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| 02:53 Uhr

Altdöberner am Ocker-Stammtisch hart aber fair

Radler am Altdöberner See. Die Anrainer wollen eine touristische Entwicklung und wehren sich gegen Ockerschlamm im See.
Radler am Altdöberner See. Die Anrainer wollen eine touristische Entwicklung und wehren sich gegen Ockerschlamm im See. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern/Senftenberg. Zum Jahresende soll feststehen, ob Eisenhydroxidschlamm auch im Altdöberner See verspült wird. Das haben die Bergbausanierer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) am Freitagabend am ersten Stammtisch der Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See erklärt. Hart aber fair ist die Diskussion geführt worden. Uwe Hegewald

Eine Studie von Dr. Wilfried Uhlmann, Experte am Institut für Wasser und Boden in Dresden, bringt auch den Altdöberner See ins Rennen, um in der Lausitz zu Hauf anfallende Eisenhydroxidschlämme zu versenken. Bei den Anrainern des Tagebaufolgegewässers, das touristisch entwickelt wird, stößt das auf strikte Ablehnung. Uwe Steinhuber, Unternehmenssprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), und Volkmar Zarach, Abteilungsleiter Umweltschutz und Rekultivierung, haben sich am Stammtisch der Bürgerinitiative Altdöberner See im Schützenhaus "der gallischen Gemeinde" gestellt.

Grundsätzlich habe sich an dieser Studie nichts geändert, so Zarach. Er räumt jedoch ein, bei der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung im März dieses Jahres, "die Leute mit Zahlen überfrachtet zu haben". So sei seinerzeit mit der Mengenangabe von 200 000 Kubikmetern Eisenhydroxidschlamm (EHS) pro Jahr eine "theoretische Maximalzahl" genannt worden. Inzwischen gehe die LMBV von rund 72 000 Kubikmetern im Jahr aus, die im Nordraum des Sanierungsgebietes Lausitz aufgenommen werden müssten. So auch aus Spreewaldfließen auf einer Länge von 60 Kilometern. Im Südraum anfallende Ocker-Ablagerungen kämen nicht in den Altdöberner See. Dafür müssten andere Lösungen gefunden werden. Winfried Böhmer (B90/Grüne) vom Aktionsbündnis "Klare Spree" moniert: "Gerade im Südraum fallen die größten Mengen an Schlamm an." Für deren Einbringen in ein Tagebaurestloch falle LMBV-Angaben zufolge im Vergleich zur Deponierung nur rund ein Drittel der Kosten an.

Volkmar Zarach stellt klar, dass seitens der Finanziers der Braunkohlesanierung, das sind der Bund und die vier ostdeutschen Kohleländer, kostengünstige Lösungen und ein umsichtiger Umgang mit Steuergeldern gefordert werden. Gerade der mit hohem organischem Anteil versetzte ausgebaggerte Schlamm verursache immense Kosten. "Wir haben diesen noch nicht in einen See eingebracht. Die Studie sagt jedoch, dass es möglich ist", bekräftigt Volkmar Zarach. Er versichert, dass der Schlamm beprobt und belastetes Material auf eine Deponie gebracht werde.

Mitglieder der Bürgerinitiative fordern, dass alle Eisenhydroxidschlämme auf Deponien gebracht werden sollen. Auch, um es später zu verwerten. "In den aktiven Tagebauen in der Lausitz gibt es geeignete Flächen in Größenordnungen", erklärt Gerd Lau. Der Altdöberner appelliert, dass sich Vattenfall, die LMBV, Politiker und Behörden endlich an einen Tisch setzen, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Information, dass sich in den benachbarten Niederlanden eine EHS-Deponierung als umsetz- und tragbar erweist, überrascht auch den SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick, der unter den knapp 100 Gästen weilte. Er betont, dass die LMBV gute Arbeit leiste.

Das bekräftigt auch Torsten Wolf aus Lubochow, der die Pionierarbeit aber auch die Risiken anführt. So seien trotz vorangegangener wissenschaftlicher Studien unvorhersehbare Ereignisse eingetreten, die die LMBV inzwischen zur Nachsanierung bereits sanierter Flächen zwingen.

BI-Sprecher Gernot Lindemann führt Stellungnahmen von Institutionen an und beruft sich auf den Paragrafen 32 des Wasserhaushaltsgesetzes im Land Brandenburg, der ein Einbringen und Entledigen von festen Stoffen in oberirdische Gewässer untersagt. "Sie experimentieren nicht in einem Labor, sondern in der Wirklichkeit", mahnt er mit Nachdruck an.

Zum Thema:
Der zweite Stammtisch am Freitag, dem 10. Juli, 19 Uhr, in der Wassermühle Neudöbern steht unter dem Motto: "Der See kann nicht braun werden - oder doch?" Als Podiumsgäste werden der Wasser-Experte Helmut Ziehe und Prof. Dr. Oswald Blumenstein von der Uni Potsdam erwartet.