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| 12:12 Uhr

Dienstschluss
Amtsdirektor Altdöbern sagt Adieu

In seinen 16 Dienstjahren als Amtsdirektor verkörperte Detlef Höhl den stets sportlich auftretenden und adrett gekleideten Verwaltungschef. Er war aber auch als Bogenschütze (Besuchertage im Seenland), Saxophonist (Mühlentag Neudöbern) oder Fußballer (Promiduell/725-Jahrfeier Altdöbern) zu erleben.
In seinen 16 Dienstjahren als Amtsdirektor verkörperte Detlef Höhl den stets sportlich auftretenden und adrett gekleideten Verwaltungschef. Er war aber auch als Bogenschütze (Besuchertage im Seenland), Saxophonist (Mühlentag Neudöbern) oder Fußballer (Promiduell/725-Jahrfeier Altdöbern) zu erleben. FOTO: Hegewald / Hegewald Uwe
Altdöbern. Nach 16 Dienstjahren räumt Detlef Höhl seinen Schreibtisch in der Amtsverwaltung.

Die Schubfächer sind größtenteils geräumt, persönliche Dinge für den Heimtransport zurechtgelegt und die Krawatten-Trophäe verstaut, an der die Dienstjahre von Detlef Höhl abzulesen waren. Alle Jahre wieder stürmten ungezügelte Damen zur Weiberfastnacht ins Büro, um ihm ein Stück vom Schlips abzuschneiden.

Es gab aber auch immer wieder andere ungezügelte Leute, die einen Termin erwirkten, um sich beim Amtsdirektor Luft zu verschaffen. Quengelnde Personen und ein mitunter rauer Ton in Amtsausschuss- oder Gemeindevertreter-Sitzungen waren aber nicht der Grund, warum Detlef Höhl nach 16 Jahren den Stuhl räumt. „Es war keine einfache Entscheidung. Wenn aber die Schwelle zum fünften Lebensjahrzehnt überschritten ist, stellt sich automatisch die Frage nach eventuellen Veränderungen. Das ganze Leben ist Veränderung“, so seine Begründung, nicht für eine weitere achtjährige Legislaturperiode zu kandidieren.

In seinem Rückblick hält der Volljurist mit Wurzeln in Hessen fest, „dass die Rahmenbedingungen schon zum Amtsantritt nicht rosig waren“. Erschwerend kommt hinzu, dass das Amt Altdöbern mit seinen Gemeinden Altdöbern, Neupetershain, Neu-Seeland, Luckaitztal und Bronkow massiv Einwohner verloren hat. Von 7800 ist die Einwohnerzahl in den zurückliegenden 16 Jahren auf 5700 geschrumpft – mit spürbaren Auswirkungen auf die so notwendigen Schlüsselzuweisungen. „Ein Gegensteuern ist nahezu aussichtslos, wird uns doch durch die Landesentwicklungsplanung diktiert, das wir nur begrenzt Baugrundstücke ausweisen dürfen“, bedauert Detlef Höhl. Dennoch sieht er eine Amtsstruktur als das demokratischste, wenn auch aufwendigste Modell. „Dörfer und Gemeinden behalten ihre Identität.

In den Gemeinden Altdöbern und Neupetershain erwies sich die Gestaltung aufgrund unausgeglichener Haushalte und Haushaltssicherungskonzepte sehr oft als schwierig. Dennoch könne man stolz auf die dort erreichten Ergebnisse und die der anderen Gemeinden sein, bekräftigt der scheidende Amtsdirektor. Dass in klammen Situationen externe Helfer willkommen sind, macht er stellvertretend an zwei Beispielen fest: „In Neupetershain haben wir aufgrund der Belastungen durch den vorbeiführenden Tagebau immer auf einen Ausgleich gepocht. Mit dem Vattenfall-Vertrag, den die LEAG fortführt, hat die Gemeinde Neupetershain rund vier Millionen Euro erhalten. Darunter jährlich 15 000 Euro für die Vereinsförderung, um das gesellschaftliche Leben im Ort zu entwickeln.

Eine andere Kooperation hat sich in Altdöbern bewährt, wo Gemeinde, die Brandenburgische Schlösser GmbH und Landesministerien dafür gesorgt haben, dass es im Schloss- und Parkensemble vorangeht. „Dort ist Erfolgsgeschichte geschrieben worden. Was zum krönenden Abschluss noch fehlt, ist ein kompetenter Nutzer für das Barockschloss“, führt Detlef Höhl an. Generell dürfe das Amt Altdöbern auf seine Entwicklung stolz sein. Kitas, Straßen und Gebäude wurden saniert, die Feuerwehren gefördert, der Grundschulstandort gesichert wie auch das Altdöberner Ärztehaus.

Nur wenige wissen, dass Detlef Höhl es war, der die entscheidenden Verbindungen zur kassenärztlichen Vereinigung knüpfte, damit Praxen und Apotheke fortbestehen. „Auf gutem Wege sind wir auch bei den Naherholungsgebieten am Gräbendorfer und am Sedlitzer See (Lieske), wo in den zurückliegenden Jahren viel passiert ist“, so Höhl. Gleichzeitig legt er Finger in eine Wunde: „Um Standards zu halten, benötigen kleine Kommunen Sonderförderungen. Geld ist genug vorhanden, um nicht nur Investitionen zu fördern, wie es in der Regel bisher passiert“, appelliert er in Richtung Landespolitik und empfiehlt, „großen Worten auch Taten folgen zu lassen“.

Einen heißen Tipp für seinen Nachfolger und die Nachfolgerin hat er nicht. „Sie müssen selbst ihren Weg finden. Ein wenig Feingefühl, Diplomatie und Bemühungen, mit den einzelnen Gemeinden einen gemeinsamen Nenner zu finden, kann nicht schaden“, rät er. Eine Lanze bricht der scheidende Direktor für die Altdöberner Amtsverwaltung. „Wir haben richtig gute Leute“, sonst hätte vieles nicht erreicht werden können.  Detlef Höhl, der am 13. Dezember seinen  54. Geburtstag gefeiert hat, erinnert an die Besuchertage im Seenland (2009) das 9. Brandenburger Dorf- und Erntefest in Muckwar (2012) und die jährlichen Altdöberner Parksommerträume.