| 15:37 Uhr

Altdöbern
Altdöberner Südgraben: Von erster Skepsis zum Phänomen

Von Oliver Staats von der G.U.B. Ingenieur AG (Planung/Bauüberwachung) erfuhren Besucher am Tag der offenen Baustelle Wissenswertes rund um den Altdöberner Südgraben, dessen Bau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. G.U.B. steht für Geo-, Umwelt- und Bautechnik.
Von Oliver Staats von der G.U.B. Ingenieur AG (Planung/Bauüberwachung) erfuhren Besucher am Tag der offenen Baustelle Wissenswertes rund um den Altdöberner Südgraben, dessen Bau noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. G.U.B. steht für Geo-, Umwelt- und Bautechnik. FOTO: Uwe Hegewald / LR
Altdöbern. Info-Veranstaltung lockt zahlreiche Interessierte an. Erstaunliche archäologische Funde.

Mit der erfolgten Außerbetriebnahme der Bauwasserhaltung wird das Funktionieren des Altdöberner Südgrabens sichtbar. Er soll die Ortslage dauerhaft vor Grundwasserwiederanstieg (GWWA) schützen, was Oliver Staats von der G.U.B Ingenieur AG (Sitz Zwickau) nie bezweifelte. „Bereits mit dem temporären Setzen von Grundwasser-Pumpen während der Bauphase hat sich für uns die Notwendigkeit der Maßnahme erschlossen“, so der für die Bauplanung und -überwachung zuständige Ingenieur beim „Tag der offenen Baustelle“ am Samstag.

Bei dem in der Sohle fließenden Wasser handele es sich definitiv um Grundwasser, bestätigt er. Dass sich das dahinfließende Nass ockerbraun zeigt, sei der regionalen Gesamtsituation zuzuschreiben und war so auch erwartet. In einer eigens geschaffenen Wasserfläche soll sich der Ockerschlamm sammeln, sobald erforderlich auf einer benachbarten Schlammstapelfläche gelagert und später entsorgt werden. Dadurch werde verhindert, dass die braune Fracht ins weiterführende Chransdorfer Fließ und später in den Michlenz- und in den Salzteich im Schlosspark gelangt.

Helmut Ziehe, Chemiker und Wasser-Experte aus Vetschau, sieht im Projekt Südgraben „die einzige vernünftige, weil dauerhafte und sparsame Lösung“. Das aufgefangene Wasser wird ohne Energiebedarf abgeleitet. „Letztlich entscheidend war die Flächenverfügbarkeit vor den Toren von Altdöbern. In GWWA-betroffenen Städten erhalten andere Verfahren den Vorzug“, erklärt LMBV-Pressesprecher Dr. Uwe Steinhuber mit Bezug auf die Problematik des Grundwasserwiederanstieg. Helmut Ziehe prognostiziert: „Der Südgraben ist ein gelungenes Bauwerk, das über Jahrzehnte und sogar über Jahrhunderte zuverlässige Dienste leisten wird.“

Völlig neu sei das Verfahren nicht. „Anfang der 1960er Jahre ist bei Lübbenau ein Fanggraben errichtet worden, um das dortige Kraftwerk auf trockenen Grund zu bekommen“, nennt Ziehe ein Beispiel. Hans-Joachim Pawlitzki zeigt sich ebenso überzeugt von der Notwendigkeit des gigantischen Grabens. „Von Altdöbernern bin ich immer wieder gefragt worden, ob dieser Aufwand und diese Investitionen überhaupt gerechtfertigt sind. Die Leute bekamen von mir immer ein definites Ja zu hören“, so der Ex-Tagebauleiter am Tag der offenen Baustelle.  

Anfängliche Skepsis ist zusehends gewichen, mittlerweile wird der Südgraben mit dem Begriff Phänomen in Verbindung gebracht. „Schuld“ daran hat auch Torsten Dressler vom gleichnamigen und baubegleitenden  Archäologiebüro Glienicke/Nordbahn (Oberhavel). 130 Tage begleitete der Archäologe das Projekt und brachte Erstaunliches ans Tageslicht. Von der ältesten geologischen Stelle, einem Rast- und Werkplatz mit Klingen und Schabern von 10 000 bis 6000 v. Chr., über Scherben von Sieb- und Vorratsgefäßen (2.-3. Jh. n.Chr.) bis hin zu Funden aus dem 11.-12. Jh.

Besonders spektakulär ist eine bronzene Fibel (Gewandschließe) aus der römischen Kaiserzeit“, ließ Torsten Dressler den interessierten Besucher wissen. „Unsere Informationsveranstaltung wurde dankbar angenommen. Eine ähnliche Resonanz verzeichneten wir bereits im Sommer bei einem Treffen am Kuhteich bei Lauchhammer“, resümiert LMBV-Mitarbeiterin Stefanie Klein. Ohnehin hatten die Altdöberner das Baugeschehen von Beginn an interessiert verfolgt.