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| 15:37 Uhr

Alte Malereien werden im Vetschauer Rittersaal freigelegt

Friederike Hänold retuschiert das Herbstbild im Rittersaal
Friederike Hänold retuschiert das Herbstbild im Rittersaal FOTO: Kuschy (LR-LBN-RED-152)
Update | Vetschau. Ab April soll im Rittersaal des Vetschauer Schlosses wieder geheiratet werden. Bis dahin haben die Restauratoren gut zu tun, denn sowohl der Wappenbaum als auch die Malerei über dem Kamin und die vier Jahreszeiten an den Seitenwänden waren in den 1960er-Jahren teils überschliffen und komplett überstrichen worden. Hannelorer Kuschy

Carina Ostendorf-Köprick kratzt mit der Pinzette an den "Wappen der ehemaligen Inhaber der Herrschaft Vetschau". "Sie sind nicht gut erhalten", sagt sie. Abgewaschen, gar abgeschliffen und dann komplett mit hellblauer Latexfahre überstrichen seien alle Malereien im Rittersaal. Wohl seien sich die Restauratoren Mitte der 1960er-Jahre einig darin gewesen, dass diese Malereien nicht zum barocken Stuck an der Decke passten. "Zwei oder drei Schichten sind mitunter freizulegen", erklärt die 33-Jährige aus Potsdam. Eine Kompresse aus Watte hat sie zuvor mit reinem Alkohol getränkt und auf den nächsten Abschnitt Latexfarbe gedrückt. "Die Farbe wird damit eingeweicht und lässt sich dann besser entfernen", erklärt die Restauratorin, auf einer Leiter stehend. Ihre Kollegin Friederike Hänold, beide kennen sich aus der vierjährigen Studienzeit, gleicht gerade mit Kreidekitt am Rand abgeplatzte Malschichten an der Frühlings-Malerei aus. Die Herbst-Malerei an der Wand gegenüber hat sie probeweise retuschiert.

Bei einem späteren Termin mit der Denkmalpflege wird es Einigkeit darüber geben müssen, wie die Wandbilder weiter zu bearbeiten sein werden. Die alten Farben in ihrer originalen Zusammensetzung hätten sie natürlich nicht mehr. Aber sie würden sicher wasserlösliche Farben verwenden, die, wenn nötig, wieder abgewaschen werden können, sind sich die beiden Expertinnen sicher. Schwierig könnte es allerdings mit dem Wappenbaum werden. Denn die Wappen, etwa das sächsische oder das von Schlieben beziehungsweise das Lynarsche, sind, wenn überhaupt, nur anhand einer Druckvorlage zu deuten. Zwar gäbe es noch alte Bilder, draußen im Flur zum Beispiel, aber die seien schwarz-weiß und stark verpixelt, sodass sie kaum als Vorlage dienen könnten, sagt Carina Ostendorf-Köprick. Und während sie mit einem Wattebausch nun die eingeweichte Fläche vorsichtig versucht abzuwischen, unterhält sie sich mit Volkmar Voigt. Der Restaurator im Handwerk aus Dresden streicht weiter die Wände des Rittersaals, der Mitte Januar 1931 bei einer Festsitzung von der Stadt Vetschau übernommen wurde. Die Neue Vetschauer Zeitung (NVZ) hatte darüber am 16. Januar berichtet.

Durch "hochherzige Stiftungen" auch die des Ehrenbürgers Richard Hellmann, sei der Saal "zunft- und stilgerecht" hergerichtet worden. Drei Bremer Künstler von Ruf seien damit betraut gewesen. Ein wahres Kleinod sei entstanden, "ein neuer und durchaus würdiger Anreiz für die Besucher der Stadt".