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| 02:32 Uhr

Altdöberner See als Quelle für Spreewald

Die Wassermühle Neudöbern erwies sich für den 2. Stammtisch als geeigneter Standort und Gabriel Scherf als kompetenter Moderator.
Die Wassermühle Neudöbern erwies sich für den 2. Stammtisch als geeigneter Standort und Gabriel Scherf als kompetenter Moderator. FOTO: Uwe Hegewald
Neudöbern. Hydrologische und geologische Gegebenheiten des Altdöberner Sees haben am Freitagabend im Mittelpunkt des zweiten Stammtisches der Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See gestanden. Dutzende Zuhörer sogen die Ausführungen von Wissenschaftlern auf. Uwe Hegewald

Insbesondere die, wonach sich der Bergbaufolgesee als edle Quelle für den Spreewald erweisen könnte.

Es waren umfassende wie umwerfende Informationen, die Geologe Karl-Heinz Wahren zum zweiten BI-Stammtisch in die Wassermühle von Neudöbern (Gemeinde Luckaitztal) mitgebracht hatte.

Demnach verfüge der Altdöberner See über eine Wasserqualität, die im Lausitzer Seenland ein Spitzenniveau aufweist. Zudem füllt sich der von der LMBV als "Restloch Greifenhain" bezeichnete See jährlich um rund 1,3 Meter. Und das, obwohl die Flutung bereits 2007 eingestellt worden war. Karl-Heinz Wahren kennt die Gründe des Phänomens: Pleistozäne Rinnenstrukturen. "Ein bis Dahme/Mark reichendes, unterirdisches Flussbett bildet eine eiszeitliche Auswaschungsrinne, die vom damaligen Tagebau Greifenhain angebaggert wurde. Seither drückt Wasser in Größenordnungen in den See", erklärt der Geologe, der von 1975 bis 1992 in der Braunkohlenindustrie tätig war.

Stattliche 41,24 Kubikmeter umfasst die Wassermenge, die pro Minute in den Altdöberner See drückt und diesen zu einem Quellgewässer erhebt. "Der See stellt heute und in der Zukunft hydrologisch gesehen eine große Lausitzer Quelle dar. Aufgrund der Vorzüge, den Spreewaldgewässern später einmal unbelastetes Wasser zur Verfügung zu stellen, sollte diese Quelle behütet und nicht gefährdet werden", so Wahren.

Hat der Altdöberner See seine Füllhöhe erreicht, würde das Wasser über den ebenfalls für seine gute Wasserqualität bekannten Gräbendorfer See von Süden her in den Spreewald strömen. Der Geologe rät, das Gewässer, welches zudem über einen vorbildlichen pH-Wert von 7,3 (Messung 11/2014) verfügt, als Reservoir zu erhalten und für Eisenhydroxidschlamm (EHS) geeignetere Lager zu finden. Als Beispiel führt Karl-Heinz Wahren die Westmarktscheide Meuro an, die seiner Meinung nach für eine EHS-Einleitung besser geeignet sei. "Diese Option ist jedoch von der LMBV noch nicht ausreichend geprüft worden", sagt er.

Seine Bedenken, EHS aus belasteten Gräben zu bergen und in stabile, funktionierende Seen einzubringen, werden von Prof. Dr. habil. Oswald Blumenstein mitgetragen. Der eigens von der Universität Potsdam angereiste Erd- und Umweltwissenschaftler sieht im See ein "offenes System, in dem sich vielfältige Prozesse abspielen."

Man solle sich sehr genau überlegen, einen vollzirkulierenden See in einen Reaktor zu verwandeln, so Blumenstein. Das Einleiten von EHS mit organischem Anteil und darin befindlichen Begleitstoffen und Schwermetallen sei nicht ohne Risiko. "Wenn der See seine Füllhöhe erreicht hat, wandern die Stoffe ungehindert in den Spreewald und wir haben eine never ending Story", befand eine Zuhörerin. Dr.-Ing. Volker Preuß von der BTU Cottbus-Senftenberg kann die Sorgen seiner BI-Stammtisch-Kollegen nicht teilen. "Ich sehe keine Gefahr, dass der See biologisch umkippt. Unter den Rahmenbedingungen, die ich zum Altdöberner See kenne, kann ich auch eine befürchtete Braunfärbung ausschließen", betonte er, räumte jedoch ein: "Sollte sich ein Standort finden, der sich für ein Einbringen von EHS besser eignet, so sollte man diesen Weg einschlagen."

Für seine spontane Bereitschaft, sich der Diskussion zu stellen, erntete Volker Preuß seitens der Zuhörer großen Respekt. "Trotz anderen Auffassungen hat er unsere Veranstaltung enorm bereichert", würdigte BI-Sprecher Gernot Lindemann.