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| 17:09 Uhr

Rückblick und Ausblick
Amt Altdöbern vor großen Herausforderungen

 Zu einer der ersten Aufgaben für Frank Neubert zählte der symbolische Spatenstich für den Anbau des Mehrzweckgebäudes in Lug (Gemeinde Bronkow).
Zu einer der ersten Aufgaben für Frank Neubert zählte der symbolische Spatenstich für den Anbau des Mehrzweckgebäudes in Lug (Gemeinde Bronkow). FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern. Haushaltssicherungskonzepte zwingen die fünf amtsangehörigen Gemeinden die Gürtel enger zu schnallen, ohne dabei Entwicklungen aus den Augen zu verlieren. Von Uwe Hegewald

Ein intensives Jahr liegt hinter den Einwohnern der Gemeinden Altdöbern, Neupetershain, Bronkow, Neu-Seeland und Lu­ckaitztal: Den Bauern vertrocknet das Futter auf den Feldern, Feuerwehrleute rasen zur Waldbrandbekämpfung in benachbarte Landkreise und dann klopft auch noch ein neuer Amtsdirektor an die Tür der Amtsverwaltung.

In der Amtsausschusssitzung vom 25. April 2018 nimmt Frank Neubert seine Ernennungsurkunde in Empfang. Ein Mann, der in der Kreisstadt Senftenberg in Sachen Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus Regie führte, ein Mann der sich nicht ziert, auch mal unpopuläre Entscheidungen zu treffen. „Wir können nur das ausgeben, was wir haben. Allen fünf Gemeinden sind Haushaltssicherungskonzepte auferlegt, die uns einschränken, Investitionen zu planen oder Eigenanteile aufzubringen“, stellt er klar. Um Einnahmen und Ausgaben auf eine Stufe zu stellen, kündigt Frank Neubert u.a. „spürbare Anpassungen von Beiträgen“ an. „Keine der Gemeinden verfügt über entsprechende Rücklagen. Die Situation erlaubt es uns auch nicht, politische Preise zu machen“, begründet er. Neben den Hebesätzen, Pacht- und Mieteinnahmen kämen u.a. auch die Kitagebühren auf den Prüfstand.

Der Amtsdirektor räumt ein, dass die Maßnahmen nicht jedem schmecken werden, wie auch seine Forderung, bis zum Jahr 2020 insgesamt 48 Jahresabschlüsse der Gemeinden auszuarbeiten. „Seit 2011 wissen wir nicht konkret, über welche Finanzmittel oder Schulden wir in den einzelnen Gemeinden verfügen. Das muss getan werden, da lasse ich auch keine Luft ran“, betont er. In Sachen Umsetzung sehe er keine Probleme: „Unsere Verwaltung ist mit kompetenten, couragierten und zuverlässigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt“, sagt Frank Neubert und macht das an zurückliegenden Optimierungsmaßnahmen fest. Teambildung ist das Schlagwort, das er am einem Beispiel erläutert. Demnach bilden Standesamt, Einwohnermeldeamt und Friedhofswesen ein Team, was darauf ausgerichtet ist, dass jede der vier Mitarbeiterinnen ihre Kolleginnen bei Urlaub oder im Krankheitsfall ersetzen kann, und die Sprechzeiten immer gewährleitet sind.

 Für das Bürgerhaus Pritzen, eine Immobilie der Gemeinde Altdöbern, hat ein Interessent ein Kaufangebot abgegeben. Das Objekt besitzt eine spektakuläre Geschichte und ist über viele Jahrzehnte als Gasthaus genutzt worden.
Für das Bürgerhaus Pritzen, eine Immobilie der Gemeinde Altdöbern, hat ein Interessent ein Kaufangebot abgegeben. Das Objekt besitzt eine spektakuläre Geschichte und ist über viele Jahrzehnte als Gasthaus genutzt worden. FOTO: Uwe Hegewald

Auch scheue er sich nicht, Klartext zu reden, wenn bei Maßnahmen, die nicht gut laufen, versucht wird, der Amtsverwaltung die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Blendern mache ich schon deutlich, dass die Mitarbeiter der Verwaltung nicht wie der letzte Dreck zu behandeln sind“, erklärt er. Im Fall der Straßenbaumaßnahme in der Bauernsiedlung Neupetershain, mit mehreren Konflikten und Bauverzögerungen war das etwa der Fall.

Dem gegenüber stünden positive Nachrichten aus der Gemeinde Neupetershain: „Für das ehemalige Kitagebäude (Villa Putzler) konnten wir einen Investor finden, der die Ansiedlung eines hochwertigen Institutes mit mehreren Angestellten beabsichtigt“, informiert Frank Neubert. Auch für das Bürgerhaus Pritzen (Gemeinde Altdöbern) liege ein Kaufantrag vor sowie ein Bewerbungsschreiben für die Weiterbetreibung des Altdöberner Schützenhauses.

Verscherbelt das Amt etwa sein Tafelsilber? „Keinesfalls“, erklärt der Verwaltungschef. Ungenutzte Immobilien verursachten laufende Kosten. Mit dem Verkauf würden Wirtschaftskreisläufe in Gang gesetzt. „Jeder Einwohner, den wir hinzugewinnen, tut uns gut und bringt Steuereinnahmen“, argumentiert Neubert, verweist aber auf Bedingungen: „Alle Objekte, die wir verkaufen, werden mit einer zeitlich bindenden Investitionsverpflichtung verknüpft, um Spekulationen auszuschließen.“

Nach diesem Schema werde auch bei der Grundstücksvergabe beim künftigen Siedlungsprojekt am Altdöberner See verfahren, für das Ende 2018 der Bebauungsplan auf den Weg gebracht wurde. Derzeit könne das Amt die Nachfrage an Bauland nicht decken, was auch auf Vorgaben des Landes Brandenburg zurückzuführen ist. Die Reglementierung von nur 1,5 Hektar Bauland für den Zeitraum von zehn Jahren für kleine Kommunen schmeckt Frank Neubert überhaupt nicht. „Der nachweisbare Bedarf muss die Grundlage bilden und Bauland erschlossen werden, wo die Vermarktung Sinn macht“, so der Amtsdirektor. Mit jedem zusätzlichen Einwohner wachse die Kaufkraft, zudem hätten die in der Kreide stehenden Gemeinden, mit dem Verkauf von Bauland eine gute Chance ihre Haushalte zu konsolidieren.

Für 2019 kündigt die Amtsverwaltung eine Vermarktungs-Offensive an. So sollen in einem neuen Team alle gemeindeeigenen Immobilien und Flächen erfasst und bei Eignung auf den Markt gebracht werden. Die Nachfrage sei groß. Erst recht mit dem Wissen, dass die Sanierung des Altdöberner Sees 2026 abgeschlossen sein soll und auch die Brandenburgische Schlösser GmbH in Sachen Barockschloss ihre Vermarktungsaktivitäten forciert hat. „Investitionsabsichten gibt es ebenso am Altdöberner Ufer am Gräbendorfer See sowie in Lieske (Gemeinde Neu-Seeland) am Sedlitzer See“, teilt Frank Neubert mit. Was die touristische und gewerbliche Entwicklung als Anrainer von drei Lausitzer Seen, der „Pralinenschachtel“ Schloss- und Parkensemble Altdöbern und der Calauer Schweiz mit dem entstehenden neuen Aussichtsturm anbetrifft, ist er sehr zuversichtlich.