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Am Ende heißt es: zum Ersten, Zweiten, Dritten

Bis auf den letzten Platz war das Auktionszelt auf dem Lübbenauer Kirchplatz gefüllt. Viele der in der zurückliegenden Woche geschaffenen und nun versteigerten Skulpturen, Objekte oder Karikaturen bleiben der Spreewaldstadt dauerhaft erhalten.
Bis auf den letzten Platz war das Auktionszelt auf dem Lübbenauer Kirchplatz gefüllt. Viele der in der zurückliegenden Woche geschaffenen und nun versteigerten Skulpturen, Objekte oder Karikaturen bleiben der Spreewaldstadt dauerhaft erhalten. FOTO: U. Hegewald/uhd1
Lübbenau. Überstunden schruppen heißt es für Mandy Kunze und Johanna Beuckert am Samstagnachmittag. "Angenehme Überstunden", beteuern die beiden jungen Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Lübbenau. Uwe Hegewald / uhd1

Ihr Urteil kommt nicht von ungefähr, dürfen sie doch als Einzige das Gros aller tragbaren Kunstobjekte der Auktion des Spreewaldateliers in ihren Händen halten.

An der Seite von Auktionsassistentin Simone Didoff und Auktionator Herbert Schirmer präsentiert das Duo insgesamt 83 Exponate. Bei den zentnerschweren, aus Baumstämmen gefertigten Stücken gibt es Fotoplakate. Gute Nachricht für Lübbenau: Viele Kunstobjekte bleiben der Stadt dauerhaft erhalten. Bekannte Personen bieten am Samstag mit, deren Namen jedoch weitestgehend geheim gehalten werden. "So lauten nun mal die Spielregeln einer Auktion", sagt Herbert Schirmer. Seit 1993 lässt er bundesweit den Hammer aufs Brett fallen und bestätigt somit Verkäufe. Das mit dem Geheimhalten von Namen ist so eine Sache, wissen doch Teilnehmer und Schaulustige, wer sich hinter den Bieternummern verbirgt. Was keiner weiß: Bieten Bürgermeister Helmut Wenzel, WIS-Geschäftsführer Michael Jakobs, Axel Kopsch oder etwa Dr. Jürgen Othmer in Vertretung für ihre Institution oder als Privatpersonen? Bei einem beeindruckenden Kunstobjekt streckt sogar Queenie Nopper eine Bieterkarte nach oben. Glückwünsche für den Erwerb einer alten Schrotsäge, die Valeriu Kurtu mit einem Spreewald-Panorama in Acryl versehen hat, lässt sie abprallen. "Ich habe im Auftrag von Gastwirt Jörg Schwerdtner mitgeboten, der selbst nicht teilnehmen konnte", erklärt die Mitarbeiterin der Lübbenaubrücke. Bevor die Säge in der Bauernstube des Gasthauses einen dauerhaften Platz erhält, erteilt Herbert Schirmer dem temporären Bieterduo den Zuschlag.

Souverän führt er durch die Auktion, es sind Kunstobjekte ab 15 Euro zu haben. Bei 2500 Euro liegt das Einstiegsangebot für die "Chaiselongue der Erkenntnis", eine von Julia Alberti aus einem Baumstamm fein ausgearbeitete Sitzbank. Das Kunstobjekt findet bereits lange vor der Auktion Interesse bei den Gästen, die ein ums andere Mal die Chance für eine Sitzprobe nutzen. "Ein sehr gelungenes und zudem auch noch funktionelles Objekt", würdigen Gisela und Dietmar Freihöfer. Das kunstinteressierte Paar ist eigens aus Lübben angereist und zeigt sich generell begeistert: "Wir beneiden Lübbenau für die Aktionen im Kunstraum", so Freihöfers.

Julia Albertis "Chaiselongue der Erkenntnis" findet auch unter den Bietern Gefallen, die laut Auktionator "nicht zum Bieten aufgefordert, sondern eingeladen werden". Letztendlich bekommt ein bekanntes Lübbenauer Gesicht für 3000 Euro den Zuschlag. Herbert Schirmer genießt den Dialog mit den Künstlern und Kaufinteressenten, gelegentlich kann der Lieberoser bevorstehende Handlungen an Gesten ablesen: "Der Herr nimmt die Brille ab und knabbert am Bügel. Das ist ein gutes Zeichen", teilt er dem Publikum mit. Mit dem Cottbuser Künstler Hans-Georg Wagner wolle er sich im Anschluss der Auktion noch einmal über die Preisgestaltung unterhalten. 160 Euro für seine aus Ahorn geschaffene Skulptur "Engel" ordnet der Auktionator als "fast schon geschenkt" ein.

"Das geht schon in Ordnung", erwidert der Cottbuser. Mit seiner Aussage zementiert er die Philosophie, die hinter dem Spreewaldatelier steht, hinter der abschließenden Auktion und auf dem Deckblatt der Auktionsliste: "Hier zur Versteigerung kommende Objekte werden in der Auktion zu Vorzugspreisen angeboten, um Kunst weiter in der Region zu integrieren. Es handelt sich nicht um die marktüblichen Preise der Kunstwerke!"

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