine Eindrücke. 14 Schaulustige verfolgten den Job des Bürgermeisters, der diesen gerne an andere Mitarbeiter der Stadtverwaltung delegiert hätte.

Schwacher Trost: Mit den Geschwistern Nick (17) und Sophie (11) Kilian sowie Antenne-Moderator Daniel Jorewitz hatte Werner Suchner Leidensgefährten gewinnen können, die ihm beim Anbaden assistierten.

 Ein Quartett wagte sich am Mittwoch, ins Schwimmbecken zu steigen: Sophie und Nick Kilian, Antenne-Moderator Daniel Jorewitz und Calaus Bürgermeister Werner Suchner (v.l.n.r.) Kurze Zeit später wagte ein zweites Geschwisterpaar den Sprung ins kühle Nass.
Ein Quartett wagte sich am Mittwoch, ins Schwimmbecken zu steigen: Sophie und Nick Kilian, Antenne-Moderator Daniel Jorewitz und Calaus Bürgermeister Werner Suchner (v.l.n.r.) Kurze Zeit später wagte ein zweites Geschwisterpaar den Sprung ins kühle Nass. FOTO: Uwe Hegewald

In den kommenden dreieinhalb Monaten führt das Team um Schwimmmeister Jörg Labes Regie im Freibad in der Calauer Ziegelstraße, wo am 6. Juni mit dem 2019er-Stundenschwimmen die größte Breitensport-Schwimmveranstaltung in Süd-Brandenburg ansteht. In diesem Jahr gehen dabei sieben Kommunen an den Start. Mit einer Wettbewerbsdauer von 8 bis 18 Uhr ist es zu einer Verkürzung des Stundenschwimmens gekommen, das zuletzt in der Nacht immer weniger Teilnehmer in die Freibäder lockte.

Und noch etwas ist neu, im Calauer Badetempel: Aufgrund der dünnen Rettungsschwimmer-Belegschaft wird montags erstmals ein Ruhetag eingelegt. Unter www.calau.de erfahren Sonnen- und Wasseranbeter alle wichtigen Informationen zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen. Auch der Kiosk wird wieder geöffnet haben und Besucher mit Kulinarischem verwöhnen. „In den zurückliegenden Jahren haben wir mit Kiosk-Betreiberin Petra Richter aus Zwietow (Gemeinde Luckaitztal) gute Erfahrungen gemacht“, erklärte Werner Suchner das Festhalten an der „Gaumenfreuden“-Chefin. Festhalten werde die Stadt auch an dem Kooperationsvertrag mit dem Kreisfeuerwehrverband OSL. Dieser gestattet es Feuerwehrleuten des Landkreises, das Calauer Erlebnisbad zu günstigeren Konditionen zu besuchen.

Anbaden bei 15 Grad Wassertemperatur hieß es auch in Vetschau. Immerhin war es im Wasser um drei Grad wärmer als an der Luft. Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) ließ es sich nicht nehmen, trotz der widrigen Bedingungen die Badesaison im städtischen Freibad zu eröffnen. Im Gegenteil: Er tat dies gleich mehrmals, allerdings nicht jedes Mal ganz freiwillig. Die Kinder Klara Krüger, Charlotta Kluge und Cezanne Wetzk waren heimlich ausgewählt worden, dem Bürgermeister ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Unter großem Gejohle der 50 Kinder stießen sie ihn ins Wasser. Dabei hatte sich Bengt Kanzler eigentlich bei ihnen zuvor beliebt gemacht, denn er war nicht mit leeren Händen gekommen. Spielgeräte, Spielzeug und Sportartikel gingen kartonweise an die Kinder der Vetschauer „Rappelkiste“.

Dick eingemummelt wohnten sie dem Geschehen bei, in Gedanken schon sicher bei besserem Wetter, denn die Vorfreude auf ihr Schwimmprojekt ist groß. „Unsere Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren gehören zur Projektgruppe Schwimmen, welche wir schon seit 14 Jahren hier im Sommerband durchführen“, erzählt Kita-Leiterin Heidrun Wetzk. „Unter dem Motto ‚Blaues Wasser, frischer Wind – schwimmen kann doch jedes Kind‘ lernen bei uns die Kinder das Schwimmen“, erzählt sie.

Mehr als 90 Prozent der Kinder bekommen das Seepferdchen, das traditionelle Schwimmabzeichen. Im Sommerbad haben sie beste Voraussetzungen dafür, denn ihnen stehen mit Janny Gerstenberger, die die 7. Saison bestreitet, und der langjährigen Schwimmmeisterin Birgit Schmied, die schon in der 32.Saison arbeitet, bewährte Lehrerinnen zur Verfügung. Heidrun Wetzk war es dann auch, die sich mit einem Geschenk und besten Wünschen zum Start der Badesaison bei Birgit Schmied bedankte.

Die Kinder zogen sich bald zum Aufwärmen in die „Villa Seepferdchen“ zurück, in ihren Gemeinschaftsraum im Sommerbad. Mit viel Liebe und Fleiß wurde dieser mit Unterstützung der Eltern und des Fördervereins hergerichtet. Heidrun Wetzk: „Wir haben nun endlich auch einen Geschirrspüler bekommen, denn 40 bis 50 Kaffeetassen und Teller täglich abzuwaschen kostet Zeit, die uns bei den Kindern manchmal fehlt. Wir sind da der Firma G.U.T. Roske aus Berlin überaus dankbar, dass sie uns diesen zur Verfügung gestellt hat.“

Im Hintergrund genoss der in einen dicken Bademantel gewandte Bürgermeister einen heißen Tee, der vorsorglich bereitgehalten wurde. Und zur Stärkung gab’s dann auch noch Kuchen, gebacken von den Kita-Eltern.