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| 14:06 Uhr

Altenpflegerin rettet 101-jährige Frau aus brennender Wohnung

Mandy Zech hat Vetschauerin aus verqualmter Wophnung gerettet
Mandy Zech hat Vetschauerin aus verqualmter Wophnung gerettet FOTO: Kuschy (LBN)
Vetschau. Die 30-jährige Altenpflegerin des Arbeiter-Samariter-Bundes Vetschau, Mandy Zech, hat eine 101-jährige Frau aus ihrer brennenden Wohnung in der Vetschauer Heinestraße herausgeholt und ihr damit das Leben gerettet. Von Hannelore Kuschy

Es ist etwa 18 Uhr. Mandy Zech ist auf dem Weg zu einem Patienten in der Vetschauer Kraftwerkstraße. An einem Tag besucht sie im Durchschnitt 20 Patienten, reicht Medikamente, spritzt Insulin oder wäscht sie. Frida Schulz ist an diesem Tag gar nicht in ihrer geplanten Runde. Plötzlich sieht die 30-Jährige aus ihrem Auto, dass aus dem Küchenfenster der Schulzes Qualm steigt. "Im ersten Augenblick bin ich davon ausgegangen, dass sie sich Essen gemacht hat", erzählt die Altenpflegerin. Dennoch biegt sie ab in die Heinestraße, um zu sehen, was wirklich los ist. Dort standen schon Leute am Eingang und auf dem Gehweg. "Der Sohn der alten Dame hat am Fenster gestanden und gerufen: ,Ich brauche Hilfe, holt die Mutti hier raus.' Ich bin rein, und draußen standen die Schaulustigen mit ihren Kindern und Hunden", sagt Mandy Zech.

Der Hausflur ist schon total schwarz und verraucht. "Ich bin schnell wieder raus, um Luft zu holen, aber so ging das nicht", schildert die zweifache Mutter noch immer betroffen die schwierige Situation. Jemand aus dem zweiten Stock wirft ihr ein nasses Tuch herunter. Das hält sie sich vors Gesicht und wagt es erneut, in die Wohnung der Schulzes vorzudringen. Die Tür steht offen. "Die Frau hat schon im verqualmten Flur gesessen und gewinselt. Ich habe mir das Tuch unters Kinn geklemmt, sie genommen und aus der Wohnung gezogen. Koschi, einer aus dem Eingang, kam gerade dazu und half mir, sie nach draußen zu bringen", erzählt sie weiter. Die 101-jährige Dame wird auf die Wiese gelegt und vom Rettungsdienst versorgt.

Der Sohn, schon ganz schwarz im Gesicht, aber steht noch immer wie versteinert am Küchenfenster. Der junge Helfer schreit ihn an, er solle doch endlich rauskommen. "Er hatte sicher einen Schock", vermutet Mandy Zech. Leute im ersten Stock sind ebenfalls noch an einem Fenster ihrer Wohnung zu sehen. "Holt uns hier raus, sonst springen wir aus dem Fenster", rufen sie verzweifelt.

Alle können schließlich gerettet werden. Neun Verletzte kommen in Krankenhäuser nach Cottbus und Lübben. Auch die Altenpflegerin muss sich wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung untersuchen lassen. Die Mutter und die Schwester der Lebensretterin kümmern sich um den siebenjährigen Janek und die einjährige Miabelle. Der Große weiß inzwischen vom Mut seiner Mutter und hat Angst um sie. "Wird sie sterben?", so seine bange Frage.

Meine Tante und ihr Lebensgefährte haben mich später aus dem Krankenhaus abgeholt", sagt die junge Mutter. Janek schläft inzwischen. Sie streicht ihm zärtlich übers Gesicht. Alles ist gut. Ihr Mann wird ihr später sagen: "Das machst Du nicht noch einmal." "Aber in so einem Moment denkst du an gar nichts und läufst einfach los", sagt Mandy Zech. Und in einem Nebensatz noch: "Nur meine Sachen, die werde ich wohl entsorgen können."